CSR ist heute in aller Munde. Darunter verstehen die Verwender des Begriffs „Corporate Social Responsibility“, den gewinnsteigernden Aspekt der Tätigkeit eines Unternehmens durch Einsatz sozialer, effektiverer, in der Regel auch umweltschonender Produktionsabläufe, durch ein besonderes Augenmerk auf Ressourcenpflege und durch das Verfolgen neuer Absatzstrategien. Dagegen ist nichts einzuwenden.
Es ist nur natürlich, dass kapitalistisch organisierte, renditebewusste Unternehmen alle Maßnahmen ergreifen, um bei geänderter Bewusstseinslage der Gesellschaft weiterhin erfolgreich zu sein. Die Verhaltensstrategien dieser Unternehmen sind auf CSM gerichtet, das heißt auf „Corporate Social Marketing“, die Untersuchung und Umsetzung sämtlicher Faktoren, die es einem Unternehmen erlauben, gesellschaftliche Erwartungshaltungen zu antizipieren und in neue Marketingkonfigurationen einfließen zu lassen.
Aber nicht nur der Gesichtspunkt der Markteffektivität bewegt Unternehmen, sondern auch die Imagepflege. Deshalb hat CSR schon aufgrund der flüchtigen medialen Wahrnehmung in der Dichte der Beobachtungen die Funktion von CSD, das heißt „Corporate Social Design“. Deutlich wird diese Attitüde in dem wahllosen Engagement für Straßenkinder, Robbenbabys und vor allem für Projekte im Kulturbereich. Wichtig scheint den Verantwortlichen dabei vor allem die Verbindung zwischen Marke und Ereignis zu sein. Weil wir uns in einer Phase der Aufbruchstimmung zum Guten befinden, soll auch das Image eines Unternehmens positiv wirken.
Hier gilt: Es ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden, dass ein Unternehmen sich einen Etat schafft, um Gutes zu tun. Gesundheits-, Bildungs- und Kulturaktivitäten sind darauf angewiesen, dass sie von solchen Unternehmen gefördert und gesponsert werden. Möglich ist dies nur, weil ein Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich ist. Dies zu kritisieren, wäre heuchlerisch. So dürfte aber auch ein Verhalten zu bezeichnen sein, welches den heute noch augenscheinlichen Zusammenhang zwischen Marktwahrnehmung und Rendite leugnet und aus den sozialen Aktivitäten eines Unternehmens bereits seine soziale Verantwortung ableitet.
Soziale Verantwortung bedeutet mehr, und zwar auch die Infragestellung von Shareholder-Value im Hinblick auf die gesellschaftlichen Herausforderungen. Der Einwand scheint apriori begründet, dass ein Unternehmen solches nicht leisten könne, dass also ein Unternehmen, welches seine Renditeerwartungen nicht steigere, verkümmere und sich aus dem Unternehmenskreislauf entferne. Dieser Einwand ist aber nicht bestandskräftig, denn jede unternehmerische Tätigkeit lebt langfristig von der gesellschaftlichen Erwartung.
Orientiert sich der Nachfragemarkt neu, so muss ein Unternehmen darauf reagieren, um weiter wettbewerbsfähig zu bleiben. Geht die Erwartung der Gesellschaft zum Beispiel dahin, nur energetisch wertvolle, biologische Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, so kann der Markt nicht anders, als sich hierauf einzustellen. Sind die Länder der Dritten Welt in der Lage, die natürlichen Ressourcen ihrer Gebiete zu verteidigen, so bleibt den Verarbeitungsbetrieben der Rohstoffe nichts anderes übrig, als sich mit den Lieferländern auf friedliche Art und Weise zu einigen und zu Abbaumethoden zu gelangen, welche die Bevölkerung und die Umwelt des in neuem Selbstbewusstsein erstarkten Landes schonen.
Diese als Reaktion begriffene Verhaltensweise können Unternehmen heute für die Zukunft analysieren und ihre langfristigen Strategien daran ausrichten. Sinn dieser Strategien kann es nicht sein, Modeinteressen im Bereich von CSR zu genügen, sondern sie müssen gegebenenfalls auch dauerhafte Eingriffe in unsere gesellschaftliche Verdrängungsmentalität und eindimensionale Gelderwerbsstrategien riskieren, um im Ergebnis die wirtschaftliche und ideelle Überlebensfähigkeit unserer Gesellschaft zu sichern.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski