Archiv für den Monat: Juni 2016

Helikoptergeld

Die EZB will auf die Menschen Geld herabregnen lassen. Dieser Effekt soll die Inflation in Gang setzen. Durch Investitionen, Preisdruck und Nachfrage soll letztlich Geld wieder Zinsen generieren, nicht im Meta-Raum, sondern in der wirklichen Welt Profite schaffen, zunächst für die Banken, dann für ihre Investoren. Wer sind diese und was haben Sie vor?

Um dies zu verstehen, ist es erforderlich, sich noch einmal des Geldes zu vergewissern. Früher war Geld Münzen in der realen Welt und ersetzten den Tauschhandel. Sie waren wertvoll genug in Gold- und Silbertaler, dass die Nutzer davon überzeugt waren, einen bestimmten Warenwert buchstäblich in den Händen zu haben. Auch die amerikanische Federal Reserve sicherte bis 1971 zunächst ihre Papierwährung durch gehortete Goldschätze ab und vermittelte dadurch, dass für jeden US-Dollar der entsprechende Wert bei ihr hinterlegt sei und bei Bedarf auch ausgezahlt werden könnte.

Die Federal Reserve ist auch ein privates Unternehmen und hat es für sich als tugendhafter begriffen, Papier und Gold voneinander zu entkoppeln. Aber, auch das Papier ist in Wirklichkeit nichts anderes als ein Sinnbild des im Tauschhandel zwischen Menschen hinterlegten Wertes, der Rechtsschein einer tatsächlichen Transaktion. Diese finden nach wie vor statt, aber nicht auf der Ebene, auf der wir sie vermuten.

In unseren Vorstellungen mag es noch Geld geben als Äquivalent für Arbeit, wie es Marx einst beschrieb. Da ist unser Glauben fest, wir beschützen dieses Geld in Konkordanz mit den Profiteuren, die wir befriedigen sollen. Wir wollen deshalb auch nicht einsehen, dass Geld überhaupt keinen Wert hat, denn sonst würden wir vor uns selbst nackt und bloß dastehen.

Das Geld ist auch kein Versprechen und Vertrauen ist fehl am Platz. Geld bezeichnet lediglich die Struktur, die von den Profiteuren genutzt werden kann, um ihren eigenen Einfluss zu Lasten anderer zu erweitern. In diesen Strukturen werden Angebote unterbreitet, die so reizvoll ausgestattet werden, dass Menschen dafür bereit sind, reale Wertschöpfung durch Arbeit zu leisten, um sich einen kleinen Teil des zu erreichenden Erfolges selbst zuzubilligen, den größeren Teil aber den Initiatoren dieser Zauberwelt zukommen zu lassen.

Diese sind wenige und haben dafür gesorgt, dass in einem weltweit inzwischen fein abgestimmtem System der Bezüglichkeiten keiner auf die Idee kommt, ein Streichhölzchen aus dem waghalsigen Gebäude zu ziehen, denn schlimmer noch als der Zusammenbruch des gesamten Währungssystems wäre der Erkenntnisgewinn: Geld ist nichts wert.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Russland

Was sind wir doch einfältig, Russland mit Putin gleichzusetzen oder die Krim-Annexion mit einer Bedrohung unserer westlichen Werte. Politik folgt eine geostrategischen Leidenschaft, ob Chinesen, Russen oder Amerikaner diese verfolgen. Wer ist denn jemals auf die verworrene Idee gekommen, die Amerikaner wegen ihres völkerrechtswidrigen Verhaltens zur Rechenschaft zu ziehen?

Bei den Russen sollte die Ausgrenzung stattfinden, weil sie eine günstige Gelegenheit ergriffen, um ihren Machtbereich zu erweitern? Entscheidend ist doch nicht, ob wir dies für gut halten oder nicht, sondern welche Angebote wir den Russen unterbreiten können, damit diese bereit sind, wieder gemeinsame Ziele zu verfolgen. Ich vermag da nichts zu erkennen, außer diffusen Beschwörungen. Die derzeitige russische Regierung und ein Großteil der anderen europäischen Staaten – einmal abgesehen von den U.S.-Amerikanern – mögen unterschiedliche Interessen haben und diese auch durchsetzen wollen.

Aber, Russland, Deutschland und der Rest von Europa sind keine Gegner, sondern bilden eine Lebensgemeinschaft. Ist uns jedes historische Bewusstsein abhandengekommen? Sprechen wir denn nicht die gleiche kulturelle Sprache in Kunst, Musik, Literatur und Sport? Es ist absurd, welcher Popanz hier aufgebaut wird, um daraus eine Bedrohung abzuleiten, die nochmals unseren Kontinent so erschüttern könnte, wie der 2. Weltkrieg dies getan hat.

Wie auch die Sowjetunion könnte ein politisch gewichtigeres Russland mehr zum Gleichgewicht der Kräfte in unserer Welt beitragen. Das Vertrauen in eine einzige Weltmacht, wie die USA, ist zwar verführerisch, aber wie wir aus jüngster Vergangenheit auch leidvoll wissen, mit viel Kompromissen verbunden, was Menschen- und Völkerrechte anbetrifft. Statt Schuldzuweisungen zu pflegen, sollten wir alles daran setzen, um unser kulturelles Für- und Miteinander zu stärken und das Wissen der Russen auf vielen energetischen und ökologischen Gebieten zu nutzen. Wir haben noch viel zu entdecken. Nutzen wir doch die Zeit, Fragen zu stellen, statt immer nur Vorwürfe zu formulieren.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski