Langeweile

Die Langeweile, wie sie hier verständlich gemacht werden soll, ist nicht der endlose Sommertag, an dem ein Kind hofft, dass Spielkameraden sich zu ihm gesellen. Es ist auch nicht der Sonntag, der verrinnt, ohne dass etwas passiert. Langeweile ist ein Phänomen, welches unser Leben so fest im Griff hat, dass wir überhaupt nicht mehr darüber reflektieren, weder darüber, wie sie sich ausdrückt, noch darüber, woher sie kommt. Langeweile ist die Summe unserer Lebenshaltungen. Langeweile ist z. B. das Fernsehprogramm, welches wir täglich konsumieren. Fast alle unsere Gespräche drehen sich nur darum, was wir von anderen gesehen, gehört haben, was wir essen, wohin wir in den Urlaub fahren. Unsere Unterhaltungen sind deskriptiv, d. h. im wahrsten Sinne des Wortes unterhaltsam. Sie geben uns Sicherheit, weil uns jeder Gesprächspartner buchstäblich versteht. Die Langeweile ist ein allgemeines Phänomen und erfasst auch Schriftsteller, die jeden scheinbar eigenen Gedanken mit Zitaten anderer untermauern. Langeweile ist die Berufung auf Experten für jedes Verhalten. Langeweile ist das perfekte Ineinandergreifen von Verhaltensweisen, die über das Leben verteilt, in gleichförmiger Art und Weise stattfinden, vor allem aber auch stattfinden können, weil die Strukturen dies so ermöglichen. Langeweile ist die Planung des Urlaubs wie der Jahresgrillparty. Langeweile ist der Aufbau von Reihenhäusern und die Durchführung von Talkshows. Langeweile ist Lebensprinzip geworden. Es ist auch legitim und gesellschaftlich anerkannt, seinen Emotionen freien Lauf zu lassen, zu erklären, man sei reif für die Insel, und darüber zu jammern, dass das oder jenes nicht gerecht sei. Zu erfahren ist dabei leider, dass sich die Ansprüche der Protagonisten parallel abbilden, eingerührt werden in eine große Melange von Emotionen, Beschreibungen, Ansprüchen und Sehnsüchten, sozusagen ein Kollektiv von Bedeutsamkeit ohne Grund und Tiefe.

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Hans Eike von Oppeln-Bronikowski