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Hass

Hass überall. Mal ist vom Hass auf die jeweilige andere Religion die Rede, mal erfahren wir etwas über den Hass von Menschen auf die Einrichtung von Flüchtlingsheimen, den Hass auf einen Nachbarn oder Ethnien. Der Feststellung dieses Hasses folgt die Interpretation auf den Fuß. Der Hass habe damit zu tun, dass die eigene Religion von Anderen missachtet werde, mit der Angst vor der Überfremdung oder der wirtschaftlichen Verelendung. Es wird versucht, dem Hass so eine rational erfassbare Basis zu geben, die Worte Frust und Überforderung werden bemüht.

Die Interpreten spielen denjenigen, die hassen, in die Hände. Der Hass ist somit gerechtfertigt und ein Element der sozialen Auseinandersetzungen, das nach begreifbaren Kriterien gewürdigt werden muss. Muss es das wirklich?

Wer hasst, liebt nicht. Er ist liebesunfähig. Er empfindet keine Empathie für andere und verachtet sich schließlich selbst, weil er wie ein Selbstverliebter daherkommt, aber auch diese Sprache nicht beherrscht. Könnte man mit dem Hassenden Mitleid empfinden, dann entdeckte man eine in eigener Schuld völlig erstarrte narzisstische Persönlichkeit, deren ausschließliche Selbstbehauptung darauf beruht, dass er andere Menschen demütigt und quält. Ein Hassender ist wie ein Mensch aus Zellophan. Er bemüht sich um Anerkennung, aber was von ihm bleibt, ist nichts als Leere, Unscheinbarkeit. Doch dem Hassenden kann geholfen werden, aber nicht durch Beschreibung seiner angeblichen Beweggründe, sondern durch konsequentes Handeln, das Respekt für die Integrität anderer Menschen einfordert und auf die Verhinderung der Taten durch Aufklärung und Prävention durch Präsenz des Staats abzielt. Regeln, Pflicht und Verantwortung sind Tugenden, die altmodisch erscheinen, aber wirkungsvoll unsere Gesellschaft austarieren könnten, wenn wir für deren Akzeptanz eintreten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Pegida

„Pegida“, ein Wort hat sich in unserem Kopf festgesetzt. Wie der Ohrwurm eines Schnulzensängers. Und das ist nicht weit hergeholt. „Pegida“ kann fast jeder aussprechen, es klingt fremd, aber auch gebieterisch, kurzum eine ideale Produktbezeichnung. Doch, was wird hier vermarktet? Vermarktet wird Islamophobie, Angst vorm Fremden, Sozialneid, Frust, Lust, gegen Andere zu sein, aber gleichzeitig eine soziale Verbindung zu Gleichgesinnten einzugehen. Das mit möglichst einfachen Mitteln und ohne Risiko. „Pegida“ kommt, „Pegida“ geht, wie seinerzeit „Alice“, die unvergessene Werbeikone für eine Telefonsoftware. Die Werbung funktionierte, weil keiner wusste, wer oder was sich hinter „Alice“ verbarg. Was verbindet uns mit „Pegida“?

Wenig ist von denen zu hören, die da am Montag mitmarschieren, aber sehr viel von denjenigen, die die Aufmärsche kommentieren. Sie rücken die „Pegida“-Anhänger in die Nähe von Nazis oder beschwören, man müsse deren Anliegen ernst nehmen, sich mit ihnen auseinsetzen, anstatt sie zu verteufeln. Nur was sollte man denn ernst nehmen? Ernst nehmen, dass in jedem Stadtteil, nein in jeder Straße angeblich Minaretts gebaut werden? Sollte man ernst nehmen, dass 150 Asylbewerber für eine Kleinstadt einfach zu viele unkontrollierbare Menschen sind? Unsere Gesetze sind eindeutig. Wir können uns der Einwanderung nicht verschließen und sie ist auch erforderlich für unser Land und die Erfindung des Generationenvertrags. Verdruss und Ängste sind jeder Gesellschaft immanent, wir müssen jedoch denjenigen widerstehen, die glauben, Stimmungen instrumentalisieren zu können, um ihre eigenen Machtspiele daraus abzuleiten. Die Teilnehmer der „Pegida“-Demonstrationen zu verunglimpfen und sie der Lächerlichkeit auszusetzen, bringt überhaupt nichts. Sie müssten vielmehr bei einer Gegenoffensive erkennen, dass wir eine gesellschaftliche Ordnung haben, die auf Gesetz und Recht beruht und so stark ist, dass sie jeder Aushebelung unseres kulturellen Selbstverständnisses entgegentreten kann, aber auch kluge Voraussetzungen für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft schafft.

Vielleicht ist „Pegida“ exemplarisch so wichtig, damit wir immer wieder in die Lage versetzt werden, unseren eigenen Standpunkt zu überprüfen und in uns die Bestätigung zu finden, dass wir glücklicherweise in sehr angenehmen gesellschaftlichen und staatlichen Strukturen leben, die es zur Aufrechterhaltung unserer Freiheit zu verteidigen lohnt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski