Was nichts kostet, ist nichts wert

Die Piratenpartei vertritt den Grundsatz der Offenheit und Freiheit im Netz und erledigt so ganz nebenbei den Grundsatz des Urheberrechts. Urheberrecht bedeutet dabei nicht nur das Recht, selbst zu bestimmen, was mit den eigenen schöpferischen Leistungen geschieht, sondern auch darauf zu bestehen, dass diese Leistungen, soweit auch andere einverständlich mit dem Urheber darüber verfügen, auch entsprechend vergütet werden. Was nichts kostet, ist nichts wert. Der Volksmund hat dies eindeutig formuliert. An dieser Eindeutigkeit kommen auch diejenigen nicht vorbei, die mit der Totalität der Informationsgesellschaft drohen und die Netzfreiheit als feststehende Tatsache proklamieren. Die Realwirtschaft kann sich ins Fäustchen lachen. Die Verletzung eines Betriebsgeheimnisses ist nach wie vor die Verletzung eines Betriebsgeheimnisses und strafbar. Die Verletzung des Rechts an einer schöpferischen Leistung – sei es durch Plagiat oder „Copy and Paste“ – stellt heute im Bewusstsein vieler Menschen allenfalls noch ein moralisch vorwerfbares Verhalten dar. Aber auch diese Einstellung wird verschwinden, wenn fortschreitend eine Vielzahl von Netzusern die Bedenkenträger diffamieren und ihre selbsterkorenen Rechte einfordern.

Aber, wer will dann in unserer Gesellschaft noch schaffen oder denken? Bin ich verpflichtet, für andere noch zu denken, wenn diese mir nicht nur meine Gedanken rauben, sondern sich auch weigern, für das, was ich so geschaffen habe, noch etwas zu bezahlen? Schon heute gewinnt man den Eindruck, dass Denken allenfalls belohnt wird. Denken als die Narretei einiger unverbesserlicher Streber nach Einsicht und Aufbrüchen. Das Produkt des Denkens erfährt schon deshalb keine Anerkennung, weil die Denker selbst noch nicht bereit sind, notfalls von ihrem Streikrecht Gebrauch zu machen. Wissen und Informationen alleine vermögen nichts. Erst durch das Denken, nicht die Internetverknüpfung, sondern die persönliche Abgleichung der Informationen im Denkprozess selbst wird das Produkt geschaffen, welches andere in die Lage zu versetzen vermag, den Prototypen als handhabbares Gesetz auszuformulieren. Deshalb ist es so wichtig, dass das Denken eine eindeutige Verankerung im Wertesystem unserer Gesellschaft findet, also angemessen bezahlt wird. Ganz egal, ob die Neider dies ungerecht empfinden, sollte jeder, der zu denken bereit ist, sich bei einer Wahrnehmungsgesellschaft registrieren lassen dürfen, Anspruch auf eine Flatfee haben und darüber hinaus noch teilnehmen an den Denkabgaben, die in unserer Gesellschaft gemeinschaftlich erbracht werden müssen. Denken muss sich wieder lohnen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski