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Bilder

Selfie von und mit mir am Brandenburger Tor. Flüchtlingskind tot, angespült an griechischem Ufer. Persönliche Bilder, fremde Bilder, Schicksalsbilder, Geschichtsbilder, Realbilder und Fakebilder. Und dann das Kopfkino. Traumbilder, Bilder aus Bildern, eigene Projektionen und die anderer.

Du sollst Dir kein Bildnis machen von deinem Nächsten. Du sollst Gott nicht abbilden. So fordern manche Religionen. Und trotzdem eine Bilderflut, wozu? Können Blinde auch sehen? Was verhindert das Bild, was verschafft es? Die Fragen mögen dumm erscheinen, da Bilder allgegenwärtig sind. Aber, sie sind dennoch nichts ohne uns, weil erst durch unsere Wahrnehmung die Bilder ihren spezifischen Charakter entfalten. Es sind die Bilder unseres Lebens, die wir aufrufen können, um Entwicklungen zu messen und uns zu erinnern, wenn Gefühle und Gedanken nicht ausreichen.

Bilder sind spezifisch, fordern Korrespondenz. Sie sind zwar dem Gedanken verwandt, aber der Bildraum ist noch weiter, unbeherrschbar durch den Moment. Das Bild verändert sich durch unsere Wahrnehmung, verändert sich durch Zeit und Umstände. Die Bilder in uns sind die Blaupausen der Wirklichkeit, werden aber erst real durch uns. Das Bild ist das, was wir uns vorstellen, selbst dann, wenn für das Betrachten des Bildes Maßregeln oder Rezepturen vorgegeben werden. Dem Bild kann sich keiner entziehen, weder ein Gegenstand, noch eine Idee.

Das Bild ist allmächtig und herrscht über Zeit, Raum und Ewigkeit. Das Bild macht nicht Halt vor Blinden und schafft auch aus Ornamenten umfassende, wenn auch subjektive Identitäten. Wir Menschen erfahren Bilder und machen uns Bilder, von allem.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski