Populismus

Was sind die Ursachen des Populismus? Was hat ihn hervorgerufen und welche Umstände befördern ihn? Die Spekulationen dazu füllen Zeitungen und Bücher und sind in vielen Talkshows präsent. Merkwürdigerweise habe ich im öffentlichen Diskurs bisher nicht vernommen, dass es hierfür auch systemische Gründe geben kann. Ein bestimmender Aspekt bei dem Verlust von Ordnung.

Aus meiner Sicht sind es nicht diffuse gesellschaftliche Gründe, die den Populismus bewirken, sondern ganz konkrete Umstände des menschlichen Zusammenlebens, die wir zur Disposition gestellt haben. Es geht dabei um das sogenannte Milieu, den Kiez und natürlich auch um die Enge der nachbarschaftlichen Kontrolle. Diese Form der Gemeinschaft erschien der Zwischengesellschaft verpieft, nicht aufnahmefähig durch andere Menschen, unmodern und akulturell.

Angefangen von der Hausgemeinschaft bis zum nachbarschaftlichen Miteinander in Gaststätten und Kegelklubs wurden diesen Gemeinschaften Attribute wie zwanghaft und spießig zugeordnet. Dabei funktionierte die soziale Kontrolle und verhinderte ein Auseinanderbrechen solidarischer Lebensvorstellungen.

Statt Miteinander, Vernunft und ähnlicher Zielorientierung sind Unzufriedenheit und Egoismus in die Kieze eingezogen. Dies bietet keine Geborgenheit mehr. Selbstverständlichkeiten werden aufgerissen durch Fremdheit und Ängste, Paralysierung durch Medien und das Internet. Den medialen Angriffen auf sein Selbstverständnis kann das Milieu nichts mehr entgegensetzen. Das Ergebnis sind Unsicherheit, Angst und der verzweifelte Versuch seiner Bewohner, zumindest im Protest eine Heimat zu finden. Es geht dabei weniger um Inhalte, als um die Chance sich durch ein bestimmtes Auftreten Respekt und Gehör zu verschaffen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski