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Aggregatzustand

Alles ist flüchtig. Diese Behauptung provoziert Widerstand. Wer kennt sich denn mit der Flüchtigkeit der Steine aus? Aber doch, sie könnten zu Sand zerrieben werden. Ganze Kontinente sind auf der Flucht. Nichts bleibt, wie es ist, aber es lässt sich aufhalten, nicht endgültig.

Der Wasserdampf steigt auf und fällt als Regen zurück auf die Erde. CO2 verflüchtigt sich, aber trägt gleichwohl zur Verwundbarkeit unseres Planeten bei. Unser Leben ist flüchtig. Auch wir lösen uns auf und doch bleibt etwas von uns auf ewig. Das heißt, wir lösen uns nicht ganz auf. Auch wenn der Körper zerfällt, bringen wir uns ein in die Natur.

Unsere Gedanken und Gefühle haben einen bleibenden Beitrag in unserer Gesellschaft geleistet. Unsere flüchtige Existenz kann heilvoll aber auch unheilvoll sein, aber bleibend in dem von uns erwarteten Sinn ist nichts. Für den Moment können wir die Welt in Angst und Schrecken versetzen, für den Moment sie beglücken mit einer Erfindung oder unerwarteten Zuwendung. Auf Dauer können wir nicht planen.

Achtung, Achtung! Das ist ein Experiment mit meinen Gedanken, die kommen und gehen. Es bleiben weder Erinnerung noch Bedeutung. Sie schaffen auch keine Veränderung. Aber irgendwie tragen meine Gedanken trotz aller Flüchtigkeit zu etwas bei. Sie regen für einen Moment meine Leser an, fordern Widerspruch heraus oder erlauben kurzfristige Übereinstimmung. Vielleicht.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski