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Denken

Wie denke ich? So, wie ich es gelernt habe. Angestrengt und mit dem Kopf! Wirklich? Ich denke auch mit dem Bauch, nein, mit jedem Teil meines Körpers, den ich zu diesem Verfahren einlade. Ich lasse selbstverständlich, aber auch andere für mich denken, andere Menschen, Tiere, Pflanzen, selbst Gegenstände, die meine Betrachtungen spiegeln. Denken KI oder AI mit? Aber nein, obwohl ich weiß, was mir Gelegenheit geben könnte, den Raum meines Denkens situativ zu erweitern, oder? Sicher bin ich mir da nicht, da ich mein Denken nicht zielgerichtet, sondern eher prozessual begreife, eine Methode, die es erlaubt, vielfältige Eindrücke auch emotional begreifend zu denken. Ein durch KI vermitteltes Wissen ohne menschliche Aufbereitung ist sinn- und nutzlos. Bildung beruht nicht auf Wissen, sondern auf Verstehen. KI kann mich eine ganzheitliche Vorstellung nicht lehren, weder kann sie denken, mitdenken, noch mein Denken als wertvoll einschätzen. Für die KI bedeutet mein Denken einen allenfalls ins Prompten übersetzen Impuls, der eine Aussage generiert, mit dem die KI keinerlei eine auf Erkenntnis beruhende Verbindung hat, AI denkt nicht.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Stellvertreterdenken

Ich denke doch für Euch! Das war der trotzig hingeworfene Satz eines gleichaltrig jungen Mannes, als ich ihn Ende der 60er Jahre aufforderte, sich daran zu beteiligen, die Küche aufzuräumen. Da er für uns denke, weigere er sich mitzumachen. Was war sein Denken wert?

Blitzschnell kalkulierte ich und sagte: „Wenn Du nicht mitmachst, kriegst Du auch nichts zu essen.“ Er empfand das aus den vorgenannten Gründen als ungerecht. Ich empfand es meinerseits als Anmaßung zu behaupten, man könne und dürfe für den Anderen mitdenken. Wie kann er überhaupt denken, wie ich denke und was soll ich mit seinem Denken anfangen, wenn es für mich eine Art Denkersatz darstellen soll? Das Denken selbst ist völlig in Ordnung. Es sollte dem Verbreiten von Parolen vorangehen. Aber das Denken, für den Fall seiner Veröffentlichung ohne Angebot an den Empfänger sich kritisch damit auseinandersetzen zu dürfen, ist frivol.

Jeder mag denken, was ihm beliebt, keiner muss jemals veröffentlichen, was er denkt, aber wenn er von seinem Denken eine allgemeine Handlungsempfehlung ableiten will, muss er sich auf Kritik, Widerstand und Ergänzungen einstellen. Gedanken sind aber nicht nur frei, sondern sogar hoch willkommen, wenn sie dazu dienen, uns zu bereichern, zu unserem bleibenden Gedächtnis etwas beizutragen und Impulse zu geben.

Dies gilt auch für das digitale Gedächtnis, auf das wir zurückgreifen können, wenn unser eigenes Gedächtnis versagen sollte. Aber auch in der digitalen Welt kann kein Algorithmus an unserer Stelle denken. Wenn das System seinen eigenen Weg geht und meint, sich verselbständigen zu können, dann müssen wir es zähmen. Wir brauchen keine Stellvertreterdenker, ob dies Menschen oder Maschinen sein sollten. Wir brauchen Menschen, die sich nicht scheuen, konkret dort anzupacken, wo Gemeinsamkeit gefordert ist, zum Beispiel beim Decken des Tisches für ein gemeinsames Mahl. Können Maschinen das auch?

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski