Archiv für den Monat: Juni 2026

Kollaboration

Kollaboration, ein vergifteter Begriff, beschreibt er historisch gesehen doch die Zusammenarbeit der Franzosen bzw. des Vichy-Regimes von General Pétain mit den Nazis. Aber Zusammenarbeit von Gegnern, auch wenn sie Staaten sind, ist allgegenwärtig zum wechselseitigen Nutzen und Vorteil. Oft stellt sich Zusammenarbeit nicht als ein handfestes Ineinandergreifen von Handlungen dar, sondern beginnt bereits mit dem Gewährenlassen des Handelns eines anderen, selbst eines Gegners, setzt sich im günstigen Fall mit der Schaffung von Kontakten und Verbindungen, bis hin zu einem Deal im Sinne eines beidseitigen Nutzens fort. Die Kollaboration erfolgt zuweilen auch nicht zur Erzielung eines unmittelbaren Vorteils, sondern wird oft dadurch bestimmt, dass etwas geschehen soll, das der Handelnde nicht allein bewerkstelligen kann, aber möchte, dass ein Erfolg eintritt. Hierbei spielen die zu erwartenden eigenen Vorteile, der Eigennutz als auch im besten Fall der Nutzen für die Gemeinschaft eine Rolle. Selbst, wenn Zusammenarbeit an sich wertfrei ist, stärkt Zusammenarbeit in einem positiven Sinne die Ansehung, muss aber nicht auf dem direkten Wege erfolgen, sondern folgt verschlungenen Pfaden, spart die Erwartung des Nutzens sogar auf einen noch unbekannten Augenblick auf. Wir kennen das mit der gebräuchlichen Bemerkung: „Mal sehen, für was es gut ist?!“

Zusammenarbeit hat viele Ausdrucksformen, selbst ein Rat, das Schaffen von Kontakten und Gewährenlassen von Handlungen anderer kann Zusammenarbeit bedeuten. Erkenntnisse oder gar Anerkenntnis muss damit nicht verbunden sein. Selbstloses Handeln beim Zusammenarbeiten – gibt es das? Ich meine ja. Dies ist auch eine Form der Kollaboration, die eine Reaktion nicht voraussetzt, sondern diese erzeugt oder wohlwollend in Kauf nimmt. Selbst in diesem Fall gibt es den anderen, der die Zusammenarbeit gewährleistet, dies in der Erkenntnis, dass jegliches Tun Wirkung zeigt und dadurch der Zusammenarbeit Sinn verleiht –  dies selbst dann, wenn wir uns dessen nicht bewusst sind.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Methodenlehre

Ordnung ist das halbe Leben. Das weiß der Volksmund sehr gut und die Erfahrung bestätigt dies auch mit einer wichtigen Ergänzung, und zwar: Es ist sinnvoll, Ordnung so zu nutzen, dass sie den jederzeitigen Rückgriff auf das Verstaute erlaubt, denn sonst ist es eine Scheinordnung, die lediglich das Chaos kaschiert. Um dies aber zu verhindern, muss die Ordnung gewissen Regeln folgen, Gesetzmäßigkeiten, die gewährleisten, dass sie sich nicht im Zweck erschöpft, sondern die wie Instrumente wirken, die es erlauben, methodische Ordnung zu schaffen und zu bewahren. Hier kommt die Methodenlehre ins Spiel, die aufzeigen kann, welche Regeln einzuhalten sind, um Ordnung zu schaffen und zu erhalten.

Sie basiert darauf, dass keine Zufälligkeiten bestehen, sondern ein Regelwerk verhandelt ist, bei deren Einhaltung die gewünschten Ergebnisse zwangsläufig geschaffen werden. Die Nutzung dieses Regelwerkes erlaubt also die Kontrolle des Gestaltens bis hin zur Wirksamkeit des Geordneten selbst und weiß, mit auftretenden Schwierigkeiten und Störungen methodisch umzugehen. Das gilt nicht nur bei Gegenständen, sondern auch bei der methodischen Ordnung von Gedanken und deren Wirksamkeitsmessung bei der Bewahrung und Einordnung. Die regelbasierte Methode hilft, dass ein Gedanke in einem Ordnungsrahmen bei auftretenden Schwierigkeiten, wie in einem Labyrinth, den Weg findet und nicht, wie in einem Irrgarten, den Ausweg versäumt und abhandenkommt. Die KI, die wir nutzen, ist regel- und methodenbasiert, weil bei ihr die Vorgehensweise, also die Methode und nicht das Ergebnis, von Belang ist. Wir Menschen müssen allerdings nicht allein diesen methodischen Moment des technischen Prozesses bedenken, sondern können sogar bewusst Abweichungen und Störungen des Systems schaffen, die wiederum als eine Methode der Problemlösung von uns anerkannt werden kann. Jedenfalls ist der methodische Ansatz für die Bewältigung unserer vielfältigen menschlichen Herausforderungen nützlich, aber auch sicher nicht allein hilfreich, um die von uns gewünschten Entwicklungen zu beeinflussen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski