Fass Dich kurz

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, bei mir aber setzt die Schnappatmung ein, sobald ich einen überlangen Vortrag insbesondere mit Power-Point-Präsentationen oder die geballte Kraft des Wortes zentimeterdick in Heften, Zeitungen oder Zeitschriften ertragen muss. Nach meiner Wahrnehmung sind 80 % des mündlich oder schriftlich verarbeiteten Wortgutes elaborierte Verbreiterungen bereits bekannter Umstände, wenn auch im neuen Kleid, wie ich anerkennend anmerken sollte.

Nichtdestrotz beschleicht mich leider schon viel zu früh der Argwohn, dass es eigentlich nichts zu sagen gäbe oder die Botschaft so bescheiden ist, dass sie einen ausgedehnten Worthof benötige, um zu wirken. Irgendwann ist es mir dann auch alles egal, weil ich hoffe, dass die Zumutung ein Ende findet. Viel erfrischender wäre es aber, wenn sich alle Vortragenden und Schreibenden kurz fassen könnten und das Wesentliche ihrer Gedanken so aufregend zu vermitteln wussten, dass die stimulierende Wirkung für lange Zeit nachhält. Kurz gefasst: Sich kurz zu fassen, ist aus Empfängersicht megaerfolgreich.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski