Archiv der Kategorie: Soziales

Hier finden Sie meine Gedanken, Ideen und Anreize zu gegenwärtigen und vergangenen sozialen Themen, die mich und meine Umwelt bewegen.

Teilhabe

Besonders anlässlich der Wahlen in Thüringen und Sachsen war bei Politikern und in den Me­dien von Menschen die Rede, die demokratieverdrossen, abgehängt und frustriert seien. Anders sei es auch nicht zu erklären, dass Parteien wie die AfD und das BSW gewählt wurden. Den ganzen Salat an Argumenten muss ich hier nicht wiedergeben, er ist uns allen sattsam bekannt. Wie mag es aber tatsächlich um die Menschen bestellt seien, ob diese im Osten oder Westen, im Süden oder Norden Deutschlands leben? Ich weiß es nicht, jedenfalls nicht mit dieser Ein­deutigkeit, die Welterklärer bevorzugen. Nach meiner Einschätzung präsentieren sich alle Men­schen, also auch die Wähler, mit ihren Erwartungen, Sehnsüchten und Ansprüchen in einer Vielfältigkeit, die ihnen oft selbst Sorge bereitet, sie ängstlich und bange werden lässt. Es ist alles viel zu viel und zu unübersichtlich für sie, selbst der private Raum nicht mehr ganz sicher. Die gespürten Verletzungen werden vor allem medial geschaffen durch öffentlich geäußerte Erwar­tungen und Verpflichtungen und durch die Erschaffung einer digital verpflichtenden Welt, die Zumutung provoziert, Menschen zwingt, sich permanent auf Unwägbarkeiten einstellen zu müssen. Die Erfahrung der früher gepflegten Einheit und Konformität, die die Menschen zwar einerseits langweilte, allerdings aber auch beruhigte, veranlassen sie heute, in jedes für sie bild­haft bereitgestelltes Fahrzeug zu steigen, wenn dies die ehemals vertraute Ruhe verspricht und sich Gleichgesinnte darin befinden.

Allerdings, wenn sie sich umschauen, werden sie nach ei­niger Zeit mit Erstaunen entdecken, dass sich Menschen im Wagen befinden, die voneinander abwei­chende Meinungen und Erwartungen haben. Was werden sie dann tun? Etwa austeigen? Das Fahrzeug wechseln? Wer weiß? Wer sind nun diejenigen, die die Menschen, Bürger, Wähler abholen und zum Einstieg in ihre Kutschen und Wagons verleiten oder nötigen? Um im Bild zu bleiben, natürlich die Parteien. Für diejenigen, die ursprünglich nur eine Fahrt ins Blaue buchten, haben sie einen Chauffeur bestellt, Reiseziele benannt und verkaufen – um im Bilde zu bleiben – statt Rheumadecken ihre Programme.

Bei Fahrten ins Blaue ist dies traditionell immer so, an Bord gelten die Regeln des Veranstalters. Doch nicht vergessen, ein jeder Reisende hat die Fahrt selbst gebucht. Fühlt er sich in seinen Erwartungen etwa dann enttäuscht, wird es niemanden geben, der ihn dafür entschädigt. Es entspricht lediglich seinem Motivirrtum, wenn er meint, er habe geglaubt, auf der Fahrt ins Blaue interessante Sonderangebote zu bekommen, tatsächlich aber feststellt, dass alle Angebote veraltet und durchschnittlich sind. Per­manent habe ein Vertreter des Reiseveranstalters auf ihn eingeredet, zur Ruhe sei er nicht gekommen, so wird er klagen, aber bereits nach kurzer Zeit sind wohl die Erinnerungen an seine gemachten schlechten Erfahrungen wieder verblasst. Eine neue Fahrt ins Blaue ist schon angekündigt, das Fahrzeug steht bereit und warum sollte er nicht mitfahren? Vielleicht ist dieses Mal alles anders.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Das Gleiche

Gleich zu Gleich gesellt sich gern. Ohne, dass uns dies oft bewusst ist, bilden unsere Sinnsprüche ewige Weisheiten ab, die sowohl am Biertisch, als auch in politischen Gruppierungen oder gar im Internet bei Instagram & Co. gelten. Immer möchte der Mensch zwar dabei, aber vor allem unter sich und seinesgleichen sein, grenzt sich von anderen ab. Wir sind in unserer Lebenszeit auf der Suche nach dem Gleichen, was sich auch in der Familie, bei der Wahl der Freunde und gar der Heimat widerspiegelt. Das Gleiche verspricht Geborgenheit, Schutz vor Unbekanntem und Fremden, vor allem, was unsere Sicherheit zu gefährden in der Lage sein könnte.

Zeit unseres Lebens sind wir nicht bereit, uns von der Welt abzunabeln, in die wir hineingeboren wurden, und zwar auch dann nicht, wenn wir sie aus vielerlei Gründen in Frage stellen sollten. Die dadurch erhaltene Sicherheit ermöglicht es uns, je nach Opportunität andere ebenfalls mit auf unsere Seite zu ziehen oder die Abweichler zu bekämpfen. Dies geschieht gesprächsweise oder in Aktion bis hin zu Kriegen. Das Ungleiche empfinden wir als Bedrohung und versuchen, jeweils einen gemeinsamen identitären Nenner herzustellen, ob dank unserer Überzeugungskraft oder notfalls mit Gewalt. Wir übersehen dabei, dass gleichgerichtetes Verhalten keine schöpferische Kraft aufzuweisen vermag, sondern nur Ungleiches die Aufmerksamkeit fördert und Unerwartbares hervorbringt, Neues schafft.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Mysterium

Bis zu seinem Tode ist dem Menschen seine körperliche Selbstvergewisserung allgegenwärtig. Er überprüft sein Vorhandensein z. B. durch Arbeit, Sport, Sex, Denken, Fühlen, Handeln in allen Variationen, erfährt Schmerz, Freude und Lust dabei: Der Mensch ist sich gegenwärtig bis er sich von dieser Welt körperlich verabschieden muss. Ohne, dass der Mensch sich darum bemüht, dies oft sogar nicht wünscht, hat seine körperliche Existenz auch eine unkörperliche Seite.

Die Doppelexistenz des Menschen aus dem Sichtbargemachten und dem Unsichtbaren drückt durch deren Gleichzeitigkeit das Mysterium des Lebens aus. Gleichzeitig ist der Mensch sich folglich selbst und anderen ähnlich und doch verschieden. Das Eine ist greifbar, das Andere oft nur vorstellbar. So ist der Mensch in einem ewigen Rollenspiel gefangen, in einer existentiellen Perplexität, die mit dem Versuch einer Verbindung von Körperlichkeit und Geistigkeit einhergeht. Wir ahnen scheiternd unsere Unfähigkeit, das Mysterium des Lebens zu begreifen, generieren Zweifel an unserem Sein, was nur durch Betäubung unserer Sinne für das Unkörperliche und die Hinwendung zum Tätigsein ertragbar erscheint.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Ruhe

Ach, ich bin des Treibens müde!
Was soll all die Qual und Lust?
Süßer Friede,
Komm, ach komm in meine Brust!

Oder:

Über allen Gipfeln
Ist Ruh‘,
In allen Wipfeln
Spürest Du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur! Balde
Ruhest du auch.

Ob „Wanderers Nachtlied“ oder „ein Gleiches“, jedenfalls von Goethe, der sich um äußere Ruhe bemühte, aber auch um die Herstellung einer inneren Ruhe als Brutstätte neuer Schöpfungsakte. In unruhigen Zeiten politischer, gesellschaftlicher oder persönlicher Provenienz erscheint Ruhe wie ein Fremdwort, bei einer Menschheit, die in Auseinandersetzungen und Kriegen lebt, begrifflich oft unbekannt und gar störend.

Wer Ruhe erfährt, lernt aber zu beobachten: andere, sich selbst und anders zu beobachten, gelassen zu sein. Ruhen scheint uns aber gefährlich, weil es Gewohnheiten in Frage stellt, die uns Menschen zum Nachdenken, Grübeln und sogar zum Zweifeln bringt. Ruhe bedeutet allerdings auch Aufbruch, der Beginn einer Entdeckungsreise, die nicht nur von Gedanken geführt wird, sondern den Menschen mit allen seinen Sinnen dazu einlädt, Neues zu erfahren durch die Bereitschaft, sich gegenüber sich selbst und anderen zu öffnen. Unbestreitbar ist dies ein Wagnis, aber wenn die Ruhe den Blick auf das Unfertige, das Gewagte erlaubt, dann ist sie auch in der Lage, neue Erfahrungen so zu konstruieren, dass sie den Menschen freimachen von der Treibjagd des Lebens, Frieden verschaffen und ein vollendbares Leben erlauben, ohne auf die Unwägbarkeit stetigen bemühten Handelns zur Betäubung angewiesen zu sein.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Zuordnung

Unsere Welt erfahren wir, indem wir unsere Wahrnehmungen benennen. Begrifflich sind dies Lebewesen, Sachen oder Zustände, die wir unserer Welt zuordnen. Wahrnehmend erkennt der Mensch eine Ordnung in der Inbezugsetzung von Dingen und Lebewesen, die als Gesetze beschrieben werden und als Blaupause für die Verrechtlichung unserer Welt dienen. Alles, was wir wahrnehmen und gestalten, folgt einem Kanon des Rechts, dem wir eine Verbindlichkeit verleihen. Wir benennen das Rechtssubjekt und das Rechtsobjekt und leiten davon unsere Ansprüche ab, strukturieren das Fassbare und Unfassbare nach unseren Regeln. Um dies zu tun, begreifen wir uns selbst als Rechtssubjekte und alles andere als Rechtsobjekte. Dass wir uns dabei auf Kollisionskurs mit den Gesetzmäßigkeiten der Natur begeben, ist uns wohl bewusst, doch vertrauen wir weitestgehend auf unser Zuordnungsrecht und unsere Eingriffsmacht.

Verschafften uns bisher Gesetze, Regeln, Legalität und Legitimität den Zuordnungsrahmen im Umgang mit der Wirklichkeit, ist so nun zu erkennen, dass getrieben von wissenschaftlichen Erkenntnissen unter Vermeidung einer Apriori-Festlegung des gewünschten Ergebnisses, wir feststellen, dass sich die Rechtssubjektivität zugunsten Anderem verschiebt, seien es Tiere, Pflanzen, Materie oder generelle Zustandsformen.

Die Entdeckung der zum Menschen konkurrierenden Rechtspersönlichkeiten hat bereits begonnen und drückt sich durch Schutzrechte aus, die Lebewesen wie auch Gegenständen oder Aussagen verliehen werden. Dies ist allerdings vordringlich der Versuch, dem Imperativ des anderen Seins durch unsere eigene Zuordnung zu begegnen. Denkbar ist, dass KI das Stimmrecht jedoch insgesamt verändern wird und der Mensch mit der Schaffung seiner rechtlichen Zuordnung in Konkurrenz zur Rechtsimmanenz anderer Lebewesen, Gegenstände und Manifestationen, die uns das alleinige Bestimmungsrecht streitig machen, gerät. Diese Entwicklung würde uns die Chance eröffnen unter Anerkennung der Rechtssubjektivität aller Lebewesen und Gegenstände sowie der von ihnen geschaffenen Zustände, neue Verbindlichkeiten für das Zusammenleben zu erarbeiten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Lebensplan

Lohnt sich für den Menschen angesichts des unvermeidlichen Sterbens die Geburt? Der Mensch ist nicht in der Lage, das zu vollenden, was er angefangen hat, sein Leben. Die Rechnung geht für ihn niemals auf, denn das, was er schafft, was er in seiner Lebenszeit zur Gesellschaft beiträgt, kommt anderen zugute. So profitiert er aber auch zu Lebenszeiten vom Handeln anderer und auch denjenigen, die vor ihm schon auf der Welt gewesen sind. Und doch stellt sich die Frage, geht die Lebensrechnung auf? Für den einzelnen Menschen eher nicht, angesichts von Kriegen, Krankheiten und vergleichbaren Belastungen. Aber dann, wozu leben? Wäre es nicht besser, wir wären nicht da und würden auch nie geboren? Ist der Mensch für die Welt an sich nützlich, gar erforderlich? Da bin ich skeptisch angesichts aller vom Menschen ausgehenden Gefahren für Umwelt, Natur und andere Lebewesen. Und doch freuen sich die Eltern in der Regel auf ihr Kind, wenn gleich sie dabei ausblenden, dass sie mit der Geburt bereits das Kind – also den werdenden Menschen – seinem eigenen Schicksal überantworten. Dieses Schicksal ist es, wieder zu sterben, nachdem er sozusagen in einer Endlosschleife vergleichbare Herausforderungen des Lebens zu bestehen hatte, wie sie selbst. Jede Mühe, jede Ablenkung und jeder Genuss wird vom unweigerlichen Tod begleitet. Also, warum sollten wir leben und Leben weitergeben, Kinder gebären, wenn mutwillig durch Kriege, krankheitsbedingt oder altersbedingt das Ende unweigerlich folgt? Es gibt keine befriedigende Erklärung. Es gibt keinen Grund für das Leben statt trotz aller Herausforderungen und Belastungen dennoch zu leben, zu leben in der Wehmut und dem Schmerz, einer mit der Geburt bereits gestifteten Endlichkeit. Die darin liegende Sinnlosigkeit ist wohl das Kostbarste unserer Existenz, denn diese teilen wir nicht nur mit dieser Welt, sondern mit dem ganzen Universum. Dies macht jeden Tag unseres Lebens so einzigartig.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Follower

Hannemann geh du voran, wir folgen … Niemandem muss ich wohl erklären, was unter Followern zu verstehen ist. Da sich junge Menschen damit brüsten, wie viele Follower sie auf sozialen Medien haben, verblüffte mich kürzlich eine Werbung, auf der zu lesen war: „Feierfreunde statt Follower“. Sind damit die Follower wieder aus der Zeit gefallen, sozusagen mega out?

Natürlich kann das sein, aber was das Verhalten selbst angeht, kaum wahrscheinlich. Seit Menschengedenken hat schon immer jemand geführt oder wurde zum Führen gebracht und andere mussten oder wollten folgen, weil sie sich Vorteile und Schutz davon erhofften, sich in der Gefolgschaft oft auch aufgrund ihrer eigenen Strategie einordneten. Wer folgt, kann dabei sein, ohne dabei sein zu müssen, wenn der Wind sich wieder dreht.

Ohne Gefahr ist die Gefolgschaft aber nicht: Lemminge erkennen oft nicht den Abgrund, der sich vor ihnen auftut, wenn sie anderen folgen. Social Media Followers füttern und fördern fremde Accounts und das soziale Prestige anderer. Dies mit ihren Daten und sogar mit Geld, leben dabei mit der Ungewissheit hinsichtlich ihrer eigenen Bedeutung und können auch auf sich ändernde Verhältnisse meist nicht mehr selbstbestimmt reagieren. Wenn der Wind sich dreht und der Account abgeschaltet wird, was bleibt dann für den Follower: Enttäuschung, Hilflosigkeit und Trotz, der sich allerdings nicht gegen den Verführer, den Influencer und Bestimmer richtet, sondern gegen all diejenigen, die nicht gefolgt sind und dadurch das kollektive Handeln geschwächt haben.

Sprichwörter sind verlässlich: Es prüfe, wer sich ewig bindet, ob er nicht etwas anderes findet. Dies gilt für Freundschaften, Begegnungen in der Wirklichkeit in gleichem Maße, wie auf Social Media, das Miteinander auf Augenhöhe, Gemeinsamkeiten, die auf Verabredungen beruhen, Verhalten und Korrekturen zulassen. Dazuzugehören ist keine Frage der Quantität, ausgelöst durch einen Click des Followers, sondern wird durch die menschliche Qualität von eigenständiger Prüfung vermittelt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Der gemeinsame Weg

Wir leben in schwierigen Zeiten: Finanzkrise. Europakrise. Wirtschaftskrise. Politikkrise. Kriege. Eine Jugend zudem, die den Eindruck vermittelt, als handele es sich bei ihr überwiegend um Internetjunkies. Ältere Menschen, die die Welt nicht mehr verstehen, den allgemeinen Wertemangel beklagen. Soziale Entwurzelung. Migration. Missbrauch. Gewalt. Aids. Umweltzerstörung. Klimakatastrophe. Skandale. Die Liste der Belastungen könnte nach Belieben fortgeschrieben werden. Das ist die eine Welt.

Die andere Welt hat zu tun mit der bleibenden Freude von Menschen aneinander, ihren Kindern, der Natur, der Vielfalt von Tieren und Pflanzen, dem Stolz auf das Erreichte und die Genugtuung im Beruf. Also! Trotz aller Grausamkeiten: Unsere Welt ist schön! Kaum ein Mensch kann zu Recht sagen, dass er sein ganzes Leben lang unglücklich gewesen sei. Kein Mensch wird wollen, dass seine Kinder und Kindeskinder die Welt als einen Ort des Schreckens und der Ohnmacht begreifen.

Unsere Welt bietet vielmehr alle Möglichkeiten, Chancen der persönlichen Entwicklung wahrzunehmen und uns in der Gemeinschaft zu verwirklichen. Auch unsere Kinder haben einen Anspruch darauf, ein üppiges, chancenreiches und selbstbestimmtes Leben in der Gemeinschaft zu führen. Deshalb müssen wir uns darauf besinnen und dies dabei nicht nur als eine lästige Pflicht begreifen, dass sich unser Denken, Fühlen und Handeln an den großen gemeinsamen Errungenschaften, dem Fortschritt und den vielfältigen Angeboten unserer Gesellschaft misst. Wir sollten nicht aufhören, neugierig auf unsere Zukunft zu sein, auf ein buntes Leben, das es jedem Menschen ermöglicht, sich zu bewähren, zu vervollkommnen und den Reichtum, der ihm dabei selbst zuteil wird, an die Kinder und Kindeskinder weiterzugeben. Früh sollten wir damit beginnen, den Enthusiasmus für das Leben in anderen Menschen zu wecken, sie anzustecken mit unserer Lebensfreude und ihnen geeignete Werkzeuge für die persönliche Selbstverwirklichung und die Regeln für die Bewahrung unser aller Welt zur Verfügung stellen.

Die Lösung sollte lauten: Alles, was wir tun, wird von Menschen für Menschen gemacht. Dieses Bekenntnis verpflichtet zu respektvollem Umgang miteinander. Die Würde jedes einzelnen Menschen in dieser Welt ist unantastbar. Unser Respekt sollte aber auch der uns anvertrauten Natur, den Pflanzen, den Tieren und den Ressourcen gelten, selbst dann, wenn wir vom ungestümen Forschungsdrang besessen sind und die dabei gewonnene Erkenntnis auch in der Wirklichkeit praktisch umsetzen wollen. Die permanente Weiterentwicklung der Menschheit ist unsere Hybris, aber auch unser Sinn. Doch wenn wir schon nicht anders können, dann sollten wir aber auch alles, was uns zu tun anvertraut ist, nachhaltig und mit Freude und mit ideellem Gewinn für die Welt und alle Geschöpfe machen.

So stehen die Türen weit offen für neue sinnbildende Erfahrungen der Generationen, für junge und alte Menschen, die gemeinsam ihre Chancen wahrnehmen, ihre Lebensgewohnheiten überprüfen, weitere vielleicht bisher unerkannte Fähigkeiten bei sich entdecken, ihr bisher schon vorhandenes Engagement selbstbewusst verstärken und sich selbst und anderen in der Gemeinschaft Gutes tun, indem sie sich mit Kompetenz und Herz auf die Herausforderungen der neuen Zeit einlassen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Aberwitz

Ein Witz ist es nicht, aber vielleicht doch ein göttlicher Spaß, dass unser imaginierter Erschaffer, vielleicht Gott, die Nabelschnur als Zündschnur des Lebens aber auch unserer Vernichtung im Moment unserer Geburt entflammte.

Wir sind nicht diejenigen, als die wir uns begreifen dürfen, sondern lediglich Verwalter eines unausdeutbaren Schicksals rätselhafter Lebendigkeit, die zudem aberwitzigerweise großteils allein auf einer sprachlichen Konkretisierung „Ich bin“ beruht. Natürlich versuchen wir, Leben zu verstehen und haben dafür Methoden und Vorstellungskraft, aber keine vermeintliche Erkenntnis hält letztlich einer universellen Schlüssigkeitsprüfung stand.

„Ja, aber …“ steht am Schluss jedes sich selbst erhellenden Gedankens und überlässt die ausdeutende Fortsetzung z. B. der Mathematik, der Physik, der Religion und vielleicht künftig wohl vor allem Chat GPT. Wir prompten dann Leben, Menschen, Universen oder Sonstiges und erfahren dazu eine Antwort, die uns die Maschine lehrt, als abschließend zu begreifen, alternativlos zu allen Eingaben, die Chat GPT als „Big Creater“ sich selbst zu prompten vermag. Das mag grotesk erscheinen, ist aber konsequent und gleichermaßen entlastend für uns, dass am Anfang zwar das Wort ist, wir sind, was gesagt ist, wir sehen, was gesagt ist und Worte uns aber auch verschwinden lassen können.

Was bleibt, ist dieser aberwitzige Impuls, mit dem alles begann, oder?

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Ahnung

Es mag paradox klingen, aber wir wissen bereits, was wir noch nicht wissen. Es liegt was in der Luft! Tiere ahnen es, bereiten sich darauf vor, drohenden schlimmen Ereignissen zu entgehen, dies in der Regel durch Fluchtversuche. Auch wir ahnen bedrohliche Umstände, bevor diese sich offenbaren. Unsere Ahnungen beruhen auf vorhandenem Wissen, aber auch auf der Einschätzung des Verhaltens anderer oder sich ändernder Umstände.

Erstaunlich ist dabei aber, dass sich diese Einschätzung oft mit einem Abwehrverhalten paart, dass es doch so schlimm nicht werden könne oder man unentdeckt bleiben würde. Durch Ahnungsunterdrückung wird die erwartbare und bereits schon gedanklich oder emotional gescannte Zukunft ausgeblendet, in der Hoffnung, ein bestimmtes Ereignis werde nicht eintreten oder natürlich ganz im Gegenteil, dass mit einem Ereignis zu rechnen sei. Trifft das erahnte Ereignis ein, so erfährt es programmatisch eine Einordnung, als habe es stets konkret erwartete Eigenschaften aufgewiesen. Wenn sie wahr werden, verändern sie Ereignisse. Im Vorfeld ihres Erscheinens sind Erwartungen unbequem, fordern zum Handeln auf, sind schwer zu kommunizieren und ungeduldig.

Die Erwartungen von Tieren leiten wir aus ihrem Verhalten ab. Wir Menschen neigen dazu, unsere Ahnungen situativ zu instrumentalisieren und werden von Ereignissen meist überrascht, wenn sie eintreten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski