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Schnäppchen

Wenn jemand einen Fisch verführerisch blinken sieht, wird er davon überzeugt sein, dass sich ihm ein Schnäppchen bietet. Er beißt zu und ist damit meist am Haken. Die Analogie zum menschlichen Verhalten ist gewollt. Ein Schnäppchen lohnt für uns den Einsatz. Risiken werden ausgeblendet. Risiken?

Schnäppchen werden landläufig eher mit Vorteilen gespiegelt. Schnäppchen bieten sich uns an, weil sie vermitteln, dass wir anbeißend besonders clever sind und der Ignorant besonders dusselig. Bei Schnäppchen geht es stets um uns zugemessene Vorteile. Es geht nicht darum, ob diese objektiv vorhanden sind, sondern um unsere Überzeugung. Um einem Schnäppchen öffentlich Wirkung zu verleihen, benötigt es die Anerkennung anderer Menschen. Sollten wir allerdings unsere Schnäppchenerfahrung mit anderen Menschen teilen, laufen wir Gefahr, dass Neid aufkommt oder wir dahingehend belehrt werden, dass wir leider einem Eigenschaftsirrtum aufgesessen seien, unser Schnäppchen nur ein vermeintliches sei.

Wird uns die Anerkennung des Schnäppchens schließlich gänzlich versagt, weil wir die erwartete Würdigung unserer Cleverness nicht erfahren, macht sich bei uns Unsicherheit und Misstrauen breit. Was wissen, was denken die Anderen? Wegen fehlender Anerkennung oder Gleichgültigkeit vergeht uns jeder Spaß. Unser Triumph wird durch Ernüchterung, Enttäuschung und Infragestellung erledigt. Der gerade noch vorhandene Schnäppchenjägerstolz erlischt.

Wem ist noch zu trauen? Es folgen Rückzug und Einsamkeit, Entwurzelung oder Schlimmeres. Genug, genug, gehen wir lieber weiter auf Schnäppchenjagd! Ja, wir optimieren unseren Einsatz, kaschieren, panaschieren, nutzen alle denkbaren legalen und halblegalen, vielleicht auch noch illegalen Möglichkeiten, unser Schnäppchen zu machen! Ist das nicht die sublimste Form der Nachhaltigkeit? Was schert denn den Pawlow´schen Hund bei so viel Selbstgewissheit noch die Anerkenntnis anderer, wenn er in der Lage ist, sich selbst zu belohnen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Immobilien/Wohnen

Wohnen als ein Menschenrecht. Das erscheint heute schon als eine Selbstverständlichkeit. Schon seit längerem wird Fortschritt auch daran gemessen, dass wir das Richtige tun und damit Geld verdienen. Das gilt gleichermaßen für das Bauen und Vermieten. Daran hat sich nichts geändert. Aber, vielleicht hat sich geändert, dass neben Bauherrn und Vermieter der Mieter in den Fokus der Betrachtungen gerät als ein weiterer Stakeholder, der seine Stimme erhebt. Wie passen profitables und wirtschaftlich vernünftiges Bauen sowie Vermieterinteressen und Mieterinteressen an einer bedarfsgerechten Wohnung zusammen?

Um all dies auf einen Nenner zu bringen, ist es erforderlich und möglich, ESG und SDG zu beherzigen, Nachhaltigkeit hochzuhalten und so zu profitieren. Hilfereich ist dabei, den Raum für den Einsatz dieser Möglichkeiten neu zu denken, die Chancen zu nutzen und deren Potentiale voll auszuschöpfen. Ein Beispiel, das sicher uns allen geläufig ist: Eigentum symbolisiert eigentlich nur totes Kapital. Man muss also Verfügungsmacht besitzen, um mit Eigentum Geld zu verdienen.

Entschließen wir uns dazu, diese Verfügungsmacht zu teilen und davon zu profitieren, dass auch andere profitieren, so erweitern wir unsere Möglichkeiten des gewinnbringenden Einsatzes. Schon in der Vergangenheit hatten wir gängige Modelle der Zweckverwirklichung im Immobilienbereich, zum Beispiel Genossenschaften. Heute treten hinzu Stiftungen, Gesellschaften mit gebundenem Vermögen, auch Verantwortungseigentum genannt, oder auch hybride Konstruktionen, die Teil des Verwirklichungsprozesses selbst sind und zu multilateralem Profit beitragen.

Ich denke dabei zum Beispiel an Konstruktionen in der Verbindung mit Erbbaurechten, aber auch und das vor allem, an neue ganzheitliche Überlegungen, die etwas schlagwortartig mit „Quartierbuilding“ benannt werden können. Wie ist das zu verstehen, worin liegen deren Vorteile?

Zunächst in einem neuen, die Lebenssituation des Mieters erfassenden Vertrag zwischen diesem und dem Vermieter. Es soll bedarfsgerechter Wohnraum geschaffen werden, aber auch eine Verbindung von Bauen und Dienstleistungen und schließlich das Bauen an sich unter Berücksichtigung recycelbarer Materialien, von Verkehrswegen, Infrastruktur insgesamt, Flexibilität, Kostenoptimierung bei angestrebter Effizienz und sachgerechte Verteilung der Lasten. Es gibt hier kein umfassendes, allein seligmachendes Konzept, denn es gibt viele spezifische Standortbedingungen, die bei der Problemlösung berücksichtigt werden müssen. Aber, und dies ist ein entscheidender Treiber für solche Vorhaben: Das Quartier stellt eine bleibende Verantwortungsgemeinschaft dar, die Veränderungen, wechselnde Anforderungen und die Fluktuation von Mietern als zeitgemäß begreift und sich bereits bei der Entstehung darauf einrichtet. Stifterhäuser á la Fugger haben früher einmal ihren Sinn erfüllt, sind aber heute nicht mehr zeitgemäß.

Über alle möglichen Varianten dazu, Beispiele des Gelingens und neue Herausforderungen werden und müssen wir sprechen. Es geht mir aber um die Hinleitung zu einem der dringendsten Probleme unserer Zeit angesichts der Krisen, die uns u. a. Verkehr, Ressourcenverknappung und Energieprobleme bescheren. Sie fordern uns dazu auf weiterzugehen und Chancen gerade in einer angestrengten, aber auch durch Herausforderungen veränderbaren Welt zu sehen.

Unterschätzen wir dabei weder die Möglichkeiten, noch die Schwierigkeiten. Gehen wir diesen Weg und gerade viele junge Menschen tun dies, indem sie tätigem Handeln den Vorzug vor Venture Capital und Exitstrukturen geben. Sie fordern zu recht den Staat heraus, der sich – teilweise sicher aus gutem Grund – auch für zuständig hält, aber aufgrund von Bürokratien, Steuerregimen, stadtplanerischen Einschränkungen und Vergabeproblemen Schwierigkeiten damit hat, die notwendige grundsätzliche Orientierung des Menschen für seine und vor allem auch die Zukunft seiner Kinder in einem Plan orientierungsfest zu gestalten.

Deshalb müssen wir unsere Kinder schon früh als Träger von Rechten mit einbinden, aber auch die Eltern, denn Elternbildung schafft Kinderbildung. Der Bildungsauftrag, der in den zu schaffenden Quartieren verwirklicht werden soll, ist essentiell für die gedeihliche Zukunft dieser sowohl Pflicht- als auch Verantwortungsgemeinschaft. Zu den Infrastrukturmöglichkeiten eines Quartiers gehören neben Bildung auch die historisch bewährten Aufgaben, das Arbeiten, das Denken und das Handeln, also auch den Beruf sowie Sport und Freizeit mit dem Wohnen zu koordinieren.

Allerdings muss bei aller Euphorie für eine umfassende Wohn-, Lebens- und Arbeitssituation auch darauf geachtet werden, dass die Offenheit, d. h. der Zuzug anderer Menschen und Veränderungen im Wohnverhalten gewährleistet bleiben, ja, sogar gefördert werden. Die Kommunikation der Quartiere untereinander und ihre Fähigkeiten, sich nicht nur konzeptionell, sondern auch mit Wohnungstausch etc. neue Möglichkeiten zu schaffen, ist dabei ein Gradmesser für das Funktionieren eines solchen Konzeptes. Je mehr „Working Places“, Ateliers und sonstige das Leben beeinflussende Lösungsangebote auch im Bereich Kultur, Pflege und Bildung derartige Quartiere aufweisen, umso einfacher wird sein, die Gemeinschaft lebendig zu gestalten, zu bewahren und so auf Dauer friedlich miteinander umzugehen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Das kulturelle Selbstverständnis (Teil 1)

Kunst und Kultur müssen nicht erfunden werden. Sie benötigen weder Eltern noch Paten. Kultur ist. Wir vermögen uns gegen sie nicht zu wehren. Dieses Selbstverständnis entlarvt alle diejenigen, die meinen, dass Kunst und Kultur ohne ihren Einsatz als Bürger nicht auskämen. Sie schaffen sich, obwohl sie weder Kulturschaffende, noch in ihrer Funktion primär Kulturkonsumenten sind, einen Platz im Kulturapparat.

Kunst und Kultur werden von vielen aktiv gestaltet. Zu denjenigen, die das tun, gehören diese Heuchler nicht. Kunst und Kultur werden wahrgenommen, gesehen, geschmeckt, gefühlt, ertastet, erlitten und verachtet. Aber die Muezzins der Kultur treten auf in Symposien, Talkshows, Veranstaltungen aller Art und diskutieren über den Kulturbegriff, über die Nachhaltigkeit der Kultur, über die Angst vor dem Kulturverfall, über Soziokultur, über Edelkunst. Sie wägen ab zwischen allen Gefahren, die durch die Kommerzialisierung der Kunst und Kultur oder durch deren Verstaatlichung entstehen könnten, kurzum: Sie fordern die Nachhaltigkeit der Kultur. Es gehört zu unserer zivilisierten Welt, dass Menschen ihre Zeit damit verbringen, Geld zu verdienen, andere zu unterhalten und alles zu thematisieren, um daraus mediale Wirksamkeit zu erzielen. Davon leben sämtliche Medien und das ist auch verständlich.

Insofern haben die Kulturmuezzins ihren festen Arbeitsplatz. Widerspruch sollte sich allerdings dort regen, wo sie ihre Stimme erheben und verkünden, sie seien die wirklichen Bewahrer von Kunst und Kultur und insbesondere deren Förderer. Kunst und Kultur erfahren, wie Religion im engeren Sinn, die Einschränkung am ehesten durch angeblich Wohlmeinende, das heißt diejenigen, die glauben, dass ohne ihre Hilfestellung nichts mehr läuft. Dies ist, bei Licht betrachtet, Kunst- und Kulturfundamentalismus und führt Künstler in die Abhängigkeit. Nichts ist ungebändigter, freier, zügelloser und explosiver als Kunst und Kultur. Wir gestalten sie stets neu, verändern sie, indem wir sind. Sie sind fragil, wirr und gleichsam behäbig. Auch in der Kultur wird Kunst geschaffen. Kunst und Kultur sind also keinesfalls Synonyme, sondern bedingen sich allenfalls idealiter. Kunst benötigt keine Norm bis auf die Freiheit, alles zu tun, was andere nicht beschädigt. Es ist gleichermaßen absurd, Kunst und Kultur zu fördern, da man so „den Schlitten vor die Ochsen spannt“. Es mag so manchem gefallen, die freie Fahrt zu zügeln, aber dies ist der Kunst nicht immanent.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Nachhaltige Entwicklung

Der inzwischen eingeleitete Klimawandel hat eine Diskussion darüber eröffnet, wie Unternehmen und Konsumenten ihren Beitrag dazu liefern können, den CO2-Ausstoß zu verringern und dabei einen persönlichen wie auch wirtschaftlichen Beitrag dafür leisten können, die klimatischen Veränderungen zu verlangsamen. Ganz zu stoppen sind sie nicht. Der Appell an Wirtschaftsunternehmen und an Konsumenten gleichermaßen ist moralisch geprägt und zielt darauf ab, dass die Unternehmen unter dem Aspekt von „Corporate Social Responsibility“ und die Einzelnen unter dem Gesichtspunkt der Verantwortung für unsere Welt und deren Zukunft, aber auch unter der Berücksichtigung der bisherigen Verschwendung eigene Opfer erbringen. Dabei kommt der Aspekt der Nachhaltigkeit ins Spiel.

Nachhaltig soll der Verzehr von Lebensmitteln sein. Nachhaltig soll der Umgang mit Energie wirken. Mit anderen Worten: der Mensch soll sparen. Andererseits sollen die Unternehmen bei der Schaffung ihres Produktes auch den Aspekt der Nachhaltigkeit berücksichtigen. Dies sowohl, was die Ressourcen anbetrifft, als auch die Art der Verarbeitung und der Rückgewinnung von Rohstoffen aus verbrauchten Produkten. Es ist gut, dass zu dieser Thematik viel geredet wird. Es gibt auch etliche Kämpfer für die gute Sache sowohl in den Unternehmen als auch in einzelnen Persönlichkeiten, die durch ihre Verhaltensweisen zeigen, dass zumindest etwas für die Verlangsamung des Klimawandels getan werden kann. Skepsis ist aber berechtigt. Denn selbst wenn viele Menschen in westlichen Industriestaaten aufgrund ihrer Einsichtsfähigkeit ihre verschwenderischen Verhaltensweisen reduzieren würden und auch Unternehmen wider bessere ökonomische Einsichten Wachstumskriterien missachteten, bedeutete dies nicht, dass die Klimaentwicklung verändert würde. Andere Menschen aus Ländern wie China oder Indien haben einen enormen Nachholbedarf. Weder ihre Unternehmen noch sie selbst lassen sich aus Gründen der ethischen Verantwortung auf eine Verhaltensänderung ein, sondern es müsste eine ökonomische Überzeugungsarbeit geleistet werden, um Konsumenten und Unternehmen zufriedenzustellen.

Die herzustellende und die durch Unternehmen zu vertreibende Ware hat mehrere immanente Funktionen. Zum einen bedient sie das Belohnungssystem. Der Konsument fühlt sich zumindest vorübergehend wohl, wenn er ein neues Produkt erworben hat, z. B. ein iPad oder ein Auto. Würde das Produkt an ihn künftig nicht mehr ausgeliefert werden, so entstünde ein Defizit, das es auszugleichen gälte. Dieser Ausgleich könnte dadurch geschaffen werden, dass es gelingt, dem Kunden einzureden, er brauche das Produkt überhaupt nicht. Denn er glaube nur, das wertvolle Auto zu benötigen. Tatsächlich könnte er auch aus allen Funktionsgründen mit einem Kleinstwagen zufrieden sein. Eine derartige Veränderung in der Relation Angebot und Nachfrage wäre zwar aus ethischen Gründen akzeptabel, aber vermutlich wirtschaftlich bedenklich.

Alternativ käme in Betracht, einen gesamtwirtschaftlichen Paradigmenwechsel vorzunehmen und andere Bereiche der Daseinsfürsorge derart anzureichern, dass Produkte z. B. aus dem philanthropischen Bereich Produkte aus dem rein wirtschaftlichen Bereich zu ersetzen vermögen. Das ist nicht ausgeschlossen, denn letztlich gilt wirtschaftlich auch das als attraktiv, was die Menschen als für sich notwendig betrachten. Diese Betrachtung folgt stets einem Affektationsinteresse, einem funktionalen Interesse und einem Interesse, das dadurch bestimmt ist, einen Vorsprung erlangt zu haben, sich von anderen Menschen absetzen zu können. Der Mensch ist aufgrund seiner Entwicklung eigennützig, allenfalls auf sein unmittelbares Umfeld und seine Familie bedacht, aber vermag bei entsprechenden Weichenstellungen auch den Fremdnutzen zu stärken, um den Eigennutzen noch besser befriedigen zu können. Die Gestaltung der Attraktivität des Fremdnutzens dürfte daher in der Betrachtung einer nachhaltigen Veränderung unseres Konsumverhaltens eine wichtige, ja entscheidende Rolle spielen. Hierbei ist die Kreativität von Wirtschaftsunternehmen gefordert. Philanthropie und traditionelle Wirtschaft müssen sich gegenseitig beleben und voneinander profitieren. Wirtschaftsunternehmen müssen Produkte entwickeln, die nicht nur unter CSR-Gesichtspunkten, sondern auch aus Gründen wirtschaftlicher Vernunft einen ideellen Profit zulassen. Um eine derartige Entwicklung einzuleiten, wird es erforderlich sein, dass wir uns alle von tradierten Denkmustern befreien. Denkmustern zum Beispiel, die maßgeblich von der Wertschätzung des Eigentums geprägt sind. Artikel 14 des Grundgesetzes hat hier explizit diese Haltung gestärkt, wenn auch mitberücksichtigt, dass Eigentum verpflichtend gegenüber dem Gemeinwohl wirken muss. In der Regel erwirbt der Konsument zu Eigentum. Zu überlegen wäre allerdings, ob Verbraucher künftig nicht eher Besitzer eines Gegenstandes werden und der Gegenwert der überlassenen Ware sich ausschließlich im Nutzungsentgelt niederschlagen sollten. Dies wäre eine Art Mietkauf, den wir als juristisches Instrument auch heute schon kennen. Zu bedenken wäre ferner, ob nicht zusätzlich eine Kopplung herbeigeführt werden könnte, dass der Neuerwerb eines Produktes an die Rückgabe des inzwischen verbrauchten Produktes gebunden würde.

Dies klappte natürlich nicht durchgängig, würde aber verhindern, dass der Warenverkehr stagniert und Menschen mit Gütern belastet sind, die hohe Ineffizienz aufweisen, andererseits aber wieder benötigt werden, um Rohstoffe zu gewinnen oder weiteres Geschäft zu generieren. Firmen wie z. B. reBuy sind gute Beispiele für mehrfache Ressourcenverwertung unter Abkehr von der Einstellung, dass nur endgültige Eigentumssicherung Wohlstand und Zufriedenheit verspricht. Nachhaltige Entwicklungen können wir durch Verhaltensüberprüfungen und maßvolle Schritte in die richtige Richtung einleiten. Als Beschwörungsformel hat sich der Begriff „Nachhaltigkeit“ bereits abgenutzt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski