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Plan

Unsere Lebensplanung ist eindeutig: höher, schneller, weiter. Wenn uns dies nicht gelingt, dann kennen wir sicher einen Schuldigen, der das verhindert hat. Wir selbst sind es nicht. Mit Sicherheit. Um Schuld überhaupt nicht erst aufkommen zu lassen, stellen wir Ansprüche an die Gesellschaft.

Mit anderen Worten: Unser verfehlter Lebensplan muss mit Geld und Zuwendungen Anderer repariert werden. Die Masse bestimmt. Gibt es viele, deren Lebensplan nicht aufgeht bzw. wenn der Versuch schon unterblieb, Pläne zu schmieden und diese umzusetzen, ist das Ergebnis auch in Ordnung. Menschen, deren Plan aufgegangen ist, werden sich kümmern. Denn hier bringt das Kümmern Vorteile und Geld. Planlosigkeit, Scheitern und Anspruchsstellung sind sozial durchaus anerkannt.

Diejenigen, die Pläne haben und bereit sind, diese umzusetzen, zum Beispiel Fußballspieler, Start-Up-Unternehmen – insbesondere im digitalen Bereich – Schauspieler und Sänger haben ebenfalls Chancen auf Anerkennung durch andere Menschen.

Wie verhält es sich aber mit der sozialen Anerkennung derjenigen, die nichts Großes vorhaben, aber auch von der Planlosigkeit nicht leben wollen? Sie haben Pech gehabt. Dagegen revoltieren sie zwar insgeheim ihr ganzes Leben, stellen dann aber am Ende resigniert fest, dass sie brav Kinder in die Welt gesetzt, Steuern bezahlt, ihren Verpflichtungen nachgekommen und ihrem jeweiligen Unternehmen treu gedient haben.

Eigentlich sind sie die Wichtigsten, weil sie die planvolle Planlosigkeit der einen und die Pläne der anderen befördert haben, aber von beidem nicht profitierten. Ich stelle mir vor, dass sie am Lebensende ihre Pläne überdenken und die Defizite feststellen könnten. Dann ist es aber vermutlich zu spät, etwas zu ändern.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski