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Prognose

Prognosen sind Spiele mit der Zukunftserwartung. Wer aber ist der Spielführer und mit welchen Instrumenten werden Prognosen erzeugt. Zunächst aber geht es um die Prüfung der Grundlagen, d. h. welche Voraussetzungen sind für die Prognose gegeben?

Diese Voraussetzungen werden von Fakten bestimmt, wobei heute sehr flüssig zu sein scheint, um was es sich bei Fakten tatsächlich handelt. Zu den in ihrer Substanz wenig gesicherten Fakten gehören auch das Profil der an Prognosen beteiligten passiven und aktiven Menschen und schließlich wird das ganze Setting abgerundet durch eine erfahrungsbasierte Hoffnung.

Weshalb sind Prognosen aber trotz des libertären Spiels mit den Möglichkeiten dennoch sinnvoll? Prognosen erlauben die Erweiterung des Raumes für Spekulationen und schaffen dadurch neuen Möglichkeiten der Gestaltung. Prognosen sind aber auch Gestaltungsmomente an sich. Sie ermöglichen, Istzustände zu rechtfertigen, aber auch neue Sachverhalte zu kreieren.

Prognosen können camouflieren und Gewissheiten erschüttern. Prognosen sind Instrumente in der Hand derjenigen, die kognitiv und emotional sich berufen sehen, an der Gestaltung unseres Lebens im politischen, immer wirtschaftlichen und kulturellen Raum mitzuwirken. Sie sind einerseits unverzichtbar, andererseits aber aufdringlich und gefährlich.

Keine Prognose kann für ihr Resultat zur Rechenschaft gezogen werden. Die Verantwortung des Initiators bleibt vage.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Jahreswechsel

Willkommen im Neuen Jahr! Der Wechsel ist geglückt. Der Wechsel? Wohin sind wir ge­wechselt? Hat eine Häutung, eine Erneuerung stattgefunden? Nüchtern betrachtet, ist nichts Neues passiert, hat nichts angefangen, sondern aufgrund einer verabredeten, wissenschaftlich begründeten Zeiteinteilung bekommen wir neue Jahreszahlen, die auch so oder so hätten lau­ten kön­nen, sich von der Vergangenheit nicht entfernen, sondern nahtlos an sie anschließen.

Und doch findet so etwas Ähnliches wie ein Wechsel statt, persönlich, privat, gesellschaftlich, me­dial und wenn auch nicht am 31.12. eines Jahres festgemacht, sogar in der Natur. Das alte Jahr ist uns zwar etwas lästig geworden, dennoch begegnen wir dem neuen Jahr auch in ban­gender Erwartung, würden uns in letzter Minute gerne noch etwas festhalten am vertrauten Jahr, um uns dann ins neue Jahr mit viel Getöse, Feuerwerk und Übermut zu stürzen, in der Absicht, das Bangen zu vertreiben. Das neue Jahr ist für uns nicht kalkulierbar.

Stellen wir Prognosen an, so beru­hen sie nur auf bereits gemachten Erfahrungen. Vulkanausbrüche, Tsunamis, Erdbe­ben und Meteoriteneinschläge sind nicht zu kalkulieren, aber, wenn sie einträten, veränderten sie alles. Wenn wir nicht wissen, was auf uns zukommt, sollten wir uns rüsten für das Uner­war­tete im neuen Jahr, uns üben in Flexibilität, Unerschütterlichkeit, Mut, Nachdenklichkeit, Empfindsamkeit, Lernfähigkeit, Verantwortlichkeit und Aufgeschlossenheit. Wenn wir dies als Wechsel annehmen und zum Einlösen bereit sind, dann wird es sicher ein gutes Jahr.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski