Alles ist so klar, Klartext, na klar, klaro und klar doch. Keine Unsicherheit, kein Zweifel im Gespräch, anders zu denken und zu handeln, kaum vorstellbar. Unser Leben wird aber nicht von Klarheit, sondern von Unsicherheiten bestimmt, die uns ständig zwingen, unsere Gefühle, unsere Gedanken, unser Verhalten Eventualitäten anzupassen, also Umständen, die für uns oft nur schemenhaft klar oder überhaupt unklar sind. Wir, die Klarheit behaupten, um unsere eigenen Zweifel und Unsicherheiten und oft genug auch unsere Unfähigkeiten zu begreifen, versuchen dies zu verbergen. Dabei verkennen wir, dass die behauptete Klarheit lediglich eindimensional wirkt, Unsicherheiten dagegen optional für uns ein breites Spektrum an Möglichkeiten öffnen, die uns Gelegenheit bieten, emotional und reflektiv einen weiten Bereich des Besinnens, des Fühlens und Denkens zu erfahren. Unser Handeln erfährt durch diesen Vorbereitungsprozess eine größere Wirkung, als wenn zwischen Wahrnehmung und Aktion nur eine ungeprüfte direkte Verbindung bestehen würde.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski