Archiv für den Monat: April 2015

Wissen ist Macht

Wissen ist Macht. So lautet der verzweifelte Aufschrei eines Mannes, der keinen Erfolg bei Frauen hat, kein Politiker ist und auch nicht über Geld verfügt. Unbeantwortet bleibt mit dieser völlig unqualifizierten Feststellung, ob der Postulant über das Wissen verfügt, welches die Macht ausmacht? Früher war das einmal anders. Heute ist unter diesem Aspekt der Computer das mächtigste Individuum, weil Wissen eine Frage der Speicherkapazität ist. In der Tat ist es für denjenigen, der Macht ausüben möchte, zuverlässig und ratsam, auf Wissen zurückzugreifen. Denn ohne dieses Wissen ist er kaum in der Lage, andere herauszufordern. Die Demokratisierung des Wissens hat jedoch zur Folge, dass es für den Einzelnen schwieriger wird, Anderen Wissen vorzuenthalten, weshalb damit sein Machtzuwachs gefährdet ist. Mit dem Verlust des Machtvorsprungs durch Wissen gerät etwas Anderes in die Ziellinie der Begehrlichkeit: Bildung.

Was ist heute darunter zu verstehen? Unter traditionellen Gesichtspunkten ist der Bildungsbürger derjenige, der mehr oder weniger geschickt Stichworte aus Oper, Theater, Konzert, Literatur und Naturwissenschaften zusammenklaubt, auf Abruf gegebenenfalls noch in verschiedenen Sprachen, diese verknüpft und bei dem Zuhörer den Eindruck einer genialen Geisteskraft hinterlässt. Dem Spötter ist der Bildungsbürger recht. Der Gebildete weiß um seine Fähigkeiten aber auch um seine Defizite. Er empfindet Freude und Lust an seinen vielfältigen Erfahrungen, seinen Fähigkeiten zu fabulieren und zu musizieren, den Überblick zu gewinnen und zu behalten. Der gebildete Mensch speist seine Erfahrungen aus Wissen und bereichert dieses Wissen durch die selektive Wahrnehmung und Verknüpfung mit anderen Wissenselementen.

Die Bildung ist nicht universal, sondern sehr persönlich und erfährt in jedem Menschen einen anderen spezifischen Ausdruck. Im Gegensatz zu Wissen ist Bildung weder demokratisch noch kompromissfähig. Bildung ist die Trägerschaft für Einsichten und der Nährstoff für unerwartete Gedanken und Empfindungen. Es bildet sich aus der Verknüpfung verschiedener Impulse etwas Ungewohntes, Neues. Dies wiederum ist allerdings nur ein Zerfallsprodukt bei der Entwicklung eines weiteren Produkts.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Umdenken

Nur wenn wir unser Leben nicht nur politisch begreifen, sondern unsere Risiken insgesamt abschätzen lernen, unser eigenes Verhalten analysieren und bereit sind, mit den guten aber auch schlimmen Konsequenzen zu leben, vermögen wir unserer Verantwortung gerecht zu werden. Diese Verantwortung kommt nicht nur bei kriegerischen Auseinandersetzungen zum Tragen, sondern in allen Bereichen unseres Lebens, z. B. in der Familie, in der Orientierung des Einzelnen gegenüber dem Staat und dergleichen   mehr.   Es   entspricht z. B.   nicht   unserem archaischen Muster, dass die Familie zunehmend verfällt. Es ist zu bedenken, dass der Staat hierfür verantwortlich ist und zwar, weil er einerseits die Stärkung der Familie politisch-programmatisch festgeschrieben hat, andererseits durch die Alimentierung weiterer Bevölkerungskreise z. B. bei der Renten-, Krankenversicherung etc. dafür sorgt, dass die Familienverbände als nicht mehr wichtig angesehen werden, es nicht mehr ernst ist mit der Eigenverantwortung über Generationen hinweg in wechselseitiger ideeller und materieller Stärkung. Nur die Jüngeren sind so dem Staat gegenüber verantwortlich, und die Älteren versuchen, dem Staat das Geld wieder wegzunehmen. Somit findet der direkte Austausch zwischen den Generationen nicht mehr statt, gefährdet den familiären Zusammenhang.

Auch hier ist ein Umdenken erforderlich, d. h. das Postulat der Familie, untereinander wechselseitig zu sorgen, sollte Verfassungsrang erhalten und nicht nur dem Schutz des Staates unterstehen. Wenn die Familie wieder eine Errungenschaftsgemeinschaft ist und kein lästiger Verbund, der zu meiden bzw. dem zu entfliehen wichtiges Lebensprinzip wurde, könnten Hilfe und Unterstützung gewährt werden, z. B. durch Gewährung großzügiger Unterstützungsfreibeträge. Hierdurch käme es zu einer nachhaltigen Entlastung des Staates, weil es Anliegen von Generationen wäre, erhaltene Leistungen wieder zurückzuführen.

Was damit aufgezeigt werden soll ist die Gewissheit, dass archaische Muster, wenn sie angenommen werden und der Weiterentwicklung dienen, geeignet sind, Familien zu erhalten, den Staat zu entlasten, Kriege zu vermeiden und zur Integritätssicherung beizutragen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Archaische Muster

Wir bilden uns ein, dass alles beherrschbar sei, menschlicher Geist und seine Emotionen alles vermögen. Deshalb glauben wir auch an den kontrollierbaren Wahnsinn. Wir meinen, dass wir Kriege führen können, die beherrschbar sind. Der Einzelne soll in der Lage sein, sich zu kontrollieren, d. h. das in ihm Freigesetzte soll im Rahmen der Gesetze, z. B. von Landkriegsordnungen und dergleichen kontrolliert werden. Dies ist ein Irrglaube, denn der Einzelne ist aufgrund seines archaischen Grundmusters im Falle seiner Entfesselung nicht mehr in der Lage, sich an Gesetze und Verordnungen zu halten, seine Integrität insgesamt hört auf zu existieren. Damit tragen diejenigen, die Kriege entfesseln, die umfassende Ver- antwortung für alles, was passiert, selbst für den Tatbeitrag eines unbekannten Soldaten.

Es ist zwar nachvollziehbar, dass wir den einzelnen Soldaten wegen Kompetenzüberschreitung, Grausamkeit und dergleichen anklagen und auch verurteilen wollen. Wir versuchen damit das Prinzip zu entlasten, am Krieg solle es nicht liegen, dass der einzelne Mensch zur Bestie wird. Dies ist aber grundfalsch. Der Krieg bemächtigt sich jedes einzelnen Menschen und verwirklicht so den Plan, und zwar die Zerstörung meines Feindes und dann meiner selbst. Ob Kriege gerecht sind oder nicht, ob man sie rechtfertigen kann oder nicht, spielt dabei überhaupt keine Rolle, sondern ausschließlich die Konsequenz. Es gibt keine beherrschbaren und kontrollierbaren Kriege, sie können auch niemals gegen unser archaisches Prinzip gerichtet sein, sondern entsprechen ausschließlich unserem kognitiven Erkenntnis- und Verhaltensstand. Wenn wir Kriege führen oder überhaupt Auseinandersetzungen mit anderen suchen, sollten wir uns dieses archaischen Musters gegenwärtig sein. Es hat kein kongruentes Verständnis für das Richtige oder Falsche, denn in unserer erlebten Werteordnung ist möglicherweise vieles angreifbar, wurde niemals überprüft oder korrigiert. Auch wenn wir uns unsere wertsublimierten Bedürfnisse zugrunde legen, z. B. die Verteidigung der Demokratie und dergleichen mehr, müssen wir uns und unseren Gegner mitberücksichtigen, und zwar deren Wertvorstellungen sowie deren archaische Grundmuster ihrer Angst als Volk, als Geschlecht unterzugehen, ihre Grenzen nicht ausreichend verteidigen zu können, den Schutz ihrer Familien und Angst vor Migration.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski