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Kompromiss

Was wäre, wenn… . Was wäre, wenn, wenn alle sich durchsetzen könnten. Durchsetzen mit ihrer Vernunft, ihren Emotionen und Taten. Was wäre, wenn alle Verkehrsteilnehmer auf ihre Vorrechte bestünden? Wenn jeder Mensch, jede Einrichtung, jedes Wirtschaftsunternehmen oder jeder Staat sich durchsetzen könnte mit seinem Vorhaben, gäbe es die Alternative der totalen Blockade und des Stillstands oder der Ausrottung des Anderen. Bei Pflanzen und Tieren haben Wissenschaftler dies bereits beobachten können.

Wenn die Gegenwehr fehlt, gewinnt, die gefräßige Raupe oder der durchsetzungsfähigere Strauch. In der Natur natürlich nur auf Zeit, denn sobald die Durchsetzung flächendeckend gelungen ist, fehlt der Grundstoff für die eigene Überlegenheit. Büsche und Sträucher verändern die Bodenbeschaffenheit, gefräßigen Raupen fehlt die spezifische Nahrung.

Um der Selbsterledigung zu entgehen, muss die Natur Kompromisse eingehen, eine systemische Entscheidung, die auch für alle Menschen und seine Einrichtungen, die Gesellschaft und den Staat gilt. Ohne Bereitschaft zum Kompromiss vergeben wir uns die Chance, selbst Angebote zu erhalten, die unserem Interesse entsprechen.

Kompromisslosigkeit ist allerdings attraktiv, signalisiert Stärke und Durchsetzungsvermögen und mobilisiert Anhänger, die zwar das Verhalten nicht durchschauen, aber glauben, eigene Vorteile daraus ableiten zu können. Sie verkennen aber die Skrupellosigkeit der Kompromissverweigerer. Der Durchsetzung des eigenen Willens opfern sie gerne andere Menschen – auch Mitläufer –, um dann in einem ihnen geeignet erscheinenden Moment genauso unerbittlich die Vorteile einer anderen Haltung wahrzunehmen. Was juckt mich mein Geschwätz von gestern.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski