Archiv der Kategorie: Soziales

Hier finden Sie meine Gedanken, Ideen und Anreize zu gegenwärtigen und vergangenen sozialen Themen, die mich und meine Umwelt bewegen.

Kreuzgang

Wer widersteht der Macht der Behauptung, die angeblich Wissen schafft? Wer vermag uns von selbst gewählten Bezüglichkeiten befreien, die angeblich originäre Erkenntnisse verwalten? Die allem innewohnende Erinnerung wird durch erlebbare Erfahrungen geborgen. Das wurde mir bestätigt durch einen zufällig erlaubten nächtlichen Besuch kurz nach Weihnachten im Garten Gethsemane, eine halbe Stunde, in der Nacht, alleine, nur meine Frau und ich, sprachlos in Gedanken, alles fühlend im Wissen und in der Erinnerung an diesen besonderen Augenblick, umfassend zu verstehen.Dann schwingt die Welt, ist ein Ton in allen Dingen, offenbart das aus Urkeimen gezeugte Vorhandensein aller Erfahrungen trotzend allem Gewollten, alleine dem augenblicklichen Sinn und Anspruch gehorchend und auf sonderbare Art und Weise Realitäten knüpfend aus Erfahrbarem und Unbekanntem.

Schläft ein Lied in allen Dingen, so heißt es bei Eichendorf, das Lied zeugt mit Heiterkeit für die Vergänglichkeit und Wiedergeburt, die Transformation aller Wünsche, Sehnsüchte und Möglichkeiten in unserer Vorstellungswelt. Alles ist Fiktion und doch nutzbare Wirklichkeit, Spiegelung unserer Erwartungen an mich selbst und Andere. Wir schaffen uns eine Konstruktion der Lebensbewältigung in unserer umfassenden Unwissenheit und Ahnungslosigkeit. Unsere Unmöglichkeit, das Wesen aller Dinge an sich zu erfassen, macht uns zuweilen wütend. Würden wir allerdings mit unserer Ahnungslosigkeit gütiger umgehen, würden wir wahrscheinlich mehr fühlen und sehen, weil es keine Begrenzungen durch unser forderndes Ich mehr gäbe. Das Ich des Anderen, das andere Ich, das Gegen-Ich sozusagen würde uns bei der Konstruktion unseres Wunschlebens heiter unterstützen und uns vieles erleben lassen, das wir noch nicht einmal ahnen können.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Weltbild

Das Leben der meisten Menschen, zumindest in Deutschland, ist von einem hohen Sicherheitsbedürfnis bestimmt. Da jedem Menschen bewusst ist, dass ein Sicherheitsbedürfnis nur dann wirksam bedient werden kann, wenn die Allgemeinverbindlichkeit eines bestimmten Weltbildes erreicht wird, schaffen die Menschen Strukturen, innerhalb derer sich eine gemeinsame Sichtweise entwickeln und verfestigen soll. Ob das durch diese Sichtweise geschaffene Weltbild mit der Wirklichkeit kongruent ist, ist dabei offenbar weniger bedeutend als die Verbindlichkeit, die durch die gemeinsame Anschauung dieser Menschen begründet wird.

Das so gewonnene Weltbild grundsätzlich in Frage zu stellen, ist ausgeschlossen, abweichende Sichtweisen werden nur dann akzeptiert, wenn sie im Kern keiner Aufgabe des bisherigen Standpunktes, sondern nur dessen Bekräftigung dienen. Allerdings führt dies für den Fall, dass sich Weltbild und eine sich stets verändernde Wirklichkeit auch nicht mehr ansatzweise decken, dazu, dass sich Menschen nicht mehr in dieser Welt zurechtfinden.

Verschiebt sich der Fokus der Betrachtungsmöglichkeiten, mag der Einzelne noch Korrekturen für möglich erachten, innerhalb einer Gruppe fördern dagegen Anzeichen von tatsächlichen Veränderungen die Angst, wieder in den unsicheren Zustand vor der Festigung eines Weltbildes zurückzufallen. Wenn Weltbild und Wirklichkeit nicht mehr übereinstimmen, weil sich die Wirklichkeit verändert, dann fördert dies zudem die Bereitschaft von Menschen, die Wirklichkeit entsprechend ihren Vorstellungen anders zu gestalten, ggf. unter Einsatz von politischer und physischer Gewalt.

Sollte dies eintreten, dann ist es naheliegend, dass die so neu geschaffene Wirklichkeit nunmehr wieder Projektionsfläche für ein Weltbild wird, das ebenfalls Anspruch auf Allgemeinverbindlichkeit bis zur nächsten durch Gruppeninteressen rückversicherten Sichtweise auf die Welt erhebt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Schnäppchen

Wenn jemand einen Fisch verführerisch blinken sieht, wird er davon überzeugt sein, dass sich ihm ein Schnäppchen bietet. Er beißt zu und ist damit meist am Haken. Die Analogie zum menschlichen Verhalten ist gewollt. Ein Schnäppchen lohnt für uns den Einsatz. Risiken werden ausgeblendet. Risiken?

Schnäppchen werden landläufig eher mit Vorteilen gespiegelt. Schnäppchen bieten sich uns an, weil sie vermitteln, dass wir anbeißend besonders clever sind und der Ignorant besonders dusselig. Bei Schnäppchen geht es stets um uns zugemessene Vorteile. Es geht nicht darum, ob diese objektiv vorhanden sind, sondern um unsere Überzeugung. Um einem Schnäppchen öffentlich Wirkung zu verleihen, benötigt es die Anerkennung anderer Menschen. Sollten wir allerdings unsere Schnäppchenerfahrung mit anderen Menschen teilen, laufen wir Gefahr, dass Neid aufkommt oder wir dahingehend belehrt werden, dass wir leider einem Eigenschaftsirrtum aufgesessen seien, unser Schnäppchen nur ein vermeintliches sei.

Wird uns die Anerkennung des Schnäppchens schließlich gänzlich versagt, weil wir die erwartete Würdigung unserer Cleverness nicht erfahren, macht sich bei uns Unsicherheit und Misstrauen breit. Was wissen, was denken die Anderen? Wegen fehlender Anerkennung oder Gleichgültigkeit vergeht uns jeder Spaß. Unser Triumph wird durch Ernüchterung, Enttäuschung und Infragestellung erledigt. Der gerade noch vorhandene Schnäppchenjägerstolz erlischt.

Wem ist noch zu trauen? Es folgen Rückzug und Einsamkeit, Entwurzelung oder Schlimmeres. Genug, genug, gehen wir lieber weiter auf Schnäppchenjagd! Ja, wir optimieren unseren Einsatz, kaschieren, panaschieren, nutzen alle denkbaren legalen und halblegalen, vielleicht auch noch illegalen Möglichkeiten, unser Schnäppchen zu machen! Ist das nicht die sublimste Form der Nachhaltigkeit? Was schert denn den Pawlow´schen Hund bei so viel Selbstgewissheit noch die Anerkenntnis anderer, wenn er in der Lage ist, sich selbst zu belohnen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Verwandtschaft

Wenn von Fürstenhäusern die Rede ist, vernimmt man häufig Ausführungen zur Tradition und zum Stammbaum. Es wird ausführlich davon berichtet, wer sich mit wem eingelassen hat und welche Erwartungen die Öffentlichkeit an diese Verbindung knüpfen darf. Eine entsprechende mediale Aufmerksamkeit wird auch Genies geschenkt. Politiker und Sportler verweisen ebenfalls gern auf ihr Elternhaus mit dem Zusatz, dass sie es gerade deshalb oder auch trotzdem geschafft haben, ihre berufliche Stellung zu erringen.

Ansonsten nehmen die meisten Menschen ihre Verwandtschaft oft nur bei Familienfeiern wahr, entweder als lästig oder unumgänglich bzw. hilfreich. Eine tiefere Auseinandersetzung mit Verwandtschaft und Abstammung erfolgt in der Regel nicht und systematische Bearbeitung, wie es zur Tier- und Pflanzenwelt praktiziert wird, nur dann, wenn es darum geht, Menschen in einen gesellschaftlichen oder anthroposophischen Zusammenhang zu stellen. Detailfragen zur persönlichen Verwandtschaft werden oft nur im Zusammenhang mit Erbschaften geklärt und Geburts-, Heiratsurkunden, alte Briefe, Fotos, Taufbescheinigungen und Kirchenbuchauszüge selten genutzt, um sich eine Übersicht über die vielfältigen menschlichen, kulturellen, religiösen und gesellschaftlichen Verbindungen innerhalb der Familie zu verschaffen.

Warum ist die oft vernachlässigte Vergewisserung über Familie, Verwandtschaft und Abstammung eigentlich so wichtig? Ich meine, durch das Entdecken der vielfältigen Beziehungen, die uns verbinden, durch das Eintauchen in die Vergangenheit und das Aufdecken von Zusammenhängen kommen wir unserer eigenen Existenz näher und werden uns bewusst, was alles erforderlich war, um uns zu dem Menschen werden zu lassen, der wir heute sind.

Meines Erachtens schafft das Sicherheit und verlangt gleichzeitig Demut, denn bei der Erforschung sind uns unter Umständen nicht nur wunderbare Überraschungen gewiss.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Kreuzgang

Wer widersteht der Macht der Behauptung, die angeblich Wissen schafft? Wer vermag uns von selbst gewählten Bezüglichkeiten befreien, die angeblich originäre Erkenntnisse verwalten? Die allem innewohnende Erinnerung wird durch erlebbare Erfahrungen geborgen. Das wurde mir bestätigt durch einen zufällig erlaubten nächtlichen Besuch kurz nach Weihnachten im Garten Gethsemane, eine halbe Stunde, in der Nacht, alleine, nur meine Frau und ich, sprachlos in Gedanken, alles fühlend im Wissen und in der Erinnerung an diesen besonderen Augenblick, umfassend zu verstehen. Dann schwingt die Welt, ist ein Ton in allen Dingen, offenbart das aus Urkeimen gezeugte Vorhandensein aller Erfahrungen trotzend allem Gewollten, alleine dem augenblicklichen Sinn und Anspruch gehorchend und auf sonderbare Art und Weise Realitäten knüpfend aus Erfahrbarem und Unbekanntem.

Schläft ein Lied in allen Dingen, so heißt es bei Eichendorf, das Lied zeugt mit Heiterkeit für die Vergänglichkeit und Wiedergeburt, die Transformation aller Wünsche, Sehnsüchte und Möglichkeiten in unserer Vorstellungswelt. Alles ist Fiktion und doch nutzbare Wirklichkeit, Spiegelung unserer Erwartungen an mich selbst und Andere. Wir schaffen uns eine Konstruktion der Lebensbewältigung in unserer umfassenden Unwissenheit und Ahnungslosigkeit. Unsere Unmöglichkeit, das Wesen aller Dinge an sich zu erfassen, macht uns zuweilen wütend. Würden wir allerdings mit unserer Ahnungslosigkeit gütiger umgehen, würden wir wahrscheinlich mehr fühlen und sehen, weil es keine Begrenzungen durch unser forderndes Ich mehr gäbe. Das Ich des Anderen, das andere Ich, das Gegen-Ich sozusagen würde uns bei der Konstruktion unseres Wunschlebens heiter unterstützen und uns vieles erleben lassen, das wir noch nicht einmal ahnen können.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Kollaboration

Kollaboration, ein vergifteter Begriff, beschreibt er historisch gesehen doch die Zusammenarbeit der Franzosen bzw. des Vichy-Regimes von General Pétain mit den Nazis. Aber Zusammenarbeit von Gegnern, auch wenn sie Staaten sind, ist allgegenwärtig zum wechselseitigen Nutzen und Vorteil. Oft stellt sich Zusammenarbeit nicht als ein handfestes Ineinandergreifen von Handlungen dar, sondern beginnt bereits mit dem Gewährenlassen des Handelns eines anderen, selbst eines Gegners, setzt sich im günstigen Fall mit der Schaffung von Kontakten und Verbindungen, bis hin zu einem Deal im Sinne eines beidseitigen Nutzens fort. Die Kollaboration erfolgt zuweilen auch nicht zur Erzielung eines unmittelbaren Vorteils, sondern wird oft dadurch bestimmt, dass etwas geschehen soll, das der Handelnde nicht allein bewerkstelligen kann, aber möchte, dass ein Erfolg eintritt. Hierbei spielen die zu erwartenden eigenen Vorteile, der Eigennutz als auch im besten Fall der Nutzen für die Gemeinschaft eine Rolle. Selbst, wenn Zusammenarbeit an sich wertfrei ist, stärkt Zusammenarbeit in einem positiven Sinne die Ansehung, muss aber nicht auf dem direkten Wege erfolgen, sondern folgt verschlungenen Pfaden, spart die Erwartung des Nutzens sogar auf einen noch unbekannten Augenblick auf. Wir kennen das mit der gebräuchlichen Bemerkung: „Mal sehen, für was es gut ist?!“

Zusammenarbeit hat viele Ausdrucksformen, selbst ein Rat, das Schaffen von Kontakten und Gewährenlassen von Handlungen anderer kann Zusammenarbeit bedeuten. Erkenntnisse oder gar Anerkenntnis muss damit nicht verbunden sein. Selbstloses Handeln beim Zusammenarbeiten – gibt es das? Ich meine ja. Dies ist auch eine Form der Kollaboration, die eine Reaktion nicht voraussetzt, sondern diese erzeugt oder wohlwollend in Kauf nimmt. Selbst in diesem Fall gibt es den anderen, der die Zusammenarbeit gewährleistet, dies in der Erkenntnis, dass jegliches Tun Wirkung zeigt und dadurch der Zusammenarbeit Sinn verleiht –  dies selbst dann, wenn wir uns dessen nicht bewusst sind.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Methodenlehre

Ordnung ist das halbe Leben. Das weiß der Volksmund sehr gut und die Erfahrung bestätigt dies auch mit einer wichtigen Ergänzung, und zwar: Es ist sinnvoll, Ordnung so zu nutzen, dass sie den jederzeitigen Rückgriff auf das Verstaute erlaubt, denn sonst ist es eine Scheinordnung, die lediglich das Chaos kaschiert. Um dies aber zu verhindern, muss die Ordnung gewissen Regeln folgen, Gesetzmäßigkeiten, die gewährleisten, dass sie sich nicht im Zweck erschöpft, sondern die wie Instrumente wirken, die es erlauben, methodische Ordnung zu schaffen und zu bewahren. Hier kommt die Methodenlehre ins Spiel, die aufzeigen kann, welche Regeln einzuhalten sind, um Ordnung zu schaffen und zu erhalten.

Sie basiert darauf, dass keine Zufälligkeiten bestehen, sondern ein Regelwerk verhandelt ist, bei deren Einhaltung die gewünschten Ergebnisse zwangsläufig geschaffen werden. Die Nutzung dieses Regelwerkes erlaubt also die Kontrolle des Gestaltens bis hin zur Wirksamkeit des Geordneten selbst und weiß, mit auftretenden Schwierigkeiten und Störungen methodisch umzugehen. Das gilt nicht nur bei Gegenständen, sondern auch bei der methodischen Ordnung von Gedanken und deren Wirksamkeitsmessung bei der Bewahrung und Einordnung. Die regelbasierte Methode hilft, dass ein Gedanke in einem Ordnungsrahmen bei auftretenden Schwierigkeiten, wie in einem Labyrinth, den Weg findet und nicht, wie in einem Irrgarten, den Ausweg versäumt und abhandenkommt. Die KI, die wir nutzen, ist regel- und methodenbasiert, weil bei ihr die Vorgehensweise, also die Methode und nicht das Ergebnis, von Belang ist. Wir Menschen müssen allerdings nicht allein diesen methodischen Moment des technischen Prozesses bedenken, sondern können sogar bewusst Abweichungen und Störungen des Systems schaffen, die wiederum als eine Methode der Problemlösung von uns anerkannt werden kann. Jedenfalls ist der methodische Ansatz für die Bewältigung unserer vielfältigen menschlichen Herausforderungen nützlich, aber auch sicher nicht allein hilfreich, um die von uns gewünschten Entwicklungen zu beeinflussen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Materialisierung

Was ist der Mensch, was bedeutet ihm das Leben auf diesem Planeten oder auch auf anderen Planeten des Universums, so es dieses gibt? Materie, woraus alles entstanden ist und wieder zur Materie wird, mit dem Tode wieder zerfällt. Materie ist auch alles, was lebt und stirbt, verändert aber stets ihre Ausdrucksform. Materie hat nur eine gedachte Gegenständlichkeit, besteht sie doch aus chemischen Reaktionen, aus Atomen, Neutronen und sonstigem, was das Erscheinungsbild gestaltet. Ob chemische, physikalische oder elektronische Eigenschaft, jedes Gen trägt die Erinnerung all dieser Eigenschaften, die wir unter Materie fassen in sich.

Wie verhält es sich dabei mit Gedanken und Gefühlen? Indem sie sich in der Materie bewegen bzw. diese bewegen, sind sie wohl selbst Teil derselben, was zur Folge hat, dass alles Geschaffene, selbst Musik, Wort- und Bildkunst, wohl auch Materie sind. All das, was die Natur schafft, was der Mensch zu schaffen vermag, alles ist trotz unterschiedlicher Erscheinungen von der gleichen Art, entsteht aus Materie und wird wieder in einen materiellen Zustand zurückgeführt. Dieser Prozess prägt die Materie, gibt ihr Form und Gewicht, generiert Anziehung und Abstoßung, beeinflusst die in der Materie wirkenden Kräfte.

Da alles Leben endlich ist, stellt sich auch der spirituelle Sinn der Metamorphose. Diese ist nicht durch Glauben zu lösen, sondern verbirgt sich im Universum selbst, welchem wir eine allumfassende Kraft beimessen, die es erschaffen hat und beenden kann. Diese Kraft könnte göttlich sein, eine Kraft, die sich in allem, was das Leben ausmacht, materialisiert. So wird sie sichtbar. Wir wissen, dass es sich bei Materie nicht um etwas rein Stoffliches handelt, sondern Materie eine Synthese von physikalischen und chemischen Prozessen ist, die wir als gegenständlich wahrnehmen. Wir wissen auch, dass sich Materie verändern kann, je nachdem, ob Materie mit Hitze, Kälte oder anderer prozessualer Einwirkungen konfrontiert wird.

Wenn der Mensch im beschriebenen Sinne auch Materie ist, was sind dann aber Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei, wie es beim 1. Korinther 13 Vers 13 heißt? Materie? Gott selbst, ist er der Inbegriff aller Materie, also eines Zustandes, der den Menschen im Fall seines Todes wieder bei sich aufnehmen kann? Im Versuch, ein Beziehungsmosaik aller Seins, Nicht-Seins und Gewesen-Seins-Zustände zu schaffen, eröffnet diese Betrachtung uns die Möglichkeit die Ganzheitlichkeit aller Vorkommnisse zu erfahren, seien diese fassbar oder unfassbar, auf ewig miteinander verbunden, in vergänglichen Erscheinungsformen gefangen, aber stets bleibend in Ansehung der Materie bzw. ihres vielfältigen Wesens.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Verwahrlosung

Mensch Berlin, was haste dir verändert … . Überall Papierfetzen, Flaschen und alles andere, was ein Mensch normalerweise nicht verliert, sondern als Lästiges entsorgen will. Dieses Ver­halten macht vor den Innenräumen, insbesondere den Fahrzeugen des öffentlichen Nahver­kehrs, nicht halt, sondern setzt sich sichtbar fort an verschmutzten, kaputten Sitzen in S-Bahnen und Bierlachen, die durch die S-Bahn-Wagen schwappen. Resümee dieser Beobachtungen: Berlin und seine öffentlichen Einrichtungen machen einen verwahrlosten Eindruck. Wie konnte es dazu kommen? Wie konnte es dazu kommen, dass sich Bewohner aus dieser Stadt wegwünschen, dabei neben der Verwahrlosung auch den Verlust der Bürgerlichkeit insgesamt beklagen und schlimme Befürchtungen hinsichtlich des Erstarkens radikaler gesellschaftlicher und politischer Kräfte hegen.

Ich befürchte, dass einer der Gründe für die Entwicklung darin liegt, dass wir als Gesellschaft, und zwar jeder einzelne von uns, die soziale Kontrolle verloren haben. Wir achten nicht mehr auf andere, ja sogar nicht einmal auf uns selbst und unsere Taten. Früher sind wir uns auf Straßen, Plätzen, überhaupt in allen öffentlichen Einrichtungen unter Blickkontakten begegnet. Dies hat sich nun weitestgehend zugunsten unserer digitalen Begleiter erledigt. Keiner muss mehr damit rechnen, dass sein Verhalten von anderen bemerkt oder gar kommentiert wird. So bleibt jedes Verhalten unsanktioniert, seien dies Rotlichtfahrten an der Ampel oder auch die Müllentsorgung auf die Straße. So vermüllt die Stadt mit verheerenden Auswirkungen auf unser Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen und auf die Wahrnehmung deren Anliegen, aber auch mit erheblichen Auswirkungen auf unser eigenes Verhalten. Allenthalben sind Menschen dabei zu beobachten, wie sie sich in aller Öffentlichkeit gehen lassen. Ich vermute, dass sie dies vor sich selbst gar nicht mehr begründen, gar nicht mehr sehen.

Das Beispiel im öffentlichen Raum hat natürlich erhebliche Auswirkungen auch auf das gesamte Verhalten selbst in der Privatsphäre. Dabei spreche ich von Höflichkeit, Rücksichtnahme, Anstand und Sittlichkeit. Das sind Verhaltensorientierungen, die es gab, aber in kürzester Zeit aus unserer Gesellschaft verschwunden sind. Dies bemerkenswerterweise im Gegensatz zu anderen Gesellschaften, denken wir zum Beispiel an die Japaner, bei denen die traditionellen gesellschaftlichen Rituale offensichtlich erhalten geblieben sind, so dass sich zum Beispiel in einer Großstadt wie Tokio keinerlei privater Müll auf den Straßen befindet, da jeder buchstäblich seinen Dreck mitnimmt. Die Zumutung des Wahrzunehmenden schafft Unzufriedenheit und die Menschen fangen an, über deren Lästigkeit und Abhilfe nachzudenken, sehen allerdings vor allem in dem Versagen oder der Ohnmacht der öffentlichen Hand oder der Bürokratie den Grund für die Verwahrlosung. Indem sie aber erfahren, dass weder eine Stadtverwaltung noch die Politik generell Abhilfe schaffen, wenden die Bürger sich denjenigen Kräften zu, die populistisch Abhilfe in einem von ihnen erwarteten Sinne versprechen.

Alles soll natürlich einfach, unkompliziert und durchsetzungsstark geschehen. Ob sich hierfür linke oder rechte Populisten anbieten, ist völlig gleichgültig, Hauptsache: Macht doch was, irgendwas, macht doch was! Das erinnert übrigens stark an die Zeit der 68er und deren Unzufriedenheit mit einer gelähmten Gesellschaft. In Zeiten von Unzufriedenheiten neigen Menschen oft dazu, den einfachen Weg zu suchen, politisch, gesellschaftlich und sich gerade denjenigen anzuvertrauen, die eigentlich einen Teil des Problems darstellen, indem sie daran mitwirken, dass die Gesellschaft orientierungslos wird. Wenn wir uns dagegen wehren wollen, dann sollten wir mit mehr Aufmerksamkeit, Kontrolle des eigenen Verhaltens und Zuwendung zu anderen Menschen selbst damit beginnen, uns korrekt zu verhalten, auch wenn wir nicht unmittelbar mit einer Belohnung unseres Verhaltens rechnen können. Wir haben eine gesellschaftliche Herausforderung, die wir nicht an andere, z. B. Reinigungskräfte delegieren können, um der allgemeinen Verwahrlosung entgegenzuwirken.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Teilhabe

Besonders anlässlich der Wahlen in Thüringen und Sachsen war bei Politikern und in den Me­dien von Menschen die Rede, die demokratieverdrossen, abgehängt und frustriert seien. Anders sei es auch nicht zu erklären, dass Parteien wie die AfD und das BSW gewählt wurden. Den ganzen Salat an Argumenten muss ich hier nicht wiedergeben, er ist uns allen sattsam bekannt. Wie mag es aber tatsächlich um die Menschen bestellt seien, ob diese im Osten oder Westen, im Süden oder Norden Deutschlands leben? Ich weiß es nicht, jedenfalls nicht mit dieser Ein­deutigkeit, die Welterklärer bevorzugen. Nach meiner Einschätzung präsentieren sich alle Men­schen, also auch die Wähler, mit ihren Erwartungen, Sehnsüchten und Ansprüchen in einer Vielfältigkeit, die ihnen oft selbst Sorge bereitet, sie ängstlich und bange werden lässt. Es ist alles viel zu viel und zu unübersichtlich für sie, selbst der private Raum nicht mehr ganz sicher. Die gespürten Verletzungen werden vor allem medial geschaffen durch öffentlich geäußerte Erwar­tungen und Verpflichtungen und durch die Erschaffung einer digital verpflichtenden Welt, die Zumutung provoziert, Menschen zwingt, sich permanent auf Unwägbarkeiten einstellen zu müssen. Die Erfahrung der früher gepflegten Einheit und Konformität, die die Menschen zwar einerseits langweilte, allerdings aber auch beruhigte, veranlassen sie heute, in jedes für sie bild­haft bereitgestelltes Fahrzeug zu steigen, wenn dies die ehemals vertraute Ruhe verspricht und sich Gleichgesinnte darin befinden.

Allerdings, wenn sie sich umschauen, werden sie nach ei­niger Zeit mit Erstaunen entdecken, dass sich Menschen im Wagen befinden, die voneinander abwei­chende Meinungen und Erwartungen haben. Was werden sie dann tun? Etwa austeigen? Das Fahrzeug wechseln? Wer weiß? Wer sind nun diejenigen, die die Menschen, Bürger, Wähler abholen und zum Einstieg in ihre Kutschen und Wagons verleiten oder nötigen? Um im Bild zu bleiben, natürlich die Parteien. Für diejenigen, die ursprünglich nur eine Fahrt ins Blaue buchten, haben sie einen Chauffeur bestellt, Reiseziele benannt und verkaufen – um im Bilde zu bleiben – statt Rheumadecken ihre Programme.

Bei Fahrten ins Blaue ist dies traditionell immer so, an Bord gelten die Regeln des Veranstalters. Doch nicht vergessen, ein jeder Reisende hat die Fahrt selbst gebucht. Fühlt er sich in seinen Erwartungen etwa dann enttäuscht, wird es niemanden geben, der ihn dafür entschädigt. Es entspricht lediglich seinem Motivirrtum, wenn er meint, er habe geglaubt, auf der Fahrt ins Blaue interessante Sonderangebote zu bekommen, tatsächlich aber feststellt, dass alle Angebote veraltet und durchschnittlich sind. Per­manent habe ein Vertreter des Reiseveranstalters auf ihn eingeredet, zur Ruhe sei er nicht gekommen, so wird er klagen, aber bereits nach kurzer Zeit sind wohl die Erinnerungen an seine gemachten schlechten Erfahrungen wieder verblasst. Eine neue Fahrt ins Blaue ist schon angekündigt, das Fahrzeug steht bereit und warum sollte er nicht mitfahren? Vielleicht ist dieses Mal alles anders.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski