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Chaos

Dürfen wir Chaos als Chance begreifen? Wohin wir schauen, ob in die USA, nach Russland oder Israel, überall gewinnen wir den Eindruck, dass Unvernunft, Willkür und absurdes Handeln ein Chaos anrichten.

Ja, das ist furchtbar, aber auch rätselhaft und trotz all dem damit verbundenen Leid faszinierend: Warum machen Menschen das? Wir werden aufgeweckt, Menschen und ein Weltenrätsel zu studieren, um neue Erfahrungen zu machen und dabei die Komplexität unseres Seins zu ergründen. Ein Beispiel: Kaum eine Mutter bringt Kinder auf die Welt, damit sie wieder sterben, meist zudem vor den Eltern. Keiner will in der Kürze seines Lebens hungern, dürsten, eingesperrt oder gefoltert werden. Und doch all das passiert.

Jeder, der dazu eine Chance hat, will sich in der Kürze seines Lebens so einrichten, dass es ihm gelingen möge, alt zu werden, dabei sowohl beruflich, als auch privat diejenigen Annehmlichkeiten zu erfahren, die ihm seine jeweilige Umgebung gewähren kann. Es entspricht dem Wesen des Menschen stets auf der bright, d. h. auf der „Right Side of Life“ zu sein und zu verhindern, dass der persönliche Friede vermeidbar gestört wird. Und er wird gestört. Die Welt befindet sich in Aufruhr, Kriege, auch Handelskriege, verursachen Chaos. Die Regeln scheinen zur Disposition gestellt zu sein.

Eine Verlässlichkeit scheint zumindest international, aber auch im engeren politischen Raum abhanden gekommen zu sein. Diese Erfahrung wirkt wie eine Brandung, die uns umzuwerfen in der Lage ist, aber seltsamerweise verhindert sie auch die Abstumpfung und schärft unsere Sinne für das andere Mögliche. Aus dem Chaos zu lernen bedeutet, unser Verhalten als Mensch sowohl privat, als auch beruflich und insgesamt gesellschaftlich zu überdenken und daraus Handlungsinitiativen abzuleiten, die eine erweiterte Lebensgewissheit aller Menschen festigt.

Mit Appellen ist es nicht getan und Kriege wird es immer geben, Auseinandersetzungen und Streitereien sind an der Tagesordnung, aber das durch das Chaos deutlich werdende Mahnzeichen, die Konsequenzen unseres Handelns zu bedenken, wird zu einer anders strukturierten konkreten Einsicht führen, dass künftige, noch nicht geborene Generationen die Möglichkeit haben wollen, uns zu überleben.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski