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Wahrnehmung

Etwas wahrzunehmen stellt sich für mich als ein Aufbruch zum Feststellen, Reflektieren, Merken und schließlich Handeln dar. Die Aufmerksamkeiten, die ich Dingen und anderen Menschen schenke, ergreifen ihrerseits das Wort, sprechen mit mir, bieten mir Unterhaltung, geben Fingerzeige, und zwar übrigens selbst dann, wenn ich ruhe oder schlafe, denn meine Wahrnehmungsmöglichkeit reicht über das Offensichtliche hinaus. Ich darf darauf vertrauen, was mir mitgeteilt wird, wenn ich die Bereitschaft habe, das Wahrzunehmende zuzulassen.

Die Eigenwahrnehmung ist dabei sicher auch von Bedeutung, aber vor allem die Wahrnehmung von Anderem, Fremdem, anderen Menschen, ihren Gedanken, ihren Handlungen und alles, was sie damit ausdrücken. Wahrnehmung ist der Kosmos der Empfänglichkeit und konfiguriert die Bereitschaft, Erfahrungen zu machen, die über eine profunde Kommunikation hinaus reichen, weil sie ein Gespür, also eine sensible Haltung gegenüber jeglichem Kommunikationsangebot mit einschließen. So wenig KI-Modelle wahrnehmungsfähig sind, vermögen auch keine allein aus Meinungen abgeleitete Selbstbestätigungen Erfahrungen zuzulassen, die dem Menschen ein Wahrnehmen jenseits des Offensichtlichen erlauben. Dabei verfügt der Mensch über alle Sinne, die ihm das alles erlauben würde. Es ist jedoch unerlässlich, diese Fähigkeit auch auszubilden, deren Einsatz zu pflegen und bekannte Verhaltensmuster dabei in Frage zu stellen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski