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Markt.

Ein großer freier Platz mit Ständen. Es werden verschiedene Waren angeboten. Menschen mit oder ohne konkrete Kaufabsicht schlendern über den Platz, prüfen das eine oder andere Ange­bot, werden sich mit dem Händler einig und verstauen die von ihnen erworbene Ware. Zu Hause wird sie ausgepackt, erfüllt entweder den ihr zugedachten Zweck oder landet in dem Bereich der Vorräte. Ein typisches, wenn auch schon leicht verstaubtes reales Marktgeschehen.

Alternative Marktgeschehen entwickeln sich im digitalen Bereich durch Werbung, Angebote und Lieferung nach Hause. Hier hat zwar nicht mehr der Besuch auf dem realen Marktplatz stattgefunden, aber merkwürdigerweise funktioniert auch dieser Markt nach dem gleichen Prinzip. Werbung und Angebote stimulieren die Nachfrage. Der Absatz beruht auf der Durchsetzungskraft des Marktschreiers oder der durchsetzungsstarken Werbung in Fernsehen oder Internet.

Es gibt aber auch mikro– oder makroökonomische Märkte, die nach ganz anderen Prinzipien funktionieren als Verführung und Verschwendung. Das sind Märkte, auf denen der Händler nur die Produkte bereithält, von denen er sicher sein kann, dass sie auch abgenommen werden. Dies korrespondiert mit der Bereitschaft der Kunden, auch die bereitgestellte Ware abzunehmen. Daraus könnte man auch ein dialogisches Prinzip ableiten mit der Folge, dass Händler und Konsumenten im gleichen Boot sitzen. Es ist naheliegend, dass der Händler damit weniger Ausschuss und auch verderbliche Ware hat und der Käufer nur das bezieht, was er auch tatsächlich benötigt.

Der auf einer realen Nachfrage-Angebot-Beziehung begründete Leistungsaustausch wäre nicht nur kostengünstiger, als herkömmliche Kundenbeziehungen, sondern würde auch Ressourcenverschwendung und Überfluss vermindern. Auch ein solches dialogisches Verhalten bliebe weiterhin kapitalistisch, weil die Ansprüche der Menschen stets wachsen. Ein dialogischer Imperativ würde allerdings die Verschwendung insbesondere im Nahrungsmittelbereich erheblich einschränken können und somit nicht nur einen Beitrag zu unserer Gesundheit leisten, sondern ein besseres Gefühl vermitteln, was unsere Verantwortung für uns, andere Menschen und die Umwelt anbetrifft.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski