Es mag paradox klingen, aber wir wissen bereits, was wir noch nicht wissen. Es liegt was in der Luft! Tiere ahnen es, bereiten sich darauf vor, drohenden schlimmen Ereignissen zu entgehen, dies in der Regel durch Fluchtversuche. Auch wir ahnen bedrohliche Umstände, bevor diese sich offenbaren. Unsere Ahnungen beruhen auf vorhandenem Wissen, aber auch auf der Einschätzung des Verhaltens anderer oder sich ändernder Umstände.
Erstaunlich ist dabei aber, dass sich diese Einschätzung oft mit einem Abwehrverhalten paart, dass es doch so schlimm nicht werden könne oder man unentdeckt bleiben würde. Durch Ahnungsunterdrückung wird die erwartbare und bereits schon gedanklich oder emotional gescannte Zukunft ausgeblendet, in der Hoffnung, ein bestimmtes Ereignis werde nicht eintreten oder natürlich ganz im Gegenteil, dass mit einem Ereignis zu rechnen sei. Trifft das erahnte Ereignis ein, so erfährt es programmatisch eine Einordnung, als habe es stets konkret erwartete Eigenschaften aufgewiesen. Wenn sie wahr werden, verändern sie Ereignisse. Im Vorfeld ihres Erscheinens sind Erwartungen unbequem, fordern zum Handeln auf, sind schwer zu kommunizieren und ungeduldig.
Die Erwartungen von Tieren leiten wir aus ihrem Verhalten ab. Wir Menschen neigen dazu, unsere Ahnungen situativ zu instrumentalisieren und werden von Ereignissen meist überrascht, wenn sie eintreten.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski