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Vernetzung

Die Wirkung bleibt nicht aus. Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann – bildhaft gesprochen – einen Taifun am anderen Ende der Welt auslösen. Eine solche Metapher ist vielfach gebräuchlich und wird gern zur Veranschaulichung eines Ereignisses und dessen Wirkung eingesetzt. Eigentlich geht es aber überhaupt nicht um Ursache und Wirkung, sondern um die Zusammenhänge, die dank vielfältiger Vernetzungen begründet werden. Netze sind Wirkbahnen für Informationen jeglicher allgemeiner und dabei aber auch oft sehr spezifischer Art, die eine Vielzahl oder auch nur einzelne Adressaten erreichen sollen. Das Netz ist so eine aufnahmefähige Matrix für Botschaften, die sich wiederum selbst ein wirkmächtiges Netz schaffen. So besteht eine Interdependenz zwischen Botschaft und Netz, die vorausschauend Anforderungen an diejenigen stellt, die sich ihrer bedienen wollen. Das Netz hat Struktur und Gedächtnis. Es verbindet und verfügt. Was das Netz aufnimmt, bleibt, nutzt die geschaffenen Wege zur Verbreitung akkumulierter Energie oder Wissens, bleibt nicht neutral, wirkt selbst wie ein Gedächtnis.

Ohne Vernetzung ist Kommunikation nicht möglich, Fehlschaltungen jeglicher Art sind aber möglich. Fraglos setzt alle Kommunikation auf Vernetzung, doch die kann gestört werden, nicht nur bei Hackerangriffen auf Daten, sondern auch dann, wenn der Transportmodus des Netzes in seiner Bedeutung den Inhalt der jeweiligen Transmission verdrängt und selbst Inhalt wird, so gestaltende Bedeutung erlangt. Aus scheinbar inhaltlichen Eindeutigkeiten wird durch diese Art und Weise der Verknüpfung etwas anderes geschaffen. Die Kommunikation, die auf einer Verknüpfung im Netz beruht, ermöglicht zwar einerseits die Vielfältigkeit eines Impulses, eines Gedankens, eines Gefühls und einer Handlung, die ohne eine derartige Verknüpfung wirkungslos wäre, schafft aber andererseits auch einen Anspruch, der auf unerbittliche inhaltliche Nutzung des Netzes in dessen gestaltendem Sinne drängt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Generation Z

Kürzlich war ich Gast einer Veranstaltung, die sich mit den Chancen und Perspektiven der Ge­neration Z beschäftigte. Generation Z dürften die 16- bis 24jährigen der jetzigen Generation sein. Genau weiß dies allerdings niemand, da Altersabgrenzungen immer problematisch sind. Gespannt dürfen wir natürlich darauf sein, wer nach der Generation Z heranwächst. Vielleicht eine Generation Alpha oder irgendeine Zifferngeneration. Wer kann, wer will das schon wissen.

Eine Generation definiert sich, so will man glauben. Eine Generation wird definiert. Das dürfte näher an der Wahrheit sein. Die Generation Z sei von den digitalen Kommunikationsmitteln geprägt, dadurch gleichzeitig gefordert und überfordert, kooperativ und doch bindungslos. Kurzum: eine Generation in der Wir-Findung, aber kreativ, talentiert, ausgestattet mit hohem Potential. Es sei eine gesellschaftliche Aufgabe, die Talente und Fähigkeiten zu entwickeln, Freiraum zu schaffen und alle kreativen Ansätze dieser Generation zu fördern.

Auch zwei Vertreter der Generation Z waren bei der Veranstaltung, etwas knurrig und selbstbewusst, aber durchaus zufrieden, mit dem, was sie hörten. Sie dachten sich wohl ihren Teil und spekulierten auf den Nutzen der verbalen Angebote für ihre Zwecke. Die Veranstaltung lief in einem etwas breiigen Verständnismodus ab. Wie wir dies auch schon in anderen Diskussionen mit und über Jugendliche erleben durften, geht es immer darum, dass wir sie verstehen, ihre Zukunftsängste begreifen, unser Versagen eingestehen und hoffen, dass die Strafe für uns nicht allzu drastisch ausfällt.

Ein ganz merkwürdiger Ablaufplan für die Entwicklung unserer Generation und der kommenden. Eher beiläufig als zentral ist von Struktur, Ordnung, Verantwortung – auch Selbstverantwortung – und Pflicht die Rede. Dabei schaffen gerade Ordnung und Pflicht diejenigen Organisationen, die geeignet sind, auch junge Menschen dazu zu befähigen, sich unter Zurückhaltung einzubringen in persönliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Prozesse, um ausbaufähige Positionen zu erlangen. Kreativität bis hin zum Talent für eine bestimmte Aufgabe kann sich doch nur dadurch entfalten, dass es einen Plan gibt.

Solange Anspruch und Wirklichkeit beziehungslos durch Bildungsplattformen mit öffentlichen Diskussionen geistern, können sie nichts beitragen zu Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit einer Generation Z, Alpha oder eins. Es sind nicht die alten überkommenen Werte, die Hilfestellung leisten können. Erprobte Vorgaben, Rituale und Verhaltensanforderungen schaffen dem einzelnen Menschen und der Gesellschaft das notwendige Rüstzeug für die Zukunft.

Algorithmen sind keine Erfindungen der Neuzeit oder gar der Generation Z, sondern dem Menschen immanent seit jeher. Wir sollten daher nicht in der Disruption, sondern in der reflektierten Kontinuität Chancen für unsere Kinder und auch für uns sehen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski