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WEGFINDUNG (Teil 1)

In einer Zeit, in der wir feststellen müssen, dass zunehmend das Geld nur noch das Geld für sich arbeiten lässt und in der somit ein Kreislauf geschaffen wird, der den Menschen überflüssig zu machen scheint, bildet sich eine Alternative zur rein finanzbestimmten Industrie aus: die philanthropische Industrie. Was ist darunter zu verstehen?

Unter Industrie subsumieren wir gemeinhin die gewerbliche Herstellung materieller Güter. Philanthropie ordnen wir dem gemeinnützigen Bereich zu, einem Bereich, dessen strukturelle Ausdrucksform derzeit noch vor allem durch Stiftungen und Vereine geprägt ist. Aktivitäten dieser Einrichtungen sind darauf gerichtet, anderen zu geben, sie zu fördern oder an ihnen Dienste zu verrichten, ohne primär den Austauschprozess „Geld gegen Ware“ im Auge zu haben.

Industrie und Philanthropie verbinden trotz sprachlicher Distanz Aspekte der Wertschöpfung durch bewertbare Hilfestellung bei der Bewältigung und/oder Förderung bestimmter gesellschaftlich relevanter   Anliegen. Der Begriff der Industrie wird in seiner Bedeutung abgeleitet von Fleiß und Betriebsamkeit (lat. industria). Industrien werden verkörpert durch flächendeckende Konglomerationen von Einrichtungen, in denen Produkte hergestellt werden, die wieder verkäuflich sind, weil eine entsprechende Nachfrage besteht. Nachfrage besteht aber auch hinsichtlich philanthropischer Produkte, die mit Fleiß und Betriebsamkeit hergestellt werden. Schon deshalb müssen wir Ähnlichkeiten gelten lassen und weitere Anhaltspunkte zur Rechtfertigung der Einschätzung aufzeigen, dass es in absehbarer Zeit eine philanthropische Industrie geben wird.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski