Zuweilen habe ich das Gefühl, dass über meiner Wahrnehmung ein Schleier liege, den ich nicht anheben, geschweige denn wegziehen kann. Ich vermute, dass der Schleier eine Erkenntnis verhüllt, die weder logisch, noch emotional argumentativ oder wissenschaftlich zu erschließen ist. Das verborgene Etwas muss aber etwas von uns sein, unsere Natur, die Einbildungen schafft, uns inspiriert und somit etwas Mächtiges darstellt, das wir dem Göttlichen zuweisen, aber damit nicht hinreichend beschreiben.
Mit dem umfassenden Alles oder Nichts benennen wir Aspekte der Wirkung, wozu uns das Ungeheure in die Demut vor seiner Unerreichbarkeit zwingt. In Ahnung dessen, was der Schleier verhüllt, aber nicht bereit ist, freizugeben, wie können wir glauben, dass irgendeine unserer Wahrnehmungen und Beurteilungen mehr ist, als das Bemühen, uns vor der Last der großen Verantwortung für alles zu drücken.
Durch erprobte Konventionen, Rituale und sonstiges Regelwerk versuchen wir, uns selbst und auch die anderen von der Gegenwärtigkeit unserer Unwissenheit abzulenken, weil es uns derzeit noch nicht gelingt, den Schleier zu lüften.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski