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WEGFINDUNG (Teil 2)

Der Markt bestimmt, welchen Wert er einem Produkt zubilligt, um die Nachfrage zu stimulieren, es verkaufsfähig zu machen und es für die Befriedigung der Verbraucherwünsche einzusetzen. Nichts anderes geschieht im philanthropischen Bereich, nur dass die Ware in der Regel nichts Gegenständliches sein muss, sondern eine besondere Form der Dienstleistung mit anderen signifikanten Merkmalen darstellen kann. Diese Ausstattungsmerkmale der Dienstleistung können unter den Merkwörtern Integrität, Vertrauensbildung, Selbstlosigkeit und Effizienz zusammengefasst werden. In ihrem Wertmaßstab unterscheiden sich philanthropische Produkte zwar einerseits von Dienstleistungsprodukten, die nur darauf gerichtet sind, eine finanzielle Gegenleistung zu provozieren, sie erweitern aber   andererseits   sozusagen   als   Leitidee   auch   den   Bereich   der Durchsetzungsfähigkeit und der Wirksamkeit aller nicht primär philanthropischen Produkte auf dem Markt.

Kompensation, das heißt, das Wechseln von Geld ist eine Form der gesellschaftlichen Anerkennung für ein erwerbbares Produkt und verschafft demjenigen, der die finanzielle Anerkennung im Austauschprozess erfährt, einen Bedeutungszuwachs. Geld ist daher nicht das eigentliche Ziel aller unserer täglichen Bemühungen, sondern es ist das Mittel, um den entscheidenden Zweck zu erreichen, und zwar Freiheit, Unabhängigkeit und gesellschaftliche Anerkennung. Das sich selbst aufzehrende Geld würde keinerlei Bedeutungszuwachs für den handelnden Menschen mehr bieten. Im Dienstleistungsbereich, insbesondere im philanthropischen Dienstleistungsbereich, ist eine Form der Anerkennung vorgesehen, die demjenigen, der leistet, eine hohe gesellschaftlich relevante Bedeutung verschafft, ohne dass diese unmittelbar darauf beruht, dass der Leistende für die einzelne Dienstleistung auch stets eine finanzielle Kompensation verlangt bzw. erhält. Die Raffinesse des Vorgangs besteht vielmehr darin, dass nicht der eigentliche Akt des Gebens und Nehmens, sondern die Grundlage des Handelns selbst bereits eine maßgebliche gesellschaftliche Bewertung erfährt und das philanthropische Handeln nur die Konsequenz aus der zuvor bereits getroffenen Richtungsentscheidung des Handelnden ist.

Aus seiner eigenen Integrität heraus hat er sich dazu entschlossen, Verantwortung zu übernehmen und sich zu engagieren. Die Stiftung, die gemeinnützige Gesellschaft oder der gemeinnützige Verein werden von ihm gegründet, die Mittel zur Verwirklichung des Zweckes eingeworben und auf der Grundlage bestehender Erträge, Spenden und Zuwendungen können seine Vorhaben umgesetzt werden. Der Handelnde vertraut das von ihm hergestellte philanthropische Produkt dem Markt an. Dabei werden Arbeitsplätze geschaffen, Dienstleistungen nachgefragter Art erledigt und insgesamt gesellschaftliche Prozesse gefördert, die in struktureller Weise einer industriellen Produktionsgesellschaft nicht nachstehen, sondern die gleichen Merkmale der Verschränkung von gesellschaftlichem Begehren und dessen Anerkennung aufweisen.

Diese Anforderungen hat die Philanthropie berücksichtigt. Sie spiegeln sich schon heute wider im Milliardenvermögen der Stiftungen, das sich nicht verzehrt, sondern im Gegenteil stetig anwächst, weitere Erträge schafft und die Handelnden in die Lage versetzt, immer selbstbewusster zu werden, das heißt den Herstellungsprozess und den Vertrieb des Produktes auf dem Markt permanent machtvoll zu steuern. Diejenigen, die bereits über große Vermögen verfügen und dieses in philanthropischen Unternehmen eingesetzt haben, erkennen ihre Chancen,   auf   diesem   neuen   Tätigkeitsfeld   zu   reüssieren,   dabei   das Alleinstellungsmoment in vielen Bereichen zu festigen und die philanthropische Nachfrage des Marktes auf manchen Feldern fast exklusiv zu bedienen. Dies wird sich allerdings bald ändern.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski