Schlagwortarchiv: Verstehen

Denken

Wie denke ich? So, wie ich es gelernt habe. Angestrengt und mit dem Kopf! Wirklich? Ich denke auch mit dem Bauch, nein, mit jedem Teil meines Körpers, den ich zu diesem Verfahren einlade. Ich lasse selbstverständlich, aber auch andere für mich denken, andere Menschen, Tiere, Pflanzen, selbst Gegenstände, die meine Betrachtungen spiegeln. Denken KI oder AI mit? Aber nein, obwohl ich weiß, was mir Gelegenheit geben könnte, den Raum meines Denkens situativ zu erweitern, oder? Sicher bin ich mir da nicht, da ich mein Denken nicht zielgerichtet, sondern eher prozessual begreife, eine Methode, die es erlaubt, vielfältige Eindrücke auch emotional begreifend zu denken. Ein durch KI vermitteltes Wissen ohne menschliche Aufbereitung ist sinn- und nutzlos. Bildung beruht nicht auf Wissen, sondern auf Verstehen. KI kann mich eine ganzheitliche Vorstellung nicht lehren, weder kann sie denken, mitdenken, noch mein Denken als wertvoll einschätzen. Für die KI bedeutet mein Denken einen allenfalls ins Prompten übersetzen Impuls, der eine Aussage generiert, mit dem die KI keinerlei eine auf Erkenntnis beruhende Verbindung hat, AI denkt nicht.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Gärungsprozesse     

Stakkato, Antworten, wie aus der Pistole geschossen. Das Sprechen überholt das Denken, dies womöglich, aber sicher das Verstehen durch andere. Was hat sie, was er denn eben gesagt?

Mitdenkend versuche ich zu hören, zu erfassen und zu verarbeiten und so zu begreifen, um was es denn gehen mag. Oft scheitere ich. Zu schnell ist der Sprach- und Gedankenturm des Vortragenden gebaut, ist aber seine Statik auch klug berechnet? Um was geht es denn? Doch wohl darum, Vorkommnisse zu erfassen, diese zu verarbeiten, eigene Gedanken dazu zu entwickeln, Schlüsse aus Vorgetragenem zu ziehen, also fremde Gedanken mit den eigenen abzugleichen und das Erfahrene kreativ zu verarbeiten.

Wird dies im Sprachgalopp gelingen? Wohl kaum. Die Hefe muss doch gären! Der gedankliche Gärungsprozess benötigt Ruhe, die Hefe muss sich entwickeln, die Sprache muss sich also verlangsamen, Gedanken und Gefühle müssen reifen. Verlassen sie die Form, entwickeln sie sich weiter im Raum, greifen Impulse auf, ringen um Verständnis und Verstandenwerden, benötigen Zeit, sind aufnahmefähig und bereit, im Prozess des Gärens doch die Verdichtung zu erlangen, die das prächtige Werk erahnen, uns aber auch wissen lässt, dass jede prozessuale Missachtung der Gärung durch Eingriff in deren Prozess dazu führt, dass das beabsichtigte Werk misslingen muss. Handwerkliches Sprechen ist also gefragt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski