Essen und Trinken, so sagt der Volksmund, hält Leib und Seele zusammen. Diese Aussage kann jeder vernünftige Mensch sicher unterstreichen. Er hat seine eigenen Erfahrungen damit gemacht. Entscheidend ist aber, was wir essen oder trinken. Dabei geht es mir in erster Linie überhaupt nicht darum, hier Vorschriften anzumahnen, sondern nachzufragen, wie man isst und trinkt, in welcher Gesellschaft und mit welchem Zweck.
Die Diskussion über Fast- und Junk-Food wird in unserer Gesellschaft eingehend geführt. Es gibt kaum Befürworter dieser Esskultur. Verborgen bleibt aber, dass sich dieses Phänomen nicht auf Burger, Hot Dogs, Chips und dergleichen beschränkt, sondern einem Großteil der von uns verzehrten sogenannten gesunden Ware wohnt das Fehlen jeglicher Energie inne. So sehr auch unsere Sinne mitessen ist doch entscheidend die ausgewogene Energiezufuhr, die wir durch Aufnahme von Nahrung erfahren. Kein vernünftiger Mensch betankt sein Dieselfahrzeug mit gefärbtem Wasser. Wir stopfen dagegen wahllos alles in uns hinein, was nur annähernd unseren Blick oder unseren Gaumen zu kitzeln oder zu besänftigen vermag. Wir tun dies auch in Mengen jenseits der Sättigungsgrenze, meist beiläufig durch Happen und Häppchen aber auch gezielt durch ausufernde Gelage.
Dies ist unverantwortlich, wobei der Mix der Verantwortungslosigkeit sowohl auf dem Angebot als auch auf der Nachfrage beruht. Nahrung anzubieten, die energetisch sinnlos ist und den Menschen nur aufschwemmt, ist ein Vergehen gegen unsere Gesundheit. Wir müssten hier nicht nur Grenzen in der Form der Nachfrage, sondern auch beim Angebot gegebenenfalls durch Gesetze sichern.
Ich halte es nicht für entscheidend, ob jemand Veganer oder Vegetarier ist, ob er nur Fleisch oder auch Fisch verzehrt, ob er dies roh oder gebraten tut. All dies ist in seine persönliche Verantwortung gegenüber dem Leben und der Natur gestellt. Entscheidend ist, dass dem Menschen seine Nahrungsaufnahme wieder bewusst wird, sie einen Teil seines Gestaltungsprozesses in seinem Leben darstellt und nicht beiläufig geschieht, nicht unter Stress und Anspannung, sondern vergnüglich allein oder im Austausch mit anderen. Es gibt kein Lifestyle-Essen. Es ist völlig absurd, Businessessen zu veranstalten und sich dabei über wichtige Dinge auszutauschen. Physiologisch läuft bei diesen Gelegenheiten im Menschen anderes ab, als sich auf den Genuss der Nahrung einzulassen. Der Mensch ist in solchen Situationen stets auf der Jagd. Kein Jäger isst, während er dem Tier auflauert. Es macht ihn nicht nur träge, sondern er verrät auch seine Position.
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Hans Eike von Oppeln-Bronikowski