Welch´ Freude empfinden wir zuweilen dabei, alle Möglichkeiten des Erforschens auszuloten, über uns hinauszudenken und zu fühlen, zu spüren oder zu ahnen, was jenseits einer oft nicht sichtbaren, aber doch erkennbaren Begrenztheit noch vorhanden ist, was uns – gelänge uns der Zugang dazu – ermöglichen könnte, perspektiv unsere eigene Position anders zu sehen, also „verrückter“, nicht so eindeutig.
Die Unruhe, die unsere Unwissenheit erzeugt, schafft einerseits den produktiven Schwung, dem Forschungsdrang nachzukommen, andererseits aber auch oft Verdrießlichkeit bis hin zur Aggression, weil wir den Eindruck haben, die Hürden nicht zu überwinden, den Nebel nicht durchdringen zu können. In vielerlei Aspekten unseres Lebens, bestimmt durch Philosophie, Psychologie oder auch Religion, wollen wir das Grundsätzliche, das Wesenssein unseres Lebens berühren, aufdecken, das Rätsel lösen. Das ist zwar kompliziert, aber nicht aussichtslos.
Es gibt sie, die Erhabenheit des Gedankens, das wissende Gefühl, den Moment des Einsseins mit der eigenen und der fremden Existenz, dass sich jeglicher vorlauten Beschreibung verweigert. Wir erleben dies zuweilen in der Musik, in der Betrachtung eines Kunstwerks oder Wahrnehmung einer Stimmung in der Natur. Unsere Sprache vermag zwar, diese Momente zu verwalten, aber nicht zutreffend umzusetzen. Das ist zwar einerseits schade, aber auch ein Glück, denn das Mächtige des Erlebens ist zu mächtig für das sprachliche Moment und existiert stets ahnend und zögerlich in Grenzbereichen und stets auf der Lauer, diese zu überwinden.
Im Unbeschreiblichen, zu dessen Erfahren uns keine Instrumente, weder gedanklich, sprachlich noch gestisch zur Verfügung stehen, Analysen scheitern, erfahren wir unsere Begrenztheit, unsere Unfreiheit oder Unfähigkeit, die Weite eines Raums zu meistern, um das Labyrinth einer Idee durch Erweiterung unserer Vorstellungskraft zu ermöglichen.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski