Schlagwort-Archive: Briefe

Hallo

„Hallo“, das klingt wie ein Weckruf. Dabei bin ich schon längst wach, „aber hallo“! Hallo hier, hallo dort, landesweit „Hallot“ es durch Deutschland. Überall, ob beim Supermarkt oder auf der Arbeitsstelle werde ich darauf aufmerksam gemacht, dass außer mir sich dort noch jemand befindet, der durch sein „Hallo“ signalisiert, dass er mich wahrnimmt und darauf besteht, ihn wahrzunehmen. Das gilt für Mann und Frau gleichermaßen.

„Hallo“ ist absolut gendergerecht und auch biologisch völlig neutral. Es ist für Tiere und Pflanzen aber noch ungeeignet, solange diese unserer Sprache nicht mächtig sind. Telefonate beginnen mit „hallo“ und Briefe oft neuerdings auch. Warum nicht einfach darauf verzichtet wird, verstehe ich allerdings nicht. Ich bin doch wach und habe auch mitbekommen, dass eine Person etwas von mir will.

Es muss kein „Grüß Gott“ sein, aber ein herzliches „guten Tag“ oder Vergleichbares und der Tageszeit angepasst, würde ich mir schon wünschen. Ich fühle mich geehrt, wenn ich so angesprochen werde und verzichte gerne auf die dem Hallo oft folgende völlig unpersönliche Du-Vertraulichkeit.

Ich bin nicht irgendeine Person da draußen, sondern jemand, der persönlich wahrgenommen und geschätzt werden will. „Hallo“ verweigert mir diese Anerkennung. Vielleicht folgt auf „Hallo“ aber bald auch nur noch ein „Hi“, dann ein Zischlaut oder gar nichts mehr. Ich würde mich nicht wundern.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski