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Bereicherung

Wenn ich in der „Zeit“ der Rubrik „Was mein Leben reicher macht“ entnehme, dass sich ein Leser am Morgen an Vogelstimmen oder am unerwarteten Gruß eines anderen Menschen erfreut, bin ich meist tief berührt von dem scheinbar geringen alltäglichen Anlass, der zu einer so großen Freude des Lesers beiträgt, dass er sogar das Bedürfnis hat, sein Wohlbehagen der Zeitung mitzuteilen und den anderen Lesern zugänglich zu machen. Es sind für mich diese Momente der Verbundenheit, die wir Menschen alltäglich erfahren können, die uns bereichern und uns ein Beispiel dafür bieten, dass wir von einer tiefen Sehnsucht nach Harmonie, Zusammenhalt und der Erfahrung von Schönem geprägt sind.

Die Schilderung harmloser Begegnungen, die unser Herz erfreuen, bringen aber auch unsere Wehmut darüber zum Ausdruck, dass wir begreifen müssen, dass wir zwar wunderbare Erfahrungen haben und diese teilen wollen, aber die Zustimmung in einer schwierigen Welt nicht allgemein verbindlich ist. Vielleicht wäre es daher die Anstrengung wert, einen Prozess reverse einzuleiten, der gerade die Schwierigkeiten, selbst Kriege, Zerstörung usw. als das Besondere und das Schöne als das Allgemeine benennt? Das mag paradox erscheinen, weil wir Ausnahmen regelmäßig mit etwas Positivem in Verbindung bringen und uns daher schwer damit tun, die Welt allgemein als erfreulich zu betrachten und alles, was medial oder tatsächlich geschieht, wir als Angriff auf unsere Sicherheit empfinden, wir daher misstrauisch gegenüber allem Schönen sind, das uns widerfährt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Was Spender bewegt

Spender wollen einen Ausgleich schaffen zwischen ihren eigenen Möglichkeiten und den Defiziten bei Anderen. Sie erkennen, wo Schäden eingetreten sind, Gefahren drohen und Abhilfe erforderlich wird, um Ungleichgewichtigkeiten im Leben oder auf dem Planeten insgesamt auszugleichen. Diese Ungleichgewichtigkeiten können menschengemacht, aber auch durch Naturgewalt, durch Wetter und erdbedingte Katastrophen entstanden sein.

Der Spender will immer seinen Beitrag zum Besseren leisten. Er will mithelfen bei der Überwindung einer Situation, die er für problematisch oder gar gefährlich hält. In der Regel erbringt der Spender seine Leistungen in Geld, aber oft auch in Zeit und Arbeitsleistung. Der Spender will, dass seine Spende ankommt und sein Beitrag hilfreich ist, um eine schwierige Situation zu verhindern, Unglücke zu beseitigen oder schon vorhandene günstige Umstände zu verbessern.

Der Spender handelt meist emotional, aber auch sehr überlegt und zweckorientiert. Der Spender will wissen, ob und wie sich sein Engagement auswirkt. Auch wenn ihm bewusst ist, dass andere Kostenaufschläge auf seine Spende machen oder von dieser profitieren, so ist ihm doch sehr daran gelegen, dass seine Spende nicht zur Bereicherung anderer anstiftet. Der Spender will Gutes tun. Dass dies auch steuerlich wirksam erfolgen kann, ist für ihn in der Regel eine willkommene Begleiterscheinung, aber nicht das auslösende Moment für seine Spendenbereitschaft.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski