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Inszenierung

Schafft das Leben sich selbst oder darf man es als eine Inszenierung verstehen, als Darbietungen, welche den Regeln oder auch den spontanen Einfällen von Dramaturgen und Regisseuren entsprechen? Aber wo sind die Regisseure, die das Leben, unser Leben und dasjenige der Anderen gelingend macht?

Wenn es diese geben sollte, so wirken sie unsichtbar und aus der Fernem, haben aber ihre Assistenten, die sich stets mit großem Einsatz darum bemühen, den einzelnen Darbietungen und der gesamten Inszenierung, in welche die Stücke eingebettet sind, einen Sinn zu verleihen.

Die Schar der Regieassistenten ist groß und umfasst Kirchenvertreter, Kriegstreiber, Wirtschaftsbosse und tätige Menschen gleichermaßen. Die Inszenierungen werden für das jeweilige Klientel ausgerichtet.

Um aber eine Kakophonie zu vermeiden, hat man verständlicherweise religiöse oder kriegerische Klärungsprozesse als geeignete Bausteine von Inszenierungen zugelassen. Die Genialität der Inszenierungen ist am Applaus zu messen, den sich alle Beteiligten schlussendlich bewilligen. Der Applaus gilt dem Durchhaltevermögen der Beteiligten. Welches Stück gerade gespielt wird, ist dabei uninteressant.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Die Sicht der Dinge

Alle Ereignisse dieser Welt ereilt das gleiche Schicksal. Sie werden beschrieben. Die Ereignisse erhalten ihre Körperlichkeit durch ausführliche Schilderung ihres Volumens, ihres Charakters, ihres Geschmacks, ihres Duftes oder Gestanks.

Die multimediale Reproduktion des Ereignisses geht folgendermaßen vonstatten. Jedes Ereignis hat in der Regel eine emotionale Seite, die verbunden mit den Adjektiven der Sympathie oder Antipathie einen Kokon um das Ereignis spinnt. Schließlich werden mit jedem Ereignis Menschen in Verbindung gebracht als handelnde Personen, die positiv oder negativ konnotiert sind. So wird das eher landläufige Ereignis medial veredelt, damit es sich für jede Bühne eignet. Von Sympathisanten und/oder Kritikern wird das Ereignis mit Fragen und Antworten gedehnt, beschossen, vielfältig dargestellt, abgebildet, abgelichtet und eingeordnet.

Dem Ereignis wird meist die Frage nach dem Grund und seinen Ursachen versagt. So ist es z. B. erklärbar, dass die Einen als Kriegstreiber bezeichnet werden, die Anderen als Friedensbewahrer. Einige halten einen Krieg nicht für opportun, die Anderen aus grundsätzlichen Erwägungen heraus nicht für gerechtfertigt. Es werden Befürworter aufgeboten und Gegner. Sie tauschen ihre geschliffenen oder plumpen Argumente aus, Gründe für und wider einen Krieg werden ausdrücklich genannt und dabei verschleiert, was es zu untersuchen gilt bzw. was nicht untersucht werden kann, weil die Fähigkeiten hierzu fehlen. Weshalb ereignet sich ein bestimmtes Ereignis? Worauf beruht es, dass der Mensch einen Krieg führen will und hierfür Vorwände schafft? Worauf beruht es, dass andere einen Krieg verhindern wollen? Um in der Tiefe eine Antwort zu erfahren, müssten die Menschen eine Reise ins „Ich“ unternehmen. Diese ist beschwerlich und problematisch. Wäre die Antwort denn so verheerend, dass Krieg zu uns gehört wie unsere täglichen Bedürfnisse nach Essen und Trinken? Wäre es nicht besser, tief in unserem Innersten zu wühlen, um das ganze Ausmaß unserer Verdrängungen festzustellen und daraus dann die richtigen Schlüsse zu ziehen?

Wir sind leider nicht suchend, sondern stets nur findend. Ein schnelles Ergebnis ziehen wir jederzeit einem komplexen Gedanken vor.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski