Archiv für den Monat: März 2015

Geld regiert die Welt – oder – die Gesetze des Markts beherrschen unser Leben

Zwar hat der Mensch die Sinnsuche nicht aufgegeben, aber zumindest die meisten Menschen haben für sich beschlossen, dass es sich nach den Gesetzen des Markts zumindest etwas komfortabler im Leben einrichten lässt. Die Marktgesetze orientieren sich an Regeln, d. h. derjenige, der eine Handlung vornimmt, zum Beispiel eine Investition veranlasst, erwartet eine Form der Kompensation. Der Investor will Rendite, der Konsument seine Ware, der Versicherte eine Versicherungsleistung. Das kostet, aber wenn es nichts kosten würde, wäre es auch nichts wert. Das ist eine weit verbreitete Auffassung und verankert in der Grundüberzeugung, dass alles erkämpft werden müsse. Auch das Erschleichen von Werten, das Spiel und die Überzeugung sind Arten von Kampf. Sie beruhen auf Verführung und Überlegenheit. Geld ist dabei eine Gestaltungsvariante. Es geht um Macht. Es geht um den Einsatz der Mittel und dabei die Erprobung der Fähigkeiten, über andere Menschen und ihr Vermögen Macht zu erlangen, eigene Ziele durchzusetzen, das eigene Leben zu bereichern, ideell und wirtschaftlich zu verschönern, dem Leben insgesamt einen materiellen, eigenen Sinn zu geben. Was erfülltes Leben ist, da gehen die Meinungen weit auseinander, die Mechaniken jedoch, um ein erfülltes Leben zu erlangen, sind ähnlich. Der Sinn dieser Betrachtung ist es daher, diese Mechaniken zu analysieren und sie fruchtbar zu machen in einem Bereich, der nicht in erster Linie von Geld bestimmt ist, aber auch hohen finanziellen Einsatz erlaubt. Würde man von Industrie sprechen dürfen, so würde man der Philanthropie eine boomende Zukunft zuerkennen. In diesem Bereich wird viel Geld in der Schaffung neuer Arbeits- und Ausbildungsplätze umgesetzt, fundamental der Dienstleistungsbereich entwickelt und erprobt und, was in der gesellschaftlichen Zukunft unerlässlich ist: vertrauensbildende Maßnahmen durchgeführt. Sobald der gesellschaftliche Prozess in Gang gesetzt worden ist und diese Maßnahmen unter finanziellen Gesichtspunkten bewertet werden, erfolgt ein Sinneswandel der Investoren; die Herstellung der Verträglichkeit zwischen Geld, Macht, und Verpflichtung, um größere soziale Anerkennung und damit auch wieder Investitionssicherheit zu gewinnen. Darauf kommt es dem Investor letztlich immer an: das Alleinstellungsmerkmal, welches er mit weiteren Auserwählten teilt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

 

Fremdheit und Nähe

Als ich vor einiger Zeit in Afrika war, spürte ich etwas ganz Besonderes: die Fremdheit. Diese Fremdheit war mir nicht unangenehm, sondern entsprach den unbekannten Gegebenheiten. Ich bewegte mich in einer Gegend, wie ich sie zuvor noch nicht kennengelernt hatte. Ich begegnete Menschen, die ich nicht kannte, weder deren Lebensgewohnheiten noch ihre persönliche oder ihre soziale Verhaltensweise. Sie waren mir fremd, auch, aber nicht nur deshalb, weil sie schwarz waren. Ihnen ging es genauso und sie ließen es mich wissen. Kinder, die in abgelegenen Dörfern in meine Nähe kamen, erschreckten sich vor mir, dem weißen Mann. Nur die mutigsten der Kinder wagten sich in meine Nähe, wurden nach langer Zeit zutraulich oder gar frech. Sie überwanden die Distanz, auch wenn wir uns fremd blieben. Erst mit der Zeit begriff ich, wofür diese Fremdheit gut sein könnte. Sie schärft den Blick für das Andere, hält eine Distanz, die Erfahrungen erst möglich macht. Das, was nahe ist, ist vertraut, verliert oft aber an Schärfe. Nähe herzustellen im privaten Umfeld vermittelt Sicherheit, aber meist auch Bequemlichkeit und mindert oft den Respekt. Wie auch draußen in der Welt scheint es mir im kleinen persönlichen Bereich wichtig zu sein, sich die Fremdheit zu erhalten, um jederzeit in dem anderen Menschen den nicht Verfügbaren zu sehen, jemanden, der es lohnt, immer wieder neu kennengelernt zu werden. Selbst anderen fremd zu sein ist aufregend, erhält die Neugier und schafft Distanz. Der Fremde ist für Andere nicht manipulierbar, sondern prüft, wägt ab und lässt zu. Die Nähe des Fremden ist kostbar, eine willentlich intellektuelle oder auf Gefühl basierende Hinwendung, um in der Überwindung des Fremden etwas Besonderes zu erfahren. Das Fremde, welches ich in Afrika erfuhr, hat meine Sehnsucht geweckt und mich neugierig gemacht auf die Menschen und ihre Kultur. So will ich sie mir erhalten und nicht eindringen in ihren Bereich, um sie gar zu Vasallen oder Komplizen meines Lebens zu machen. Es würde mein Machtgefühl stärken, wenn ich die Herrschaft über sie gewonnen hätte, alles besser wüsste und sie in ihrem Verhalten beeinflusste. Es machte mich aber nicht stärker, wenn ich nicht der Erfahrende bin, wir uns nicht auf Augenhöhe begegnen. Der Respekt vor dem Fremden ist eine Bereicherung unseres Lebens und sicher ein Teil unserer Selbstausbildung.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Charakter

Mehrfach habe ich mich in meinem Leben in Menschen getäuscht. Es handelte sich dabei um Persönlichkeiten, deren Nähe ich suchte, weil sie mich faszinierten. Sie faszinierten mich, weil sie mich zu ergänzen schienen. Schnell ließ ich mich mit Ihnen ein. Wir wurden Freunde. Nicht nur privat, sondern auch geschäftlich verkehrten wir auf dieser Ebene, schufen gemeinsame Projekte. Zunächst lief immer alles bestens. Wir erzielten Erfolge und bestärkten uns darin, dass das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sei. Doch es ging jedes Mal schief. Ich hatte eine Ergänzung gesucht, wollte mich des anderen Ichs vergewissern. Die Entsprechung gab es aber nicht. Der Andere blieb immer der Andere und hatte seinen eigenen Charakter. Der Andere nahm wahr, was mir fehlte und wonach ich mich sehnte. Ich ließ es ihn wissen und bekräftigte unablässig mein Glück, ihn gefunden zu haben. Damit war ich für ihn leichtes Spiel. Der so geöffnete Freund ist prädestiniert für alle Formen der Manipulation und der Inanspruchnahme. Aus der Schwäche der eigenen Wahrnehmung und der Sehnsucht nach Ergänzung gestaltet sich ein Schlachtfeld der Ausbeutung, der Lüge, des Betrugs und der Untreue. Charakter allein schützt nicht vor fundamentalen Missverständnissen. Nur die Ausbildung des Charakters durch Verankerung prinzipieller Eigenschaften wie Integrität vermag die Warnsignale zu entflammen, die erforderlich sind, um nicht durch zunehmenden Verlust an Menschlichkeit zu verarmen, die Enttäuschungen zu verkraften und neue Wagnisse einzugehen, sich in seinen Fähigkeiten zu ergänzen, die Schwächen anderer als Herausforderung zu begreifen, kompetente Hilfestellungen zu leisten. So entsteht eine neue, wahrscheinlich unüberwindbare, integre und integrale Schaffenskraft. Mit- und nicht Gegeneinander.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski