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Stimmungen

Abend- oder Morgenstimmungen berühren uns, vermitteln das Gefühl des Aufbruchs in einen neuen Tag oder in den Feierabend. Stimmungen vermitteln sich sehr persönlich, erfassen aber zuweilen auch ganze Gruppen von Menschen, die gemeinsam ihre Empfindungen ausloten. Stimmungen wirken auf das Gefühl.

Wenn ein Mensch gut oder schlecht gestimmt ist, können die Ursachen zwar rational erfassbar sein, äußern sich aber durch ihre Gefühle, die dann Verhaltensweisen bestimmen können. Das Gestimmtsein von Menschen und die Stimmungen, die in ihnen durch äußere Einflüsse erzielt werden, verarbeiten komplexe Erfahrungen der visuellen, akustischen, sensorischen und manuellen Wahrnehmung. Weil sich im Gestimmtsein, in der erzeugten Stimmung und in der Wirkung, die etwas Anderes in uns entfaltet, eine umfassende Erfahrung offenbart, die unser Handeln auslöst, sind Stimmungen als Treiber des öffentlichen Raumes nicht wegzudenken.

Wirtschaftliche und politische Prozesse werden wesentlich durch Stimmungen beeinflusst. Müssen wir dies für bedenklich erachten? Wir haben die Bilder vor Augen, die uns die Medien von der Vorgehensweise des amerikanischen Präsidenten Donald Trump vermitteln. Wir gewinnen den Eindruck, sein politisches Handeln sei wesentlich von Stimmungen beeinflusst und diese auch einem ständigen Wandel unterworfen. Dies mag sein. Es lässt sich aber auch ein positiver Aspekt seiner Stimmungsführerschaft feststellen.

Stimmungen reagieren sensibel auf Möglichkeiten, beharren nicht auf die rigide Durchführung einer Maßnahme, weil sie als richtig behauptet wird, auch wenn andere Aspekte dagegensprechen. Die Flexibilität der Stimmung entspricht dem Stimmungsumschwung, den man beklagen kann, der aber auch wieder neue Möglichkeiten der Reaktion eröffnet.

Stimmungen sind eher der Seismograf gesellschaftlicher Entwicklungen als Programme, denen die Wirklichkeit unterworfen werden soll, und zwar auch dann, wenn die Erprobung erbringt, dass es so nicht geht. Bleiben wir also frohgestimmt trotz aller Unstimmigkeiten in dieser Welt und genießen unsere stimmungsvollen Tage.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Schwerelos

Was wiegt die Luft auf einer Fingerkuppe? Wie schwer ist ein Gedanke, ein Gefühl? Anforderungen an die Metaphysik in ihrer wahren Bedeutung als naturgesetzliche Wahrnehmungen in einer realen Energiewelt, nicht körperlich fassbare Stoffe. Körperlichkeit entwickelt Widerstände. Widerstände zu überwinden, bedeutet realen Zeitverlust.

Dies gilt gleichermaßen für den geworfenen Stein wie auch für Ton oder Licht. Der nicht körperliche Gedanke oder das Gefühl wird bei seiner Mission wenig behindert, es sei denn, die Verschiebung erfolgte widerwillig. Die Entwicklung eines Gedankens, gegebenenfalls auch eines Gefühls verschlingt ungeheuerlich viel Zeit, weil sie sich nicht an die Regeln der natürlichen Effizienz hält, sondern Merkmale planmäßiger Zufälligkeit aufweist.

Doch wie schnell ist ein Gedanke, wie schnell ist ein Gefühl, wenn es auf den Weg gebracht wurde? Die Umspannung bei den Rezeptoren, d. h. die Wahrnehmung von Gefühl oder Gedanken erfordert die meiste Zeit, weniger der zurückgelegte Weg, wenn das Zögern und Zaudern nicht immanenter Prozessgegenstand gewesen ist. Eine auf Gedanken und Gefühlen basierende Wahrnehmung der Wirklichkeit könnte die retardierenden Momente der Zeit überwinden, wäre die Zeit selbst nicht eine Annahme, die eben auf diesem Gedanken beruht.

Was ist zu tun? Die Zeit denken und fühlen, gleichwertig jedem anderen Gedanken? Damit müsste es gelingen, die strukturelle Realitätsprüfung zu überwinden und experimentell ein Novum zu verfolgen: Gedanken, Gefühle und was da noch ist – das Unbeschreibliche, die Sehnsucht, das Wissen – zuzulassen, in der Aufhebung jeglicher Zeitdefinition und jeglichen Erinnerns an Kategorien von früher bis in alle Ewigkeit. So wie das Wissen um alles ohnehin geprägt ist in der Matrix jeder Zelle, jeden Keims, jeden Gedankens und Gefühls. Wir wissen mehr als das, was wir je an Wissen erfahren. Wir haben schon immer alles gewusst und wollen uns kognitiv schützen.

Was kann das sein? Wollen wir uns vor ihnen schützen, die in uns entstehen könnten in jedem Augenblick, aber nicht von fernen Planeten kommen, sondern stets mit uns sind? Hier und dort? Im Einen wie im Anderen. Eingeschmolzen in jede Aufhebung von Zeit und Raum, kontrolliert aber auch von ihren Gesetzen. Blindheit ist unser Schutz. Es gibt nichts außer uns, auch nicht das Universum als Etwas außerhalb von uns. Jeder Raketenstart zu fernen Planeten findet in der realen Welt aufgrund unserer Verabredungen statt, im Übrigen aber in uns. Projiziert auf Himmelsflächen, Milliarden Jahre entfernt, von uns erfunden. Das Fernste, vor dem wir uns schützen, ist der vertrauteste Teil von uns. Wie eine Matroschka häutet sich der Mensch, alles ist in uns, in uns, in uns und gleichzeitig auch außerhalb. Wir sind alles und nichts in einem unbedachten Wort, Gedanken oder Gefühl haben wir die Tafel gelöscht, Gott die uns gewährten Gesetzestafeln wieder zurückgegeben und den Anfang gefunden. Im Tod. Kein Laut. Kein Ton. Nichts. Aber auch alles und überall. Zeitlos.

Dann ist es vorerst endgültig. Möglicherweise. Aber davor weist uns die Ahnung den Weg, lüftet den Schleier der Sehnsucht, damit unsere Seele schon sehen kann, was den Augen verborgen bleibt. In uns ist keine Zeit, aber in unseren Augen, in unseren Ohren, in unserem Mund und unserem Kopf. Befreien wir die Materie von der Materie, bleibt das Nichts zuzüglich der Energie, die aus der Verzinsung der Materie entsteht. Das ist kein Licht, sondern eine Sehnsucht, die strebt ohne Gewicht und Zeit.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski