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Regen

Regentropfen, die an mein Fenster klopfen. Regen wirkt auf unser Gemüt, wie der Tod. Es gibt kein Entrinnen. Kein Schirm hilft wirklich. Der Wind treibt die Regentropfen vor sich her und sorgt für eine gleichmäßige Durchnässung. Selbst, wenn es dazu nicht kommt, weil die Regenbekleidung ihn abhält, gibt es kein Entrinnen. Wir können den Regen nicht abstellen, auch wenn wir das Wetter Dank der detaillierten Wetterberichte oft als sehr persönlich begreifen.

Mancher Moderator erklärt den Regen so, als habe er ihn persönlich erbeten oder verhindert. Ist der Regen eine Zumutung für den modernen Menschen? Wir sehen zwar ein, dass Regen für das Wachsen und Gedeihen der Natur erforderlich ist, meinen aber, dass dessen Zuständigkeit an unserem Anspruch auf einen schönen Sommer endet. Rudi Carrell hat dies bereits besungen und dabei einen charmant vorwurfsvollen Ton gegenüber der Natur angeschlagen.

Doch bleibt der Regen aus, stirbt das Leben. Regnet es zu viel, dann droht Überschwemmung. Bereits mit unseren Erwartungen fordern wir unseren Planeten heraus und scheinen die Geschichte vom Zauberlehrling vergessen zu wollen. Wir sollten einer Natur dankbar sein, die sie sich selbst regelt und unser Eingreifen manchmal verzeiht. Wir sollten allerdings den Langmut der Natur nicht überstrapazieren, sonst schlägt das Imperium zurück. Ob das Wetter dann noch versöhnungsbereit ist? Ich bezweifle das.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Aggregatzustand

Alles ist flüchtig. Diese Behauptung provoziert Widerstand. Wer kennt sich denn mit der Flüchtigkeit der Steine aus? Aber doch, sie könnten zu Sand zerrieben werden. Ganze Kontinente sind auf der Flucht. Nichts bleibt, wie es ist, aber es lässt sich aufhalten, nicht endgültig.

Der Wasserdampf steigt auf und fällt als Regen zurück auf die Erde. CO2 verflüchtigt sich, aber trägt gleichwohl zur Verwundbarkeit unseres Planeten bei. Unser Leben ist flüchtig. Auch wir lösen uns auf und doch bleibt etwas von uns auf ewig. Das heißt, wir lösen uns nicht ganz auf. Auch wenn der Körper zerfällt, bringen wir uns ein in die Natur.

Unsere Gedanken und Gefühle haben einen bleibenden Beitrag in unserer Gesellschaft geleistet. Unsere flüchtige Existenz kann heilvoll aber auch unheilvoll sein, aber bleibend in dem von uns erwarteten Sinn ist nichts. Für den Moment können wir die Welt in Angst und Schrecken versetzen, für den Moment sie beglücken mit einer Erfindung oder unerwarteten Zuwendung. Auf Dauer können wir nicht planen.

Achtung, Achtung! Das ist ein Experiment mit meinen Gedanken, die kommen und gehen. Es bleiben weder Erinnerung noch Bedeutung. Sie schaffen auch keine Veränderung. Aber irgendwie tragen meine Gedanken trotz aller Flüchtigkeit zu etwas bei. Sie regen für einen Moment meine Leser an, fordern Widerspruch heraus oder erlauben kurzfristige Übereinstimmung. Vielleicht.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski