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Elite

Landauf, landab werden Diskussionen über Werteverfall, Regulierungsmaßnahmen und Verantwortung der Eliten geführt. Beklagt wird das Verhalten der Funktions- und Positionseliten, die fehlende Sichtbarkeit der Gestaltungseliten angesichts der dringenden Aufgaben.

 Die Welt können wir nicht ändern und auch den Menschen nicht. Wir können aber seine Potenziale erschließen und damit die Gestaltungshoheit für die wirklichen gesellschaftlichen Eliten zurückgewinnen. Der Mensch ist, wie er ist. Er ist eigensüchtig, weil er es sein muss für seine Familie, seinen Clan und für sich. Er muss leben für seine Familie und für sich. Deshalb wird er auch seinen Macht- und Einflussbereich erweitern. Das sind normale Vorgänge. Diesem Muster widerspricht nur die Erkenntnis, dass der ausgeprägte Fremdnutzen auch den Eigennutzen befördert. Ohne eine Vielzahl von Autofahrern und die dafür erforderlichen Straßen würde dem Einzelnen sein Kraftfahrzeug überhaupt nichts nützen. Gleiches gilt für den gesamten gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Bereich. Jeder Eigennutz, der den Fremdnutzen nicht im Auge hat, gefährdet den Erhalt des durch Eigennutz Erreichten. Von daher ist auch der dem Eigennutz dienende Mensch dem Fremdnutzen verpflichtet.

Fremdnutzen ist das, was die Gesellschaft benötigt. Dies ist keine Frage des Altruismus oder idealisiert die menschliche Gemeinschaft, sondern nimmt auf vernünftige Weise die komplexen Anforderungen an unsere Gesellschaft zur Kenntnis. Unsere Gesellschaft muss funktionieren, damit alle ihren Nutzen davon haben. Um diesen Nutzen zu gewährleisten, ist es erforderlich, die Zugangssperre zu den gesellschaftlichen Eliten zu lockern und die nur auf Machterhalt und Eigensicherung bedachten Positions- und Funktionseliten zu irritieren. Zur Stabilisierung unseres Gemeinwesens bleiben Eliten nach wie vor unverzichtbar. Sie benötigen allerdings Funktionszuweisungen und Verantwortlichkeitsparameter, die sie zwingen, den an sie gestellten Aufgaben jenseits ihrer Persönlichkeit gerecht zu werden. Sie sind den Bürgern gegenüber verantwortlich.

Die Beteiligung des Bürgers an der Elitenfindung ist von großer Wichtigkeit. Die Elite organisiert sich nicht durch Wahlen und Renditeerwartungen gegenüber Wirtschaftsunternehmen, sondern wird durch Gemeinsinn, allgemeine Anschauung, Tradition und neue Erkenntnisse aktiv und argumentativ befördert. Was zählt, ist das Argument, nicht die Position, die Funktion oder das Herkommen.

Die Welt ist komplex. Wir können sie nicht vereinfachen, aber bei Beachtung kybernetischer Ansätze bei der Bewältigung unserer Aufgaben besser überschauen, als uns dies heute aufgrund unserer Selbstbeschränkungen oft gelingt. Wir benötigen nicht nur den ausgebildeten, sondern den gebildeten Menschen aus der Mitte unserer Bürgergesellschaft, der argumentativ, aber auch situativ und reflexiv Platz nehmen kann an den Gestaltungsorten unserer Gesellschaft, sei es in der Politik, in den Medien oder in der Wirtschaft. Dabei gilt selbstverständlich auch, dass nicht nur das gute Argument Beachtung finden sollte, sondern die insgesamt integere Einstellung, die keineswegs die eigene Position vergisst, aber aufzeigt, dass nur integeres Verhalten Vertrauen schafft und dies ideell und wirtschaftlich unsere Gesellschaft weiterbringt. Integrität ist nicht nur am äußeren Verhalten erkennbar, sondern auch zu spüren. Wir selbst wissen genau, was wir tun dürfen und was nicht. Wir empfangen und versenden permanent unsere verschlüsselten Botschaften. Wenn wir uns täuschen lassen, so tun wir dies stets wider bessere Überzeugung. Es gilt, die Zugangssperren für Vorbilder und Gestaltungseliten abzubauen und ein wenig mehr der Aufrichtigkeit unserer gesellschaftlichen Verantwortungselite zu trauen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski