Das Fremde

Gerade in der jetzigen Zeit neigen wir dazu, andere Menschen als Fremde zu markieren. Wie steht es aber mit uns? Sind wir unfremd? Aus dem Blickwinkel der Neuankömmlinge in Deutschland sind wir Fremde in einer fremden Umgebung. Fremdheit beruht also auf Blickwinkel und Einstellung.

Fremd ist uns die Welt, wenn wir in sie hineingeboren werden, fremd ist uns der Tod. Fremd ist alles das, was wir noch nicht entdeckt haben und fremd all das, womit wir nicht zurechtkommen. Fremd sind andere Menschen und fremd sind wir uns zuweilen in unserer eigenen Haut. Fremdheit bestimmt unser Leben und ermöglicht aber gerade dadurch Entdeckungen, die Zugehörigkeiten ermöglichen. Fremd sein ist wichtig, um Perspektiven der Nähe zu entwickeln. Fremdes macht neugierig und lässt in ein Reservoir an Möglichkeiten der Ausbildung des eigenen Wesens schauen. Nutzen wir also die Chance, am fremden Wesen zu genesen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski