Die Wirkung bleibt nicht aus. Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann – bildhaft gesprochen – einen Taifun am anderen Ende der Welt auslösen. Eine solche Metapher ist vielfach gebräuchlich und wird gern zur Veranschaulichung eines Ereignisses und dessen Wirkung eingesetzt. Eigentlich geht es aber überhaupt nicht um Ursache und Wirkung, sondern um die Zusammenhänge, die dank vielfältiger Vernetzungen begründet werden. Netze sind Wirkbahnen für Informationen jeglicher allgemeiner und dabei aber auch oft sehr spezifischer Art, die eine Vielzahl oder auch nur einzelne Adressaten erreichen sollen. Das Netz ist so eine aufnahmefähige Matrix für Botschaften, die sich wiederum selbst ein wirkmächtiges Netz schaffen. So besteht eine Interdependenz zwischen Botschaft und Netz, die vorausschauend Anforderungen an diejenigen stellt, die sich ihrer bedienen wollen. Das Netz hat Struktur und Gedächtnis. Es verbindet und verfügt. Was das Netz aufnimmt, bleibt, nutzt die geschaffenen Wege zur Verbreitung akkumulierter Energie oder Wissens, bleibt nicht neutral, wirkt selbst wie ein Gedächtnis.
Ohne Vernetzung ist Kommunikation nicht möglich, Fehlschaltungen jeglicher Art sind aber möglich. Fraglos setzt alle Kommunikation auf Vernetzung, doch die kann gestört werden, nicht nur bei Hackerangriffen auf Daten, sondern auch dann, wenn der Transportmodus des Netzes in seiner Bedeutung den Inhalt der jeweiligen Transmission verdrängt und selbst Inhalt wird, so gestaltende Bedeutung erlangt. Aus scheinbar inhaltlichen Eindeutigkeiten wird durch diese Art und Weise der Verknüpfung etwas anderes geschaffen. Die Kommunikation, die auf einer Verknüpfung im Netz beruht, ermöglicht zwar einerseits die Vielfältigkeit eines Impulses, eines Gedankens, eines Gefühls und einer Handlung, die ohne eine derartige Verknüpfung wirkungslos wäre, schafft aber andererseits auch einen Anspruch, der auf unerbittliche inhaltliche Nutzung des Netzes in dessen gestaltendem Sinne drängt.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski