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Der gemeinsame Weg

Wir leben in schwierigen Zeiten: Finanzkrise. Europakrise. Wirtschaftskrise. Politikkrise. Kriege. Eine Jugend zudem, die den Eindruck vermittelt, als handele es sich bei ihr überwiegend um Internetjunkies. Ältere Menschen, die die Welt nicht mehr verstehen, den allgemeinen Wertemangel beklagen. Soziale Entwurzelung. Migration. Missbrauch. Gewalt. Aids. Umweltzerstörung. Klimakatastrophe. Skandale. Die Liste der Belastungen könnte nach Belieben fortgeschrieben werden. Das ist die eine Welt.

Die andere Welt hat zu tun mit der bleibenden Freude von Menschen aneinander, ihren Kindern, der Natur, der Vielfalt von Tieren und Pflanzen, dem Stolz auf das Erreichte und die Genugtuung im Beruf. Also! Trotz aller Grausamkeiten: Unsere Welt ist schön! Kaum ein Mensch kann zu Recht sagen, dass er sein ganzes Leben lang unglücklich gewesen sei. Kein Mensch wird wollen, dass seine Kinder und Kindeskinder die Welt als einen Ort des Schreckens und der Ohnmacht begreifen.

Unsere Welt bietet vielmehr alle Möglichkeiten, Chancen der persönlichen Entwicklung wahrzunehmen und uns in der Gemeinschaft zu verwirklichen. Auch unsere Kinder haben einen Anspruch darauf, ein üppiges, chancenreiches und selbstbestimmtes Leben in der Gemeinschaft zu führen. Deshalb müssen wir uns darauf besinnen und dies dabei nicht nur als eine lästige Pflicht begreifen, dass sich unser Denken, Fühlen und Handeln an den großen gemeinsamen Errungenschaften, dem Fortschritt und den vielfältigen Angeboten unserer Gesellschaft misst. Wir sollten nicht aufhören, neugierig auf unsere Zukunft zu sein, auf ein buntes Leben, das es jedem Menschen ermöglicht, sich zu bewähren, zu vervollkommnen und den Reichtum, der ihm dabei selbst zuteil wird, an die Kinder und Kindeskinder weiterzugeben. Früh sollten wir damit beginnen, den Enthusiasmus für das Leben in anderen Menschen zu wecken, sie anzustecken mit unserer Lebensfreude und ihnen geeignete Werkzeuge für die persönliche Selbstverwirklichung und die Regeln für die Bewahrung unser aller Welt zur Verfügung stellen.

Die Lösung sollte lauten: Alles, was wir tun, wird von Menschen für Menschen gemacht. Dieses Bekenntnis verpflichtet zu respektvollem Umgang miteinander. Die Würde jedes einzelnen Menschen in dieser Welt ist unantastbar. Unser Respekt sollte aber auch der uns anvertrauten Natur, den Pflanzen, den Tieren und den Ressourcen gelten, selbst dann, wenn wir vom ungestümen Forschungsdrang besessen sind und die dabei gewonnene Erkenntnis auch in der Wirklichkeit praktisch umsetzen wollen. Die permanente Weiterentwicklung der Menschheit ist unsere Hybris, aber auch unser Sinn. Doch wenn wir schon nicht anders können, dann sollten wir aber auch alles, was uns zu tun anvertraut ist, nachhaltig und mit Freude und mit ideellem Gewinn für die Welt und alle Geschöpfe machen.

So stehen die Türen weit offen für neue sinnbildende Erfahrungen der Generationen, für junge und alte Menschen, die gemeinsam ihre Chancen wahrnehmen, ihre Lebensgewohnheiten überprüfen, weitere vielleicht bisher unerkannte Fähigkeiten bei sich entdecken, ihr bisher schon vorhandenes Engagement selbstbewusst verstärken und sich selbst und anderen in der Gemeinschaft Gutes tun, indem sie sich mit Kompetenz und Herz auf die Herausforderungen der neuen Zeit einlassen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski