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Denken

Wie denke ich? So, wie ich es gelernt habe. Angestrengt und mit dem Kopf! Wirklich? Ich denke auch mit dem Bauch, nein, mit jedem Teil meines Körpers, den ich zu diesem Verfahren einlade. Ich lasse selbstverständlich, aber auch andere für mich denken, andere Menschen, Tiere, Pflanzen, selbst Gegenstände, die meine Betrachtungen spiegeln. Denken KI oder AI mit? Aber nein, obwohl ich weiß, was mir Gelegenheit geben könnte, den Raum meines Denkens situativ zu erweitern, oder? Sicher bin ich mir da nicht, da ich mein Denken nicht zielgerichtet, sondern eher prozessual begreife, eine Methode, die es erlaubt, vielfältige Eindrücke auch emotional begreifend zu denken. Ein durch KI vermitteltes Wissen ohne menschliche Aufbereitung ist sinn- und nutzlos. Bildung beruht nicht auf Wissen, sondern auf Verstehen. KI kann mich eine ganzheitliche Vorstellung nicht lehren, weder kann sie denken, mitdenken, noch mein Denken als wertvoll einschätzen. Für die KI bedeutet mein Denken einen allenfalls ins Prompten übersetzen Impuls, der eine Aussage generiert, mit dem die KI keinerlei eine auf Erkenntnis beruhende Verbindung hat, AI denkt nicht.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Heinz Dürr Nachruf

Der Schwabe Friedrich Hölderlin sagte einst mal, dass der Tod ein Bote des Lebens sei und der Weimarer Johann Wolfgang Goethe ergänzte: „Mein Leben war das ewige Wälzen eines Steins, der immer von neuem gehoben werden musste.“ Das passt für Heinz Dürr, der auch den Schriftsteller und Dichter Goethe sehr verehrte.

Die Familie Dürr hat ihrer Traueranzeige den damit korrespondierenden Spruch vorangestellt, dass wir uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen sollten. Das Leben war für Heinz Dürr eine Aufgabe, die er pflichtgemäß zu erledigen hatte. Dieses Wälzen eines Steines, um im Bild Goethes zu bleiben, machte ihn zuweilen rastlos und ungeduldig. Die Ungeduld, die ihn trieb war aber konstruktiv, denn es gab immer viel für ihn zu tun. Er hatte sich der Arbeit verschrieben beim Aufbau der Dürr AG, als Verhandlungsführer bei Tarifkonflikten, als AEG- und Bahn-Chef, im „Forum für erneuerbare Energie“ zusammen mit der Schlecht-Stiftung in Stuttgart, in seiner eigenen Stiftung, der Heinz und Heide Dürr Stiftung, der Walther Rathenau-Gesellschaft und in vielen sonstigen ehrenamtlichen, privaten und öffentlichen Verpflichtungen.

Er war ein außerordentlich kluger und wichtiger Gesprächspartner, Ratgeber und guter Freund, voll Empathie, Witz und Wärme. Es war erfrischend, mit ihm zu sprechen und von ihm angesprochen zu werden. Jeder von uns hat diese Erfahrung gemacht. Er liebte Gedankenexperimente, hatte sich mit AI und KI auseinandergesetzt, auch etliche Bücher geschrieben und dabei zuweilen Cato, Ray Kurzweil und natürlich auch Walther Rathenau als seine Sparring-Partner für fiktionalen Gespräche bemüht.

Wie in „Die Physiologie der Geschäfte“ faszinierte Heinz Dürr im Sinne der Schriften von Walther Rathenau „Die kommenden Dinge“ – ebenfalls von Walter Rathenau – und was zu tun sei, um Fortschritt menschlich zu gestalten. Der Mensch sei kein Geschäftsmodell und Bildung von Anfang an sowie kulturelle Erfahrungen waren ihm genauso wichtig, wie wirtschaftliche Erfolge. Deshalb kümmert sich die Heinz und Heide Dürr Stiftung erfolgreich mit ihrem Early-Excellence-Programm um Kindergärten und Familien deutschlandweit, ferner um Autorentheater und andere kulturelle Vorhaben, aber auch um seltene Krankheiten, um nur einige der Aktivitäten der Stiftung zu nennen.

Bis zuletzt war Heinz Dürr nicht nur geschätzter Gesprächspartner für große Unternehmen, sondern auch in der Start-Up-Szene beratend aktiv. Er war ein integrer Mensch, der das beständige und entschiedene Handeln liebte.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski