In einer philanthropisch orientierten Gesellschaft sinkt der Konkurrenzdruck, soweit dieser in einer traditionellen Erwerbsgesellschaft dadurch bestimmt wird, einen möglichst hohen Profit zu erzielen und den Wettbewerber zu überholen. Es heißt, dass Konkurrenz das Geschäft belebe. Deshalb soll diese auch nicht geschmäht, sondern nur daran erinnert werden, dass es auch eine andere Form der Konkurrenz gibt. Diese signalisiert, dass es hoch professionell ist, den Gegenstand des Wettbewerbs immer feiner zu drechseln und zu schleifen, um das nachgefragte Produkt zu optimieren. Übertragen auf die Lebenswirklichkeit bedeutet dies, dass es durchaus denkbar ist, dass Konkurrenten sich in ihrer Auseinandersetzung künftig darin verbünden, ein immer noch besseres Produkt zu schaffen und dem Markt zur Verfügung zu stellen.
Das ist kein Widerspruch in sich, denn zu beobachten ist, dass ein hohes Maß an Kraft, Zeit und Möglichkeiten dadurch verschleudert wird, dass viele schon heute gemeinnützig tätige Unternehmen meinen, das Rad immer wieder neu erfinden zu müssen. Diese Form der Abgrenzung wird insbesondere deutlich in einem bestehenden Projektegoismus und den damit verbundenen Schwierigkeiten bei der Umsetzung eines Vorhabens. Die Überwindung dieser Abschottung und Hinwendung zu einem kooperativen Miteinander ist eine der zentralen Herausforderungen der philanthropischen Gesellschaft.
Jeder am gesellschaftlichen Gestaltungsprozess Beteiligte bringt seine wirtschaftlichen und ideellen Möglichkeiten vollumfänglich ein und bietet sie allen potenziellen Adressaten an, ohne sich aus dem Produktionsprozess zurückzuziehen und diesen anderen zu überlassen. Vielmehr ist die Erwartung darauf gerichtet, dass derjenige, der entsprechende Produkte mit anderen entwickelt, diese sozusagen in einem Franchise-Handbuch fortschreibt, welches er anderen zur Verfügung stellt, damit sie unmittelbar auf die Erfahrungen und Möglichkeiten zurückgreifen können. Dadurch wird der Prozess der gesellschaftlichen Evaluierung eines Projektes beschleunigt, da keine Kraft darauf verschwendet werden muss, die Grundlagen für das Tätigwerden immer wieder mühsam neu zu erschaffen.
Franchising bedeutet in diesem Zusammenhang auch, dass nicht nur projektbezogene Hilfestellungen, sondern vielfältige Formen des Austausches über den Prozessablauf zur Stärkung der Wirksamkeit des Produktes einschließlich der Kooperation auf finanziellem, logistischem und vertrieblichem Gebiet auch über gemeinsamen Einsatz von Arbeitskräften gewährt werden.
Soweit dereinst noch ein Endowment-Verbot (Verbot der Gründung gemeinnütziger Unternehmen durch andere gemeinnützige Unternehmen) bestehen sollte, muss dieses dringend aufgehoben werden. Es ist in keiner Weise nachvollziehbar, dass künftig philanthropische Unternehmen ein anderes Marktverhalten aufweisen müssen, als dies heute Handelsgesellschaften und Einzelpersonen tun. Selbstverständlich muss es möglich sein, dass Stiftungen und andere gemeinnützige Organisationen anderen Kapitalmittel für Ausgründungen und Neugründungen von gemeinnützigen Einrichtungen zur Verfügung stellen. Auch müssen sie befähigt sein, andere Unternehmen aufzunehmen, sich von diesen zu trennen, d. h. Aufgliederung und Abspaltung im weitesten Sinne zu vollziehen. Es ist selbstverständlich, dass dies unter staatlicher Aufsicht geschieht und die gesetzlichen Parameter für die unternehmerische Entscheidung festgelegt werden, aber die grundsätzliche Weichenstellung zur freien unternehmerischen Betätigung gemeinnütziger Unternehmen ist unabdingbar.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski