Wenn ich in der „Zeit“ der Rubrik „Was mein Leben reicher macht“ entnehme, dass sich ein Leser am Morgen an Vogelstimmen oder am unerwarteten Gruß eines anderen Menschen erfreut, bin ich meist tief berührt von dem scheinbar geringen alltäglichen Anlass, der zu einer so großen Freude des Lesers beiträgt, dass er sogar das Bedürfnis hat, sein Wohlbehagen der Zeitung mitzuteilen und den anderen Lesern zugänglich zu machen. Es sind für mich diese Momente der Verbundenheit, die wir Menschen alltäglich erfahren können, die uns bereichern und uns ein Beispiel dafür bieten, dass wir von einer tiefen Sehnsucht nach Harmonie, Zusammenhalt und der Erfahrung von Schönem geprägt sind.
Die Schilderung harmloser Begegnungen, die unser Herz erfreuen, bringen aber auch unsere Wehmut darüber zum Ausdruck, dass wir begreifen müssen, dass wir zwar wunderbare Erfahrungen haben und diese teilen wollen, aber die Zustimmung in einer schwierigen Welt nicht allgemein verbindlich ist. Vielleicht wäre es daher die Anstrengung wert, einen Prozess reverse einzuleiten, der gerade die Schwierigkeiten, selbst Kriege, Zerstörung usw. als das Besondere und das Schöne als das Allgemeine benennt? Das mag paradox erscheinen, weil wir Ausnahmen regelmäßig mit etwas Positivem in Verbindung bringen und uns daher schwer damit tun, die Welt allgemein als erfreulich zu betrachten und alles, was medial oder tatsächlich geschieht, wir als Angriff auf unsere Sicherheit empfinden, wir daher misstrauisch gegenüber allem Schönen sind, das uns widerfährt.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski