Schlagwort-Archive: Geld

WEGFINDUNG (Teil 1)

In einer Zeit, in der wir feststellen müssen, dass zunehmend das Geld nur noch das Geld für sich arbeiten lässt und in der somit ein Kreislauf geschaffen wird, der den Menschen überflüssig zu machen scheint, bildet sich eine Alternative zur rein finanzbestimmten Industrie aus: die philanthropische Industrie. Was ist darunter zu verstehen?

Unter Industrie subsumieren wir gemeinhin die gewerbliche Herstellung materieller Güter. Philanthropie ordnen wir dem gemeinnützigen Bereich zu, einem Bereich, dessen strukturelle Ausdrucksform derzeit noch vor allem durch Stiftungen und Vereine geprägt ist. Aktivitäten dieser Einrichtungen sind darauf gerichtet, anderen zu geben, sie zu fördern oder an ihnen Dienste zu verrichten, ohne primär den Austauschprozess „Geld gegen Ware“ im Auge zu haben.

Industrie und Philanthropie verbinden trotz sprachlicher Distanz Aspekte der Wertschöpfung durch bewertbare Hilfestellung bei der Bewältigung und/oder Förderung bestimmter gesellschaftlich relevanter   Anliegen. Der Begriff der Industrie wird in seiner Bedeutung abgeleitet von Fleiß und Betriebsamkeit (lat. industria). Industrien werden verkörpert durch flächendeckende Konglomerationen von Einrichtungen, in denen Produkte hergestellt werden, die wieder verkäuflich sind, weil eine entsprechende Nachfrage besteht. Nachfrage besteht aber auch hinsichtlich philanthropischer Produkte, die mit Fleiß und Betriebsamkeit hergestellt werden. Schon deshalb müssen wir Ähnlichkeiten gelten lassen und weitere Anhaltspunkte zur Rechtfertigung der Einschätzung aufzeigen, dass es in absehbarer Zeit eine philanthropische Industrie geben wird.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Geld für alle

Wir haben Grund zu staunen. Wer Geld unter das Kopfkissen schiebt, hat allen Grund dazu, sich zu fürchten, dass Diebe ihnen das Ersparte wegnehmen. Wer Geld auf die Bank bringt, hat allen Grund dazu, anzunehmen, dass er Verwahrgebühren bezahlen muss und sich dieses Geld allmählich von selbst verzehrt. Es gibt Geld im Überfluss, in rauen Mengen und die EZB kann noch mehr davon drucken, wenn es sein muss.

Diese Großzügigkeit in der Geldvermehrung, die sattsam bekannten Spekulationen und hohen Verschuldungen stehen in einem merkwürdigen Kontrast zur Wahrnehmung der finanziellen Situation einzelner Menschen. Für die meisten Menschen ist Geld „geronnene Arbeit“. Das hat Karl Marx „so festgelegt“.

Der einzelne Mensch kann kaum begreifen, dass Geld für Banken aber auch für Staaten und überstaatliche Organisationen Verschiebungsmasse für Vorteile und Disziplinierungen darstellen kann. So funktionieren offenbar politische Gestaltungsprozesse. Die einen sagen: stärkt die Exportwirtschaft und wir alle haben mehr davon, Arbeitsplätze werden geschaffen, das Lohnniveau steigt. Andere sagen: weniger Exportwirtschaft mehr Geld im Binnenmarkt und damit mehr Geld für Arbeitnehmer und die Konsumenten, damit der Binnenhandel floriert.

Irgendwie leuchtet das ein, denn, wenn es uns besser geht, wir mehr Geld bekommen, dann haben auch andere europäische Unternehmen eine Chance, ihre Waren hier anzubieten und alle nehmen teil am Wachstum. Aber nichts dergleichen geschieht, denn was geschieht, bestimmt schon längst nicht mehr allein die Politik, sondern die Wirtschaft. Die floriert und Deutschland lässt sich als Exportweltmeister feiern. Aber was hat der einzelne Arbeitnehmer, nein der einzelne Mensch in Deutschland davon? Viele sind gefangen in Hartz-IV, in unteren Lohngruppen, in Teilzeitarbeit, in Aushilfejobs und Lethargie angesichts des wirtschaftlichen Farbenrauschs, die Geldorgien, die er zwar wahrnimmt aber gesellschaftlich für ihn unerreichbar sind.

Und was wird getan? Wohngeld, Elterngeld, Sozialhilfeangebote, Pflegezuwendungen, Zuschüsse für Einrichtungen aber kein „Empowerment“ des Bürgers in der Zivilgesellschaft, sein Leben selbst zu gestalten und ihm hierfür die günstigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu schaffen: Stärkung der Familie, Erhaltung von Bildungseinrichtungen, Schutz der natürlichen Ressourcen und natürlich auch Verteilungsgerechtigkeit.

Die Politik kann der Wirtschaft das Handeln nicht überlassen, sondern ist selbst gefordert, den Contrat Social neu zu schreiben und alle Akteure des öffentlichen Raums darauf zu verständigen; auch nicht dem Staat, der seine Rolle überdenken muss als zentrale Geldverteilungsmaschine. Seine Aufgabe ist es, die Voraussetzungen für die freie Entwicklung jedes einzelnen Menschen zu schaffen, anstatt bräsig seine Allgemeinzuständigkeit zu behaupten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Glück

Auf dem Gebiete des Glücks gibt es viele Seminarangebote. Die einschlägigen Ankündigungen lauten: Wie werde ich glücklich? Glück und Geld! Wie erfahre ich richtiges Glück? Glück und Demokratie! Der Blick in die Seminarräume vermittelt immer denselben Eindruck: Auf der einen Seite der souveräne Meister des Glücks, auf der anderen Seite das Häufchen Elend, welches mit der Wortfülle des Meisters erweckt und zum Glück geführt werden soll. Schon nach den einführenden Worten des Meisters bekennt der eine oder andere, was Glück für ihn bedeutet: Die Anerkennung, die er durch andere erfährt, ein schöner Tag, ein guter Urlaub, Sex oder strahlende Kinderaugen. Der Meister lässt jede Form des Glücks gelten und verleiht damit den Glücksschülern bereits den ersten „Dan“. Munter geht der Prozess des Glücklichwerdens weiter und nach mehreren Seminarsitzungen und dem Einsatz eines Großteils des Monatsgehalts gibt es keine Variante des Glücks mehr, welche dem Schüler noch beschrieben werden müsste. Dein Glück liegt auf der Straße. Du musst es nur aufheben. Diese sublime Erkenntnis ist in der Tat viel wert.

Was ist Glück?

Möglicherweise ist es die Kür des Erfolgreichen. Vielleicht ist es ein Zufall. Wahrscheinlich winkt auch dem Tüchtigen das Glück. Was ist aber an Glück so einzigartig, dass es so vielfältig und trotzdem so leicht definierbar in Erscheinung tritt? Glück ist Geld, Sex und anhaltende Gesundheit. Glück ist der stets erfüllte Wunschtraum. Glück ist kollektives Verlangen, bei dem wir uns nur graduell bei der Verwirklichung unterscheiden. Aus der Spannung zwischen demjenigen, der bekommen hat, und demjenigen, der leer ausgeht, entsteht das Glück. Glück ist die Kehrseite von Neid und Angeberei. Pech macht den Verlust des Glücks deutlich und lässt den Glücklichen besser strahlen. Aber der Pechvogel, die schwarze Krähe des Unglücks, der „Loser“, ist er wirklich unglücklich? Offenbar gibt es etwas anderes außerhalb von Glück und Pech: Glücklich sein oder unglücklich sein. Ein glücklicher Mensch! Der glückliche Mensch kann weder durch Glück noch durch Pech entreichert oder bereichert werden. Auch wenn er beides erfährt, bleibt er glücklich. Sein Glück ist Programm. Ein glücklicher Mensch ist gewöhnlich auf einer Sommerwiese geboren.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Barter-Geschäft

Was nichts kostet, ist nichts wert. Dieser Merksatz gilt im gesamten Warengeschäfts- und Dienstleistungsbereich. Wir setzen uns beruflich ein, investieren unsere Arbeitszeit, um damit Geld zu verdienen. Geld, welches wir benötigen, um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten und möglichst auch noch Reserven schaffen, also das Vermögen mehren.

Philanthropie, also Sozialunternehmertum im eigentlichen Sinne verstehen wir bisher immer als eine Pro-bono-Einrichtung, als ein Engagement für bestimmte Zwecke aus idealistischen Gründen. Wenn auch steuerlich begünstigt, haben Stifter und Spender dabei immer im Auge, der Gesellschaft von ihrem Geld etwas zurückzugeben, auf das sie verzichten können und den Ausgleich für Vorteile darstellen soll, die der Stifter oder Spender meist im realen Wirtschaftsleben erhalten hat. Wenn der Stifter oder Spender damit auf eigene finanzielle Vorteile verzichtet, sollen andere davon aber auch nicht profitieren.

Im philanthropischen Bereich gilt daher der Merksatz, dass das Projekt möglichst nichts kosten darf, aber trotzdem große Wirkung erzielen soll. Diejenigen, die sich in der Philanthropie engagieren, sollen sich bescheiden, keine großen Ansprüche stellen, ihre Tätigkeit in erster Linie ehrenamtlich begreifen. Das ist ein gesellschaftlicher Widerspruch, der aufgelöst werden muss, denn derjenige, der sich im philanthropischen Bereich engagiert, leistet ebensoviel oder oft sogar mehr, als derjenige, der im realwirtschaftlichen Bereich arbeitet oder mit Geld spekuliert. Es müssen daher für diese Menschen auch zur Stärkung der Effektivität der Philanthropie Leistungsanreize geschaffen werden, die es jedem als sinnvoll erscheinen lassen, sich in der Philanthropie zu erproben.

Der Realwirtschaftsverkehr ist entstanden aus dem Tauschhandel. D. h., jemand bietet einen Gegenstand oder eine Dienstleistung an, die ein anderer benötigt und für die er selbst ebenfalls seine Dienste anbietet. Da es unpraktisch ist, Jemanden´s Dienste entgegenzunehmen, wenn man sie nicht benötigt, wurde letztendlich ein Anrechnungsverfahren geschaffen, welches zum Geldverkehr führte. Damit ist aber die Grundidee des Tauschhandels nicht beseitigt, sondern es muss ein allgemeingültiges System entwickelt werden, in dessen Kategorien die Leistungen, die ein Mensch im Rahmen seines philanthropischen Engagement erbringt, kompensiert werden, und zwar in der Form einer gesellschaftlichen Anrechnung, die wiederum dazu führt, dass derjenige in der Lage ist, selbst Leistungen anderweitig einzufordern, sei es im Rahmen der Realwirtschaft oder auch der Philanthropie. Zum Beispiel so, dass derjenige, der fünf Jahre ältere Menschen gepflegt hat einen Anspruch darauf hat, dass er kostenfrei für ihn selbst wieder gepflegt wird oder die eigens erbrachte Pflegeleistung auf andere übertragen kann. Jeder Mensch kann im Laufe seines Lebens etwas für andere leisten und ein entsprechendes Zeit- oder Punktekontingent aufbauen, welches er zu gegebener Zeit wieder einlösen kann. Er ist so in der Lage, sich ein Vermögen zu verschaffen, dass ihm auch im Alter die Ruhe gibt, nicht geld- sondern leistungsbestimmt die Angebote derer anzunehmen, die ihrerseits etwas „verdienen“ wollen. Um dieses Ziel zu erreichen, wird es erforderlich sein, Sozialbanken einzurichten, bei denen die Konten der Menschen geführt werden und die gewährleisten, dass die in der Philanthropie erbrachten Leistungen sorgfältig registriert werden und dafür zur Verfügung stehen, um einen gesellschaftlichen Ausgleich im Leben eines Menschen zu schaffen. In bestimmten Umfange sollen die Leistungen übertragbar sein und im Angebot das gesamte Spektrum von Wohnungen, kultureller Zuwendungen, altersgerechter Pflege, Hilfe bei der Kindererziehung, Krankenhausaufenthalt, Sterbehilfe etc. umfassen.

Vermittlungsagenturen für Angebot und Nachfrage müssen eingerichtet werden. Dabei ist es möglich, philanthropische Einrichtungen auch maßgeblich zu unterstützen und durch diese Unterstützungsleistung in den Genuss anrechenbarer Leistungen zu gelangen. Insoweit verschränkt sich Philanthropie und Realwirtschaft im Bereich der Nutzer ebenso wie in allen Bereichen der wirtschaftlichen Umsetzung.

Der Mensch ist interessengesteuert. Es ist zielführend, die Interessenslage nicht zu vernebeln, sondern aus dieser Interessensgebundenheit Vorteile für unsere Gesellschaft abzuleiten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Leistung ad absurdum

Die Bestimmung des Menschen ist es zu leben und dafür zu sorgen, dass er Leben schafft und erhält. Um dies zu bewerkstelligen, ist der Mensch darauf angewiesen, sich Mittel zuzuführen, die dazu geeignet sind, sein Leben zu erhalten, damit er geben kann. Lebenserhaltend waren die Jagd nach Tieren und später der Ackerbau. Überschüsse, die der Mensch produzierte, hat er an die Gemeinschaft abgegeben, um von dieser oder Einzelnen eine Gegenleistung zu erhalten, die es ihm erlaubten, noch erfolgreicher bei der Jagd oder beim Ackerbau und der Viehzucht zu sein und damit seine Erhaltungskraft zu verbessern. Der Tauschhandel funktionierte allerdings nur eingeschränkt, denn nicht jeder Mensch brauchte bei Abgabe seines Angebots zur gleichen Zeit ein Gegenangebot. So wurde die geleistete Arbeit angeschrieben, entweder kreditiert oder in einer Schuldverschreibung bestätigt. So entstand die Geldwirtschaft. Was bleibt, ist, dass im Grundmuster Geld nichts anderes ausdrückt als eine erbrachte Leistung. Soweit die reale Seite der Medaille. Die andere Seite der Medaille ist, das Geld sich von der Arbeit entkoppelt hat bzw. entkoppelt wurde und als Steuerungsmittel für den Finanz- und Warenverkehr taugte. Aber dennoch bleibt der Gegenleistungsaspekt erhalten. Durch die Disparität der Betrachtung von Geld aus verschiedenen Blickwinkeln heraus entstehen gefährliche Strudel, die das Schiff unserer Gemeinschaft – wenn wir dieses Bild nutzen wollen – heftig ins Schlingern bringen kann. Einerseits begreifen viele leistende Menschen in unserer Gesellschaft, dass das Geld, welches ihnen ausgezahlt wird, eine Kompensation für ihre Arbeit darstellen soll, andererseits nehmen sie wahr, dass Geld offenbar keine werterhaltende Rolle spielt, beliebig Versprechensträger in unserer Gesellschaft sein kann, ohne dass die Versprechen auch tatsächlich eingehalten werden. Aus dieser Wahrnehmung heraus kann sich ein Strudel formen, der unser Schiff verschlingt, ob wir die Ursache für das Unglück gesetzt haben oder nicht.

Der Staat als einer der Hauptfinanzträger, wie er sich heute generiert, beansprucht einerseits in der Form von Steuern Geldmittel seiner Bürger, obwohl er andererseits offenbar in der Lage ist, sich grenzenlos zu verschulden. Was erwartet dann der Staat noch von seinen Bürgern? Welche Leistungen erbringt der Staat gegenüber seinen Bürgern, die ein faires Äquivalent zu deren Leistungen darstellt. Zwingen die merkwürdigen unterschiedlichen Geldbetrachtungen von Staat und Bürgern nicht dazu, dass Geld als Beschaffungsmittel zu entzaubern und es der allgemeinen Spekulation anheim zu geben? Kann es denn sein, dass der Staat und weite Teile der Wirtschaft und der Gesellschaft zocken, während der schwer arbeitende Bürger in der Gesellschaft mit Sorge ansehen muss, wie seine Arbeit aufgrund dieser Umstände entwertet wird. In Frageform gegossen, lassen sich die Antworten am besten finden. Wir müssen vorwärts denken zu einem System, das Leistungsanreize schafft, Leistungen adäquat bezahlt und Leistungen fordert, nicht nur vom Bürger, sondern auch vom Staat für seine Bürger, die sich auch hier als äquivalent darstellen. Der Staat ist nicht der Vormund des Bürgers, sondern dessen Bittsteller. Er hat Ordnungsaufgaben zu erfüllen, den Rechtsstaat zu erhalten und mit seinem Regelwerk für Fairness bei den Markt- und Netzzugängen zu sorgen. Nicht aber ist der Staat dazu befugt, das Maß der Leistung des Bürgers stets dadurch neu zu bemessen, in dem er den Referenzrahmen des Geldes verändert. Dadurch wird Leistung ad absurdum geführt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski