Gleich zu Gleich gesellt sich gern. Ohne, dass uns dies oft bewusst ist, bilden unsere Sinnsprüche ewige Weisheiten ab, die sowohl am Biertisch, als auch in politischen Gruppierungen oder gar im Internet bei Instagram & Co. gelten. Immer möchte der Mensch zwar dabei, aber vor allem unter sich und seinesgleichen sein, grenzt sich von anderen ab. Wir sind in unserer Lebenszeit auf der Suche nach dem Gleichen, was sich auch in der Familie, bei der Wahl der Freunde und gar der Heimat widerspiegelt. Das Gleiche verspricht Geborgenheit, Schutz vor Unbekanntem und Fremden, vor allem, was unsere Sicherheit zu gefährden in der Lage sein könnte.
Zeit unseres Lebens sind wir nicht bereit, uns von der Welt abzunabeln, in die wir hineingeboren wurden, und zwar auch dann nicht, wenn wir sie aus vielerlei Gründen in Frage stellen sollten. Die dadurch erhaltene Sicherheit ermöglicht es uns, je nach Opportunität andere ebenfalls mit auf unsere Seite zu ziehen oder die Abweichler zu bekämpfen. Dies geschieht gesprächsweise oder in Aktion bis hin zu Kriegen. Das Ungleiche empfinden wir als Bedrohung und versuchen, jeweils einen gemeinsamen identitären Nenner herzustellen, ob dank unserer Überzeugungskraft oder notfalls mit Gewalt. Wir übersehen dabei, dass gleichgerichtetes Verhalten keine schöpferische Kraft aufzuweisen vermag, sondern nur Ungleiches die Aufmerksamkeit fördert und Unerwartbares hervorbringt, Neues schafft.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski