Verzicht

Auf etwas zu verzichten, vermögen wir dann, wenn uns der Verzicht nicht schwer fällt und wir dazu auch die Möglichkeit haben. Verzichte sind meist ein Überflussthema. Sie entstehen bereits vor unserer Handlungsoptionen, aus der Entwicklung von Angeboten in einem konkret gefestigten oder auch bestimmbaren Raum, dessen Konturen unsere Haltung zu bestimmen vermögen. Verzichte können auf einer spontanen Entscheidung beruhen, aber auch strategische Maßnahmen sein.

Neben kognitiven Verzichtsplanungen spielen oft auch emotionale Spontanentscheidungen dabei eine Rolle. Dann erfolgt der Verzicht oft in der Auflehnung gegen einen warnenden Gedanken, der das Gegenteil befürwortet und der noch nicht gedanklich verarbeiteten Erwartung eines Vorteils. Menschen verzichten oft nicht überlegt, sondern oft volatil aufgrund einer nicht bewusst gewordenen körperlichen oder psychischen Disposition. Verzichte sind oft auch als Zwischenräume des Begehrens zu begreifen, eine aus der Wechselwirkung von Annahme und Ablehnung entstehenden Bedingtheit.

Planvoll eingesetzt, schaffen Verzichte Freiheit und ermöglichen Handlungsoptionen einer Entlastung von Aneignungsverpflichtungen, die sich moralisch und gesellschaftlich als fragwürdig einordnen lassen könnten. Wer verzichtet, erleidet in der Regel keine Verluste, sondern gewinnt aus der gewählten Option die Kraft für seine Realisierung neuer Unternehmungen, die dann durchaus regelbasiert ebenfalls wieder Verzichte als Möglichkeit des Handelns vorsehen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski