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Bananenrepublik

Es wäre ein grotesker Fehler, Trump mit Putin, Erdogan oder irgendeinem Fürsten einer Bananenrepublik zu vergleichen. Die Genannten sind bis auf Trump Machtpolitiker, die ausschließlich ihre Vorteile im Visier haben. Das ist ein bekanntes Phänomen und begleitet uns durch die ganze Menschheitsgeschichte. Trump kommt es nicht auf die Macht, sondern auf die Wirkung an. Sein Ego lässt es nur zu, dass er bewundert und anerkannt wird und niemand den Finger hebt und sagt: You are fired.

Anders bei den Traditionalisten unter den Populisten. Sie nutzen gesellschaftliche Trends, um ihre Machtansprüche zu befriedigen und zu ihrer politischen Bedeutung und ihrem wirtschaftlichen Wohlstand beizutragen. Indem man den Gegner definiert, ihn als Feind oder Hassfigur stilisiert, funktioniert diese Vorgehensweise bisher recht gut. Doch Trump zeigt, dass dies veraltet und nicht mehr zeitgemäß ist. Er und seinesgleichen erwarten mehr: emotionales Engagement statt politisches Kalkül, Entertainment statt nationalistisch ernst gemeinte Parolen.

Die Traditionalisten unter den Populisten sind immer noch versucht, die Welt glauben zu machen, sie gehörten der gleichen politischen Kaste an. Ihre Lügen sind nicht subversiv, sondern konstruktiv, um politischen Konsens dort vorzuspielen, wo er schon längst nicht mehr vorhanden ist. Die politischen Überlebenschancen solcher Populisten sind außerordentlich gering. Zwar leugnen sie das Faktische auch, aber sie leugnen ferner, überhaupt irgendetwas gesellschaftsfeindliches im Schilde zu führen. Sie gebärden sich als harmlos.

Trump tut das nicht. Er bestätigt jede Gemeinheit gegenüber Andersdenkenden, Frauen, Ausländern, allen Menschen, die nicht bereit sind, mit ihm zu kooperieren. Eigentlich müssten sich Putin und Erdogan gegen einen solchen opportunistischen Usurpator verschwören, wenn sie nicht klanglos untergehen wollen. Wahrscheinlich haben sie Angst vor der ungreifbaren Komik.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

11/9

Nach der Wahl Trumps zum Präsidenten bekam ich von meinem Sohn, der in Nordamerika studiert, folgende Nachricht: „Jetzt hat der Putin wieder einen amerikanischen Freund, ist er nicht mehr so alleine.“ Weiter: „Also, mal sehen, jetzt wird alles great again. Ich hoffe, du fühlst dich great, Avocados wurden aber schon einmal günstiger.“ Ich darauf: „Was ist mit Suppengemüse?“ Er darauf: „Neues Suppengemüse ist teuer, nur Avocados wurden günstiger, in vier Jahren kann man jemanden für Suppengemüse wählen.“ Ich darauf: „This is really great.“

Spaß, so er einer ist, beiseite. Am Morgen, nachdem der Wahlsieg Trumps feststand, fuhr ich mit der U-Bahn und ging durch die Straßen Berlins und hatte die gleiche Wahrnehmung wie bei 9/11. Es war ruhiger als sonst. Die Stadt schien gleichsam in Watte verpackt. Die Menschen wortkarg und ernst, in sich gekehrt mit Gefühlen und Gedanken beschäftigt. Was war dieses Mal passiert? Keine Flugzeuge sind in das World Trade Center gestürzt und haben so nicht nur New York, sondern die ganze Welt in Angst und Schrecken versetzt und doch ist 11/9 etwas geschehen, was in seiner Konsequenz Angst und Schrecken für unsere Welt bedeuten wird.

Kein wahnsinniger, kein verrückter und religiöser Fanatiker ist Präsident geworden, sondern eine Kunstfigur, die zwischen Realität und Virtualität unter opportunistischen Gesichtspunkten hin- und hertrudelt. Ob er vom politischen Establishment weltweit erst genommen wird, ist dieser Kunstfigur völlig gleichgültig. Es passiert, was in einer virtuellen Realityshow stets passiert: Man spielt anderen etwas vor. Den Spielverlauf bestimmt aber nicht die Kunstfigur Trump, sondern das zappende Publikum, welches unterhalten oder abgelenkt werden möchte vom tristen unerfreulichen und wirtschaftlich oft sehr eingeschränktem Leben.

Eine Wirtschaft, die im Wesentlichen auf Konsum beruht, hat dabei sehr wenig Spielräume und muss den Verbraucher bei Laune halten. Also wird sich Trump immer wieder etwas Neues einfallen lassen, damit die Menschen sein Programm gut finden. Es spielt dabei keine Rolle, ob Senat, Repräsentantenhaus oder die Gerichte irgendwelche Einfälle wieder einkassieren. Das sind die Zuschauer gewohnt. Sie warten dann einfach auf den nächsten Coup und der kommt bestimmt.

Es kann sein, dass die amerikanischen Zuschauer sich auch langweilen oder sich an irgendwelche Versprechungen erinnern, die er im Wahlkampf gemacht hat, aber nicht umsetzt. Vielleicht murren sie auch und werden ansatzweise unzufrieden. Kein Problem für diesen Präsidenten. Er weiß ja bestens, wie er diesen Unmut umlenken kann. Er will ja alles, was er versprochen hat oder verspricht umsetzen, wenn da nicht die Europäer, die Chinesen, die Eskimos, die Sudanesen oder die Umweltschützer wären.

Das Sündenbockprojekt funktioniert immer. Werden wir alle die kommenden vier Jahre überstehen? Ich hoffe. Ich hoffe sehr, dass die Menschen in den USA nicht zu den Waffen greifen und einen Bürgerkrieg anzetteln. Ich hoffe auf die Vernunft der übrigen Welt und ihre Politiker. Ich hoffe, nicht auf die Moral dieser Kunstfigur, sondern darauf, dass beherzte Menschen ihn davon abhalten können, den roten Knopf zu drücken, indem sie sein Programm beizeiten abschalten. Eine solche Taste befindet sich auf jedem Fernsehmonitor.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Unternehmensführung

Neulich las ich in der „ZEIT“ in einem Interview des russischen Schriftstellers Dmitry Glukhovsky den bemerkenswerten Satz, dass Putin Russland wie seine Firma leite. Das glaube ich nicht. Russland ist kein KMU und Putin allenfalls ein Patriarch der alten Schule.

Heute funktioniert Unternehmensführung eher so, dass Unternehmensziele definiert werden und einer Prüfung durch den Aufsichtsrat unterzogen werden müssen. Die hierarchischen Strukturen  sind in der Regel eher flach und es wird das Leistungsvermögen sämtlicher Mitarbeiter in das unternehmerische Kalkül mit einbezogen.

Wir wissen natürlich sehr wenig von Russland und dessen unternehmerischen Verwaltungsstrukturen, müssen aber befürchten, dass wie auch bei anderen Unternehmen weltweit die die Rendite erzeugenden Prozesse undurchsichtig sind. Dies ist im Übrigen in vielen Unternehmen festzustellen und beruht auf Folgendem: Auch wenn viele Unternehmen Tochterfirmen haben und die unterschiedlichsten Produkte entwickeln, ist es innerhalb des jeweiligen Unternehmens so, dass das einzigartige Projekt im Vordergrund steht und sich die gesamte Anstrengung darauf richtet, dieses zu entwickeln, herzustellen und zu vertreiben.

Da dies als ein einziger Prozess angesehen wird, versäumen die Verantwortlichen meist, die verantwortlichen Abteilungen so voneinander abzugrenzen, dass sie die Kosten preiswahr und klar an die nächste Stufe weitergeben und transparent machen, was das Produkt, dessen Nutzen noch nicht einmal gesichert feststeht, das Unternehmen kostet. Würde Kostentransparenz und planvolles Vorgehen die Unternehmensagenda bestimmen, so würde manches ehrgeizige Projekt auch in staatsunternehmerischer Sicht vielleicht frühzeitiger beendet. Wenn es brenzlig wird, ist schon mancher Vorstand mit der Firmenkasse durchgebrannt oder hat sich fürstlich abfinden lassen. VW ist reich. Da mag das noch gehen. Das Unternehmen wird den Skandal überleben. Russland auch.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Kurze Männer

Neulich wohnte ich einer wirklich denkwürdigen Laudatio bei. Bei einer Präsentation der Werke des Malers Scharein huldigte Gregor Gysi dessen Wirken und schloss seine Betrachtungen mit dem Hinweis, dass sie beide etwa die gleiche Größe hätten, das Kleinsein sozusagen als Bestätigung ihrer Freundschaft. Der Maler Scharein von Gregor Gysi auch vertraulich Schari genannt, sekundierte dessen Ausführungen anschließend mit dem Hinweis, dass Gregor Gysi doch von beiden der Kürzere sei.

Ob es stimmt oder nicht, dürfte nebensächlich sein, denn sie begegnen sich wirkungsmäßig offensichtlich auf Augenhöhe. Es wäre ihnen sogar mit Napoleon gelungen, aber auch mit den lebenden bekannten Persönlichkeiten, Schröder, Berlusconi und Putin. Auch wenn diese ihren Behauptungswillen im Leben und ihre Durchsetzungskraft in der Politik aus ihrem knabenhaften Wuchs als Zeichen ihrer Überlegenheit schöpfen, so tendieren sie dennoch zu einer ergänzenden Erhöhung durch Plateauschuhe, Schemel und Kameraeinstellungen, die sie stets überlegener zeigen sollen, als sie eigentlich optisch sind.

Auch wenn ich das unangenehme Gefühl mit ihnen teile, selbst zu einem großen Menschen aufschauen zu müssen, so überrascht zuweilen, dass kleingewachsene Menschen dazu neigen, ihre angeblichen körperlichen Defizite durch virtuose Ergänzungs- und Ausgleichshandlungen und Erklärungen zu kaschieren. Ein kleiner Ex-Bundeskanzler spielte Fußball, ein noch russischer Präsident Eishockey und ein ehemaliger italienischer Politiker mit großen Frauen. Sie sind eigentlich ganz normale Männer, sie glauben es aber nicht.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski