Neulich las ich, dass sich Arbeitnehmer in den USA aus dem Arbeitsleben dadurch verabschieden, dass sie gezwungen werden, ihren preisgünstigeren Nachfolger einzuarbeiten, um alsdann gefeuert zu werden. Inzwischen habe ich gehört, dass diese Arbeitnehmereliminierungsstrategie nicht nur in den USA, sondern auch in Europa praktiziert wird.
Für eine Zeit werden sich immer Optimierungsprozesse zu Lasten der Arbeitnehmer finden lassen. Dann sind zuletzt die Optimierer dran. Ja, es wird soweit kommen. Die Mehrzahl der potenziell arbeitsfähigen Menschen auf dieser Welt kann dann weder durch Verstand, noch durch den Einsatz ihrer Hände zu ihrem Einkommen beitragen. Es fehlt an Arbeit und zudem ist es für jedes Unternehmen günstiger, keine Arbeitnehmer mehr zu beschäftigen, die sich gewerkschaftlich organisieren oder sonst irgendwie zur betrieblichen Unruhe beitragen.
Da aber Produkte entstehen und diese vertrieben werden müssen, Renditen wachsen und das vorhandene Geld wieder ausgegeben werden soll, bleibt ein gesellschaftlicher Plan der Neuverteilung von Geldmengen unausweichlich. Jeder, der sich angepasst und ruhig verhält, könnte künftig einen Anspruch auf eine Zuwendung haben, die staatlich kontrolliert ihm Gelegenheit gibt, seine Überlebensbedürfnisse zu sichern.
Dieser Deckungsbeitrag wird heute schon unter dem Gesichtspunkt des Grundeinkommens diskutiert. Derjenige, der Grundeinkommen bezieht und sich unauffällig verhält, muss nichts befürchten, solange er bereit ist, das Eingenommene auch wieder auszugeben. In diesem System ist der Mensch sozusagen der Durchlauferhitzer für Wirtschaft und Staat und schafft die beruhigende Voraussetzung dafür, dass die Wirtschaft störungsfrei weiter wachsen kann und der Staat die Verteilungsoberhoheit behält.
Aber selbst dann, wenn diese Macht nicht missbraucht wird, bleibt eine andere bisher nicht beantwortete Herausforderung für unsere Gesellschaft. Diese besteht darin, dass der arbeitslose Mensch keine Beschäftigung mehr hat und sich in Ermangelung und Selbsterprobung zur Sicherung des Lebensunterhalts in kämpferische, religiöse oder nihilistische Abenteuer stürzt. Ob dann die Rechnung für unsere Gesellschaft noch aufgeht, ist sehr fraglich. Möglicherweise wäre es besser gewesen, dem Menschen die Gelegenheit zu erhalten, zu seinem eigenen Lebenseinkommen mit beizutragen, anstatt nur lästig zu werden.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski