Schlagwort-Archive: die Würde des Menschen

Kommunizierende Röhren

Es wird behauptet, die Wähler der AfD seien die innerhalb der Gesellschaft abgehängten sozial schwachen und insgesamt etwas einfältigen Personen. Wenn dies in Wirklichkeit nicht stimmen sollte, so hoffen wir doch, dass es so sei. Es würde uns Intellektuelle und etwas wohlhabendere Menschen entlasten. Aber, ich glaube, wir liegen völlig daneben. Schon vor einem Jahr saß ich bei einem Abendessen mit vertrauten und geschätzten Professoren zusammen, die sich durchaus zumindest auf wissenschaftlicher Ebene um Deutschland verdient gemacht haben.

Wir kamen auf die AfD zu sprechen und ich war dann überrascht, dass sie meine Vorbehalte gegen diese Bewegung nicht teilten. Frau Petry sei doch sehr intelligent, auch Herr Gauland und andere, damit täte man der AfD Unrecht, wenn man ihnen geistiges Potential abspreche. Auf meinen Einwand, dass Björn Höcke und andere Parteivertreter auch im nationalsozialistischen Vokabular fischen, konterten die Professoren, dass es die Entgleisung einzelner immer schon im politischen Raum gegeben habe, aber keinen Rückschluss auf die gesamte Partei zulasse.

Ich war verblüfft, mit welcher Selbstverständlichkeit die Herren bereit waren, eine solche Bewegung als integralen Bestandteil nicht nur des politischen, sondern des gesamten gesellschaftlichen Raums zu akzeptieren. Auf Fremdenfeindlichkeit und Islam kamen wir dann auch noch kurz zu sprechen. Beides scheint so ineinander verwoben zu sein, dass der Eindruck blieb, dass ohne den Islam, Kopftücher und Scharia es auch keine Fremdenfeindlichkeit gäbe.

Ein schwieriges Terrain für uns alle, die wir den säkularen Staat schätzen und nun erfahren, dass wir mit dem Ausspruch des früheren Bundespräsidenten Wulf, dass der Islam zu Deutschland gehöre, trotz aller Toleranz unsere liebe Not haben. Jeder soll hier in Deutschland nach seiner Façon selig werden, natürlich auch religiös, aber wir wünschen uns auch den religiösen Dialog auf Augenhöhe. Noch sehen wir da Defizite, vor allem was den Islam angeht.

Alle Menschen hierzulande nehmen wahr, dass in den arabischen Ländern die verschiedenen islamischen Strömungen sich blutig bekämpfen und es scheint, als gäbe es ein Nulltoleranzgebot gegenüber anderen Religionen. Mission impossible. Solche Zustände wollen wir hier in Deutschland nicht haben. Deshalb müssen auch wir, die wir mit der AfD fremdeln, stets deutlich machen, dass die Ewigkeitsgebote des Grundgesetzes nicht nur im Verhältnis zwischen Bürger und Staat, sondern auch im Verhältnis der Bürger untereinander gelten.

Die Würde des Menschen als Schutzkokon für seine freie Entfaltung in dieser Gesellschaft ist unverzichtbar, gleich, wo er herkommt, welche Religion er ausübt und wie er sich hier zu verwirklichen gedenkt. Das funktioniert aber auch nur dann, wenn die Pflicht, die in diesem Recht enthalten ist, auch allgemeiner Imperativ ist und jeden, der zu uns kommt, verpflichtet, die ewigen Gebote des Grundgesetzes in gleicher Weise zu achten. Nur der kann ein guter Deutscher sein, der bei der Kommunikation von Mensch zu Mensch, von Gruppe zu Gruppe, von Religion zu Religion auf diese Regeln achtet und sie einhält.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Ernsthaftigkeit

„Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst“ (Schiller, Wallensteins Lager, Prolog).

Eine verworrene Behauptung, wenn man von der Kunst als etwas Leichtsinnigem ausgehen sollte. Sie ist es nicht. Vielmehr ist die Kunst ein Beispiel für Leben, an dem wir uns orientieren sollten. Ihre Heiterkeit entspringt dem Ernst der Tätigkeit. Der Künstler nimmt das Leben in der Regel nicht unter der Überschrift: „Eigenichpflege“ wahr. Ohne wirklich heiter zu sein, haben aber viele Menschen die Neigung, ihr Leben als einen Witz zu begreifen, über den ständig gelacht werden muss. Sie sind „reif für die Insel“, vergnügen sich an der trivialsten Fernsehunterhaltung und verwöhnen sich pausenlos. Es entspringt ihrer Wahlfreiheit, auch wenn sie sich dadurch zum Gespött machen. Nicht zum Gespött der anderen Leute, mit denen sie sich sozial untergehakt haben, sondern zum Gespött ihres eigenen, noch nicht vollendeten Ichs.

Schwer mag dann im Leben wiegen, nicht alles zu haben, schwer das eigene Versagen in Familie und Beruf, schwer vor sich selbst noch jeden Tag zu bestehen. Aber jeder Mensch hat eine Würde, die er zu fassen bekommt, wenn er sich ihrer in allem Ernst bewusst geworden ist. Die Kraft der Ernsthaftigkeit, mit der wir unsere Tätigkeit verrichten, verändert die Wahrnehmung unseres Wesens durch Andere. Die Ernsthaftigkeit, mit der wir uns den Aufgaben stellen, führt dazu, dass wir Anerkennung erfahren und selbst die notwendigen Dinge weiter und geräuschlos erledigen. Darüber können wir uns mit anderen Menschen stets freuen, weil diese damit begonnen haben, uns wegen dieser Haltung zu respektieren und unserer Leistungsbereitschaft zu vertrauen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski