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Zukunftsmedizin

Ach, wie schön, dass ich als kleines Kind in eine Jauchegrube gefallen bin und mich so gegen alle denkbaren Krankheiten immunisierte. Selbstverständlich bin ich ein bekennender Hypochonder, gehe zu Ärzten, lasse mich untersuchen und mir auch Medikamente verschreiben, allerdings nehme ich so gut wie keine. Die Medikamente muss ich dann sorgsam entsorgen, damit sie nicht ins Grundwasser gelangen. Aber selbstverständlich befinden sich größere Mengen an Arzneimitteln in der Wohnung, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist.

Der ganze Schatz hat viel Geld gekostet, nützt mir aber nichts und ist wahrscheinlich auch für andere nicht verträglich. Ein Recyclingmarkt für Arzneien gibt es meines Erachtens nicht. Aber ich bin sehr sicher, dass weder die Apotheken, noch die Pharmakonzerne etwas gegen meine Verschwendung einzuwenden haben. Wer allerdings etwas dagegen hat, sind die Versicherungen, die mit Abrechnungen unnützer, unspezifischer und abgelaufener Arzneimittel überschwemmt werden.

Einhalt ist also geboten und wenn ich Herrn Dieter Weinand, ein Mitglied des Vorstands der Bayer AG glauben kann, finden Pharmakonzerne Lösungen bei „Watson“ bzw. „Deep Blue“. Mit Hilfe der digitalen Möglichkeiten können Daten produziert werden, die verlässlich Aussagen darüber treffen, wo, wie und mit welcher Intensität ein Mensch erkrankt ist, um dann spezifisch mit einem Heilmittel einzugreifen.

Ärztlicher Rat mag noch gefragt sein, aber nur noch sekundär, denn der Computer erkennt viel spezifischer, was einem Menschen fehlt und bezieht bei seinen Recherchen auch Umweltbelastungen, Stresssituationen etc. mit ein. Das Erheben von Daten, die Dienstleistung an sich, wird künftig Schwerpunkt der Tätigkeit von Arzneimittelherstellern sein. Nach Auswertung der Daten werden sie viel wissender die Mittel herstellen und die individuelle Anwendung der Mittel beeinflussen können. Sie werden vom Erkenntnisvorsprung profitieren, Mittel anforderungsgerecht herstellen und individuell zum Einsatz bringen. Dadurch werden die Arzneimittel mutmaßlich teurer als bisher werden, aber der Streuverlust wird gemindert.

Aus meiner Sicht eine gute Nachricht für alle Beteiligten, allerdings doch mit einem Beigeschmack, was die Aufnahme und die Verwertung von Daten anbetrifft. Wenn die Patienten nicht mitmachen und sich weigern, ihre Daten zur Verfügung zu stellen, funktioniert das Modell nicht. Also werden alle mitmachen – zumindest über kurz oder lang.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski