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Vertrauen oder Good Governance

Nach allgemeiner Auffassung müssen ständig vertrauensbildende Maßnahmen geschaffen werden. Was sind aber vertrauensbildende Maßnahmen? Vertrauen sind keine Maßnahmen, sondern Maßnahmen sind das Ergebnis von Handlungen eines Menschen, der Vertrauen schaffen will. Wenn dieser Mensch nicht selbst vertrauenswürdig ist, wird er niemals in der Lage sein, zur Vertrauensbildung beizutragen. Deshalb können vertrauensbildende Maßnahmen nicht dem Normbereich eines sozialen Gefüges zugeordnet werden, sondern entspringen der Integrität von Individuen oder Kollektiven, die einen bestimmten Maßstab des Verhaltens verinnerlichen. Gesetze sind dafür da, dass sie befolgt werden. Insofern ist es völlig normal, dass Kataloge aufgestellt werden, die z. B. im Bereich der Good Governance eine bestimmte Form des Verhaltens von Vorstandsmitgliedern einer Aktiengesellschaft einfordern. Damit haben diese Vorstandsmitglieder aber nicht unser eigentliches Vertrauen. Sie verhalten sich – aus welchen Gründen auch immer – entsprechend eines für sie aufgestellten Kodexes. Vertrauen zu bilden aber heißt, in sich selbst einen Maßstab verankert zu haben, der sehr deutlich aufzeigt, was geht und was nicht zu verantworten ist. Dieses Vertrauen ist messbar und nicht nur ideell, sondern auch wirtschaftlich von großer Bedeutung. Es korrespondiert mit der Erwartungshaltung anderer Menschen, die sich in einer verwirrend rück- sichtslosen Zeit nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich orientieren wollen an Menschen, die in sich gefestigt sind, nicht nur ihre Vorteile im Auge haben, erkenntnisreich agieren, sich deshalb auch nicht manipulieren lassen. Vertrauen hilft allen, die sich ihm Rahmen einer Aufgabenstellung offen begegnen und kompetent, schnell und effektiv zu Lösungen gelangen wollen. Früher galt das Kaufmannsehrenwort. Heute müssen leider vor jeder geschäftlichen Begegnung zunächst Strafen für unredliches Verhalten erarbeitet werden, bevor man in einer von Misstrauen geprägten Zeit zu Er- gebnissen gelangt, an denen jeder nur wenig Freude haben kann. Mehr war nicht drin, ist die dafür übliche Begründung. Es sollte ergänzt werden: Mehr war bei diesen Menschen nicht drin. Wir haben die Chance der Alternative.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Ruck geben

Nur, wer grenzenlos spinnt, ist in der Lage, das Resultat normativ zu ordnen. Diese Erkennt­nis drängte sich mir auf, als ich Anfang der 80er Jahre eine Ausstellung besuchte, die unter dem Motto stand „Täglich das Unmögliche tun“. Es wurden die Werke der Meister des Bau­hauses u. a. Feininger, Schlemmer, Gropius präsentiert. Was leite ich für unseren heutigen Kongress davon ab. „Spitze bleiben“ heißt, sich immer wieder neue finden und sogar zu er­finden, auf Entdeckungsreise gehen, neue Produkte zu entwickeln, von der Zukunft her den­ken und nicht rechthaberisch mit dem bereits erzielten unternehmerischen Erfolgen umgehen. Sind dies Binsenweisheiten? Ja vielleicht. Es ist aber hilfreich, sich dies immer wieder vor Augen zu führen, sich zu spiegeln in den Möglichkeiten, die es auch noch gibt, die wir bisher aber nicht erprobt haben. Das war einer der Gründe, weshalb ich in Erinnerung an den Aus­stellungsbesuch Anfang der 80er Jahre und nach Aufnahme der bekannten Adlon-Rede un­sere Bundespräsidenten Roman Herzog – es soll ein Ruck durch Deutschland gehen – die Ruck – Stiftung des Aufbruchs gründete mit dem Ziel zu erfahren, welche Entwicklungen bei uns selbst durch Impulse ausgelöst werden können, auf die wir uns einlassen. Es geht dabei nicht nur um die ganz großen Dinge, nein, sondern auch um die kleinen Möglichkeiten im Alltag, in der Familie und bei der Arbeit. Durch dieses Zulassen von Anregungen, Entwick­lungen durch Engagement entsteht Neues. Dabei spreche ich nicht von Projekten, sondern von Selbstverständlichkeiten und Produkten auch im philanthropischen Bereich.

Ehrbarer Kauf­mann, Socials Responsibility, Good Governance, Complience. Alles dies sind Aufbruchsig­nale der Realwirtschaft mit dem Ziel, Verlässlichkeit zu schaffen, neue Erfahrungen zu schöp­fen und werteorientiert zu arbeiten, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein und dabei Gutes zu tun. Philanthropic Industries – ein Begriff, den ich geprägt habe – kommt bekanntlich von Industria und heißt so viel wie Fleiß und Betriebsamkeit. Dies soll wegweisend sein für den gesamten philanthropischen Bereich, d. h. Produkte zu entwickeln, die wie in der Marktwirt­schaft ebenfalls Marktgeltung erlangen können, nachfrageorientiert und begehrenswert für andere Menschen sind. Es ist sinnvoll und zukunftszugewandt, dass wir auch unter diesem Gesichtspunkt die Energie-, Gesundheits- Pflege- und Betreuungsstrukturen analysieren, verändern und gekonnt ausbauen. Da gibt es unendlich viele Möglichkeiten, die auf unsere Zuwendung angewiesen sind. Einige haben wir im Rahmen der Ruck – Stiftung des Aufbruchs selbst be­nannt, andere werden bereits  angedeutet, aber soweit ich sehe, noch nicht umgesetzt.

Ich bin überzeugt davon, dass schon etliche die Meister von Morgen sind, ihren Vor­habenplan für enthusiastische Maßnahmen im Tornister haben und nur darauf warten, dass sie uns zeigen können, was auch noch möglich ist. Viele wissen, dass das Leben eine wunderbare lange Veranstaltung ist, aber auch einmalig. Jeder sollte daher seine Fähigkeiten, seine Leidenschaft und seine Erfahrungen nutzen, ob er jung oder alt ist, das spielt dabei keine Rolle und sollte uns mitnehmen auf den Streifzügen durch die Galaxien seiner Fantasien. Lasst uns gemeinsam Neuland betreten, Gebiete, auf denen es nach einer Generation schon wieder selbstverständlich sein wird, dass wir sie in Besitz genommen haben.

Berlin, 08.10.2014

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski
Ruck – Stiftung des Aufbruchs